Vor 2000 Zuschauern im Millerntor-Stadion (pandemiebedingt) setzte der Tabellenführer der 2. Bundesliga auf eine kompakte Defensive, Aggressivität in den Zweikämpfen und schnelles Spiel in die Spitze nach Ballgewinnen. In der Offensive starteten Etienne Amenyido und der Ex-Schalker Guido Burgstaller in einem 4-3-1-2-System.
Der DFB-Pokalsieger rotierte im Vergleich zum 5:1-Kantersieg in der Bundesliga gegen den SC Freiburg auf drei Positionen, Emre Can fehlte mit einem Muskelfaserriss, Mahmoud Dahoud mit Rückenproblemen, Thorgan Hazard ersetzte Donyell Malen in der Offensive. BVB-Trainer Marco Rose ließ in einem 4-3-3-System agieren.
Obwohl der BVB klarer Favorit war, starteten die Hausherren sehr selbstsicher und gingen mit dem ersten Abschluss früh in Führung. Jackson Irvine spielte den Ball aus dem rechten Halbfeld in die rechte Strafraumhälfte auf Marcel Hartel, der die Übersicht behielt und querlegte. Amenyido lief ein und stolperte die Kugel aus kurzer Distanz ins linke Eck (4.).
Bundesliga
Jagd auf Bayern: BVB-Hoffnungen ruhen auf hochkarätigen Neuzugängen
29/06/2022 AM 17:48
Dortmund war überrascht, benötigte viel Zeit, um ins Spiel zu finden. St. Pauli verteidigte ballnah und eng am Mann, hemmte so das Offensivspiel der Gäste. In der 19. Minute war es ein langer Ball, der für Gefahr sorgte. Mats Hummels schickte Marco Reus, der die Kugel stark im Strafraum an- und mitnahm und aus fünf Metern zum Abschluss kam – Dennis Smarsch hielt stark.
St. Pauli befand sich unter Dauerdruck, fand bis zur 35. Minute kaum Entlastung. In einer kleinen Ruhephase des BVB legte der Zweitligist allerdings eiskalt nach. Jakov Medic spielte einen hohen Ball auf die rechte Seite auf Burgstaller, der Amenyido im Zentrum suchte. Axel Witsel wollte das Zuspiel am ersten Pfosten klären und setzte den Ball dabei unglücklich ins eigene Tor (40.).
Auch im zweiten Durchgang drängte Dortmund auf den Treffer, lief dabei oft an, ohne gefährlich zu werden. In der 56. Minute schaltete sich Hummels in die Offensive ein, provozierte mit einem hohen Ball ein Handspiel von Medic. Schiedsrichter Harm Osmers ließ weiterspielen, der VAR schaltet sich jedoch ein. Der Referee überprüfte die Szene nochmal und zeigte anschließend auf den Punkt – Handelfmeter. Erling Haaland übernahm die Verantwortung und traf sicher flach ins rechte Eck (58.).
Dortmund rannte nach dem Anschlusstreffer an, St. Pauli verteidigte jedoch nicht nur, sondern setzte auch selbst offensive Akzente – der Auftritt des Zweitligisten war außerordentlich gut. So gelang es dem BVB nicht, den zweiten Treffer nachzulegen, um sich in die Verlängerung zu retten. St. Pauli schaffte die Sensation, schoss den amtierenden Pokalsieger aus dem Wettbewerb und zog nicht unverdient ins Viertelfinale ein.

Die Stimmen:

Marco Rose (Trainer Borussia Dortmund): "Die Chance auf einen Titel ist weg. Den Titel, den wir letztes Jahr geholt haben, können wir nicht mehr verteidigen. So wie wir das Spiel angefangen und angenommen haben in den ersten fünf, zehn Minuten, war es kein Pokalspiel für uns. Es ist wichtig, wir müssen daran arbeiten. Jetzt fahren wir nach Hause und sind enttäuscht."
Gregor Kobel (Borussia Dortmund): "Wir haben viele Ballverluste gehabt, sie sind relativ einfach zweimal vor das Tor gekommen. Wenn man 0:2 hinten liegt – gerade auswärts auf einem schwierigen Platz – ist es natürlich ein sehr, sehr schwieriges Spiel. Wir haben zwar ein paar Chancen gehabt, aber am Ende war es ein bisschen zu wenig."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Mehr Einfluss, als du denkst

Das mediale Echo war groß, nachdem Haaland im norwegischen TV erklärte, vom BVB hinsichtlich seiner Zukunftsentscheidung unter Druck gesetzt zu werden. Der Verein versuchte die Aufregung möglichst kleinzuhalten. Vor der Partie gab BVB-Trainer Marco Rose bei "Sky" zu Protokoll, dass es in den letzten Tagen keinerlei Auffälligkeiten bei Haaland gegeben habe.
Die Realität sieht anders aus. Die Thematik beeinflusst den jungen Stürmer mental – sonst hätte er gar nicht erst ein solches Interview gegeben – wie auch sportlich. Gegen St. Pauli war der Norweger lange kein Faktor und trat erst bei seinem Elfmetertor positiv in Erscheinung. Der Angreifer wirkte beschäftigt, weil er beschäftigt ist: Ist der Kopf nicht frei, so leidet die Leistungsfähigkeit – auch bei einem Ausnahmespieler wie Haaland. In Zahlen bedeutete das gegen St. Pauli: Nur 27 Ballkontakte und eine Zweikampfquote von 44 Prozent.

Die Statistik: 25

Das erste Mal seit 25 Jahren stehen beide Hamburger Vereine - der Hamburger SV und St. Pauli - gleichzeitig im Viertelfinale des DFB-Pokals.
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