Nach der 0:5-Klatsche des FC Bayern München bei Borussia Mönchengladbach in der 2. Runde war Borussia Dortmund der Topfavorit auf den erneuten Gewinn des DFB-Pokals. Doch nach der 1:2-Niederlage beim FC St. Pauli ist auch der Titelverteidiger bereits nach dem Achtelfinale raus.
Nach dem frühen Gegentreffer durch Etienne Amenyido (4.) und dem Eigentor von Axel Witsel (40.) reichte es für den BVB nur noch zum Anschlusstor durch einen von Erling Haaland verwandelten Handelfmeter (58.).
Nach dem blamablen Aus in der Gruppenphase der Champions League wirft die Mannschaft von Trainer Marco Rose auch die zweite Titelchance der Saison leichtfertig weg.
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Drei Dinge, die bei St. Paulis Pokal-Coup auffielen.

1. Leben beim BVB erst nach dem Spiel

3:2 in Frankfurt nach 0:2-Rückstand und eine 5:1-Gala gegen den SC Freiburg - viel besser hätte Borussia Dortmund nicht ins Fußballjahr 2022 starten können. Doch die Euphorie beim BVB ist - mal wieder - in kürzester Zeit Ernüchterung gewichen.
Dortmund wirft durch eine kollektiv ganz schwache Leistung nicht nur seine Chance auf die Titelverteidigung im DFB-Pokal leichtfertig weg, sondern gleich auch eine ganze Saison - und das bereits Mitte Januar. Denn niemand kann ernsthaft daran glauben, dass Schwarz-Gelb angesichts sechs Punkten Rückstand ein echter Bayern-Konkurrent im Kampf um die deutsche Meisterschaft ist oder in dieser Form um den Sieg in der Europa League mitspielt.
Dortmund verpennte die Anfangsphase am Millerntor komplett, konnte erst Mitte der ersten Halbzeit ein bisschen Druck aufbauen, um dann kurz vor der Pause das 0:2 zu kassieren. Nach dem Wechsel blieb der erwartete Sturmlauf aus - im Gegenteil: St. Pauli hatte zwei gute Chancen, das Spiel bereits nach 55 Minuten zu entscheiden.
Dass der BVB überhaupt nochmal ins Spiel zurückkam, lag an einem unglücklichen Handspiel im Strafraum von St. Paulis Jakov Medic. Mehr als Haalands Anschlusstor gelang dem BVB indes nicht. Ein alles in allem extrem enttäuschender Auftritt einer Mannschaft in Bestbesetzung, die ganz andere Ansprüche hat.
Was seine Spieler auf dem Platz zeigten, setzte der Trainer nach dem Spiel um. Marco Rose holte bei "Sky" zum verbalen Rundumschlag aus.
"Das war kein Pokalspiel von uns. Es ist unerklärlich und nicht zu entschuldigen, dass wir das gegen diesen schweren Gegner auf diesem schweren Boden nicht geschafft haben. Wir sind raus und es bestätigen sich wieder mal ein paar Dinge, die uns in den letzten Wochen, Monaten und vlelleicht auch Jahren immer wieder vorgehalten werden. Wir müssen einfach als Mannschaft den nächsten Schritt gehen. In so einem Spiel muss man von Anfang an Energie reinpacken, weil es um einen Titel geht. Dass wir das nicht schaffen, ist doof. Ich bin einfach sauer, weil wir das Spiel und damit einen Titel in den ersten zehn Minuten wegschenken, obwohl wir genau wussten, was uns hier erwartet."
Rumms! Nach dem Aus in der Champions League hatte Rose seine Spieler in ähnlicher Form öffentlich angezählt. Nachhaltig gefruchtet hat das nicht.

2. Erling Haaland ein Schatten seiner selbst

Nach dem 5:1-Sieg gegen den SC Freiburg gab Erling Haaland im norwegischen TV in einem bemerkenswertes Interview an, von seinem Arbeitgeber hinsichtlich einer Zukunftsentscheidung unter Zeitdruck gesetzt worden zu sein. Die BVB-Verantwortlichen waren um Contenance bemüht und nahmen dem durchaus heiklen Statement verbal den Wind aus den Segeln. Tenor: Alles gut, man werde sich schon mit der Haaland-Seite einigen können.
Auswirkungen auf die Trainingsleistung und die Einstellung Haalands, sich bis zu seinem letzten Arbeitstag in Dortmund für den BVB zu zerreißen, habe die Angelegenheit ohnehin nicht, versicherte Trainer Marco Rose noch kurz vor Beginn des Pokalspiels am Millerntor.
Doch Spiel eins nach seinem kleinen verbalen Ausbruch war das schwächste des Norwegers seit langer Zeit. Haaland trat erst nach 20 Minuten das erste Mal in Erscheinung, als er aus aussichtsreicher Position an St. Paulis Torhüter Dennis Smarsch scheiterte.
Haalands Aktionsradius war sehr überschaubar; die komplette erste Halbzeit wartete er in vorderster Front auf vernünftige Zuspiele, ohne sich wirklich am Angriffsspiel des BVB zu beteiligen. Ok, er machte dann doch sein Tor, aber der verwandelte Elfmeter war die einzige Szene in 93 Minuten, in der Haaland positiv auffiel.
Ein Spieler, der so weit unter seinen Möglichkeiten agiert, hat offensichtlich ein Problem: körperlich oder mental. Von einer Verletzung Haalands ist nichts bekannt, was die Vermutung zulassen muss, dass ihn die Thematik doch mehr beschäftigt, als es den BVB-Bossen lieb ist.

3. Hut ab, Kiezkicker!

Festwoche für den FC St. Pauli. Erst der Pokalkracher gegen Dortmund und drei Tage später das Derby in der Liga gegen den Hamburger SV. Und die Party geht schon mal legendär gut los.
Doch anders als bei ähnlich großen Siegen in der Vergangenheit, als St. Pauli den Gegner einfach 90 Minuten lang in Grund und Boden rannte, um die Ernte einzufahren, konnte das Team von Trainer Timo Schultz auch spielerisch überzeugen. Diese St. Pauli-Mannschaft spielt richtig guten Fußball und zeigte gegen Dortmund eindrucksvoll, warum sie an der Spitze der 2. Bundesliga steht.
Schultz setzte auch gegen den großen Gegner auf sein bewährtes 4-4-2 mit Raute. Einzige taktische Veränderung: Mit Jackson Irvine spielte auf der Zehn ein eher defensiv orientierter Mann, der aber eben auch über die technischen Fertigkeiten und die Übersicht verfügt, die auf der Position unabdingbar sind.
Natürlich begünstigte das frühe Führungstor den Spielverlauf aus Sicht der Hamburger, doch St. Pauli beging nicht den Fehler, sich anschließend einzuigeln, sondern war bemüht, Dortmund weiter überall auf dem Platz zu beschäftigen. Auch unter Pressingdruck des BVB war St. Pauli immer wieder darauf aus, sich spielerisch zu befreien anstatt nur langen Hafer nach vorne zu bolzen.
"Die Jungs haben genau das umgesetzt, was wir besprochen hatten. Sie haben ein sehr sehr gutes Spiel abgeliefert und sich diesen Sieg redlich verdient", sagte Schultz in der "ARD". Im Viertelfinale könnte es übrigens gleich zum nächsten Stadtduell mit dem HSV kommen.
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