Im Vorfeld des Halbfinales im DFB-Pokal standen vor allem die beiden Trainer im Fokus. Während Julian Nagelsmann zu Beginn der Woche seinen Wechsel zum FC Bayern bekanntgab, erhielt Florian Kohfeldt nach einer beispiellosen Negativserie in der Bundesliga von den Werder-Bossen so etwas wie eine Fristverlängerung. So mutierte die Partie gegen RB Leipzig zu einer Art Schicksalsspiel für den Bremer Coach.
Dennoch kam seine Mannschaft im ersten Durchgang nur schwer ins Spiel. RB begann hingegen druckvoll, hatte viel Ballbesitz und verbuchte die erste gute Chance. Bei einer Außenristflanke von Angeliño von der linken Seite kam Alexander Sörloth am Elfmeterpunkt mit dem Kopf an den Ball und zwang Jiri Pavlenka im Bremer Tor zu einer ersten Parade (4.).
In der Folge tat sich Leipzig trotz spielerischer Dominanz allerdings schwer, gegen aufopferungsvoll kämpfende Bremer gefährliche Abschlüsse zu kreieren.
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Bremen hingegen tauchte nach einer halben Stunde erstmals gefährlich vor dem Tor von Peter Gulacsi auf. Nach einem langen Ball von Milos Veljkovic setzte sich Josh Sargent im Laufduell gegen Dayot Upamecano durch, setzte den Ball aber aus neun Metern knapp rechts am Tor vorbei (30.).
Kurz vor der Halbzeit herrschte dann helle Aufregung im Strafraum der Gäste. Nach einem Zweikampf zwischen Davie Selke und Nordi Mukiele entschied Schiedsrichter Manuel Gräfe in der 43. Minute zunächst auf Strafstoß für die Hausherren – nahm diesen aber nach Hinweis von Video-Assistentin Bibiana Steinhaus-Webb und langem Studium der Fernsehbilder wieder zurück. Selke hatte wohl eher bei Mukiele eingefädelt, als dass der Leipziger ihn strafbar gefoult hatte.
Der zweite Durchgang bot ein ähnliches Bild wie der erste. Leipzig lief an, Bremen verteidigte. Höhepunkte waren zunächst selten, einzig ein Freistoß von Angeliño aus 18 Metern Torentfernung sorgte für ein wenig Gefahr (59.).
So allmählich gewann die Partie nun an Fahrt. Zunächst traf der aufgerückte Willi Orban im Anschluss an einen Leipziger Eckball aus elf Metern per Kopf die Latte (65.). Auf der anderen Seite sorgte der eingewechselte Yuya Osako mit einem Kopfballversuch nach einem Freistoß aus sechs Metern für Gefahr (70.).
Wenig später verzeichneten die Gäste einen weiteren Aluminiumtreffer. Nach Flanke von Angeliño von der linken Seite kam der eingewechselte Christopher Nkunku aus sechs Metern zum Abschluss. Mit vereinten Kräften lenkten Niklas Moisander und Pavlenka den Ball an den linken Pfosten (78.).
In der Schlussphase hätte Leipzig alles klar machen können, allerdings scheiterte der eingewechselte Yussuf Poulsen gleich zweimal hintereinander per Kopf (90.+3, 90.+4).
So ging es nach 90 regulären Minuten in die Verlängerung – und die hatte es in sich. Gerade einmal zwei Minuten waren gespielt, als Hee-Chan Hwang die Gäste in Führung brachte. Ein Zuspiel von Dani Olmo zu Poulsen wurde von Theodor Gebre Selassie unglücklich vor die Füße von Hwang abgefälscht. So stand der Südkoreaner plötzlich frei vor Pavlenka und schob aus acht Metern flach ins rechte Toreck ein (93.).
Bremen war gefühlt geschlagen – kam aber kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit der Verlängerung noch einmal zurück. Nach einem Fehler von Dayot Upamecano war der eingewechselte Leonardo Bittencourt auf und davon, umkurvte den herausgeeilten Gulacsi und traf aus 14 Metern zum 1:1-Ausgleich ins Tor (105.+1).
In der zweiten Halbzeit der Verlängerung warf Leipzig noch einmal alles nach vorne. So hatte Poulsen in der 109. Minute das 2:1 auf dem Kopf, zielte aber aus kurzer Distanz über den Kasten. Bremen hingegen war nach beinahe zwei Stunden Pokalfight beinahe stehend K.o. und konnte kaum noch für Entlastung sorgen.
So kam es schlussendlich zum Showdown nach 120 Minuten. Kevin Kampl bediente im Strafraum Hwang, der per Kopf querspielte und den eingewechselten Emil Forsberg fand. Der Schwede drückte den Ball artistisch aus drei Metern über die Linie und machte so den Finaleinzug für RB Leipzig perfekt (120.+1).

Die Stimmen:

Julian Nagelsmann (Trainer RB Leipzig): "Ich finde, dass wir die ersten 25 Minuten sehr gut gespielt, da haben wir sehr viele Abschlüsse gehabt. Aber dann gab es viele Kampfsituationen, wo wir uns dann den Schneid abkaufen haben lassen. Es war spannend, in der Verlängerung haben die Jungs unglaublich gefightet – Bremen genauso. Am Ende waren wir dann aber denke ich der verdiente Sieger. Jetzt sind wir alle glücklich."
Oliver Mintzlaff (Geschäftsführer RB Leipzig): "Es ist natürlich fantastisch. Wir wollten natürlich unbedingt ins Finale einziehen. Wir hätten nicht gedacht, dass es so ein harter Abnutzungskampf ist. Wir kommen dem großen Ziel näher, eine erfolgreiche Saison zu spielen. Ich bin sehr sehr froh und sehr sehr stolz über den Einzug ins Pokalfinale. Wir fahren nicht nach Berlin, um eine schöne Reise zu machen, sondern um etwas mitzunehmen."
Leonardo Bittencourt (SV Werder Bremen): "Wenn du so kurz davor standest, RB Leipzig zum Elfmeterschießen zu zwingen, kann da alles passieren. Deswegen ist das extrem bitter. Wir haben heute nicht den Kopf in den Sand gesteckt. Über den ganzen Wettbewerb hinweg haben wir gute Leistungen gezeigt und das heute gegen so einen starken Gegner. Wir Spieler können immer nur auf dem Platz unsere Antworten geben, das ist der Maßstab, den wir haben. Ich denke, wir haben gesehen, dass die Mannschaft lebt. Was den Trainer angeht, können wir sowieso nichts entscheiden. Wir haben natürlich Interesse, mit dem Trainer weiter zu machen. Das hat man, denke ich, auch heute gesehen."
Davie Selke (SV Werder Bremen): "Riesen-Respekt an die Mannschaft und an den Staff. Nach so einer Pahse aus der wir kommen aus der Liga, gegen so eine starke Mansnchaft wie Leipzig so eine Leistung abzurufen, davor habe ich Respekt. Natürlich sind wir erstmal mega enttäuscht, dass es nicht gereicht hat, aber so eine Leistung ist nicht selbstverständlich. Es war wichtig, dass wir als Mannschaft eine Reaktion gezeigt haben. Nach sieben Niederlagen in Folge hat er (Florian Kohfeldt, Anm. d. Red.) die Mannschaft in dieser Woche betreut – ich denke, auf dem Platz haben wir heute eine Antwort gezeigt."

Der Tweet zum Spiel:

Einer hatte wohl keine Lust auf Elfmeterschießen.

Das fiel auf: Werder Bremen spielt für den Trainer

Nach einer beispiellosen Niederlagenserie in der Bundesliga droht Werder Bremen einmal mehr der Abstieg aus dem Oberhaus. Nach der Krisensitzung am Montag, im Anschluss an die 1:3-Niederlage gegen Union Berlin, durfte Florian Kohfeldt die Mannschaft auch gegen RB Leipzig betreuen. Allerdings unter der Vorgabe, dass es eine deutliche Reaktion der Mannschaft gibt. Und diese Antwort zeigten die Spieler auf dem Platz. Gegen spielstarke Leipziger warfen sich die Bremer in jeden Zweikampf hinein, liefen Kilometer um Kilometer und boten dem Champions-League-Teilnehmer lange Zeit die Stirn. Die Niederlage war denkbar unglücklich – zeigte aber dennoch, dass es zwischen Mannschaft und Trainer grundsätzlich stimmt.

Die Statistik: 2

Zum zweiten Mal steht RB Leipzig nach 2019 im Pokalfinale und kann mit dem scheidenden Trainer weiterhin auf den langersehnten Titel hoffen.
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