FC Bayern München nicht eklig genug für das Triple - an welcher Stellschraube Thomas Tuchel drehen muss

Thomas Tuchel ist noch keine zwei Wochen im Amt, da kann der FC Bayern München seinen Traum vom Triple schon begraben. Dem Trainer ist der Misserfolg nicht anzulasten, den Spielern schon. Auffällig dabei: Es sind Grundtugenden, die das Team mitunter vermissen lässt - wie beim 1:2 gegen Freiburg. So muss Tuchel sich mehr mit Leidenschaft und Gier beschäftigen als mit dem perfekten Spielsystem.

Fehlendes Momentum: Tuchel analysiert "bitteres" Bayern-Aus

Quelle: Perform

Kann es sein, dass die Bayern ein Mentalitätsproblem haben? Dass Deutschlands beste Fußballmannschaft Spieler hat, die nicht alles ausreizen?
So merkwürdig es klingen mag, aber so ist es.
Noch merkwürdiger: Spieler und Trainer gestanden nach der Pokal-Pleite gegen den SC Freiburg offen ein, dass es ihnen am nötigen Biss fehlt. "Man hat bei uns das Gefühl, dass es ein Tick zu wenig Leidenschaft ist", bemängelte Joshua Kimmich.
Es falle dem Team schwer, "eine Wucht und Gier gemeinschaftlich zu entwickeln", gab Thomas Tuchel zu. Es ist einigermaßen verwunderlich, dass es dem Ensemble hochbegabter Profis immer wieder ausgerechnet an sportlichen Grundtugenden wie Leidenschaft und Gier mangelt.

Bayerns trügerische Überlegenheit

Andererseits merken die Bayern natürlich, dass sie zumindest in Liga und Pokal der Konkurrenz spielerisch und technisch überlegen sind. Beim 1:2 gegen Freiburg kamen die Münchner auf 67 Prozent Ballbesitz, bei der 1:2-Niederlage vor gut zwei Wochen in Leverkusen waren es 60 Prozent.
picture

Ernüchterung in München: "Keine Chance es gut zu machen"

Quelle: Perform

Der Rekordmeister strahlt mitunter eine Feldüberlegenheit aus, die trügerisch ist. Vor allem, wenn der Gegner massiv verteidigt, geht den Bayern das kreative Moment in der Offensive ab. Das rächte sich gegen Freiburg. SC-Trainer Christian Streich hatte diese Schwachstelle erkannt und seine Auswahl entsprechend instruiert. "Wie sollst du gegen diese Mannschaft gewinnen? Da kannst du nur so gewinnen, wie wir heute gewonnen haben", erklärte der 57-Jährige.
Streich räumte ein, dass "die zweite Halbzeit fast wie Handball" ausgesehen habe. Ein passendes Bild für die - letztlich erfolglose - Dominanz der Bayern. "Im letzten Drittel haben wir zu viele Fehler gemacht", monierte Tuchel. Beim Debüt des neuen Coaches drei Tage zuvor gegen Borussia Dortmund (4:2) war das noch anders. Der BVB versuchte mitzuspielen, anzugreifen - und wurde von den Roten brutal bestraft.
Nur: So mutig wie Edin Terzic werden auch in Zukunft die wenigsten Trainer ihre Mannschaft gegen die Bayern auf den Platz schicken. Das könnte zu der kuriosen Situation führen, dass dem FCB die in Kürze anstehenden Champions-League-Duelle mit Schwergewicht Manchester City spielerisch leichter fallen als die kommenden Vergleiche in der Bundesliga mit Freiburg, Mainz und Hertha BSC.

Schweinsteiger verordnet FCB mehr "Boshaftigkeit"

Die Lösung? Mehr "Boshaftigkeit", wie Ex-Bayern-Star Bastian Schweinsteiger in der "ARD" anregte. "Die Galligkeit, die Gierigkeit von den einzelnen Spielern in Eins-gegen-Eins-Situationen, die musst du permanent sehen", forderte der Weltmeister von 2014. Schweinsteiger formulierte die Kritik nicht in den luftleeren Raum, sondern während Tuchel neben ihm stand. Bemerkenswert: Der Bayern-Trainer stimmte der Analyse zu.
Er habe den "allerletzten Hunger" vermisst, so Tuchel. "Das Ding zu zwingen, wenn es eng ist und der Gegner tief verteidigt." Dazu müsse man in Momenten, wie vor dem Handelfmeter in der Schlussphase, härter zu Werke gehen. "Körper reinstellen, stabiler sein, tougher sein." Auf die Spieler dürften ein paar sehr intensive Trainingseinheiten an der Säbener Straße zukommen. Das Aus gegen Freiburg werde den Klub "eine Weile beschäftigen", man brauche Zeit, die Niederlage zu verdauen, erläuterte der Coach.
Schweinsteiger nahm derweil einmal mehr den überstrapazierten Begriff der "Mentalität" in den Mund. Daran müsse Tuchel "mit den Spielern arbeiten, aber die müssen es auch verstehen und wollen", sagte der 38-Jährige.

Kimmich platzt der Kragen: "Kotzt mich brutal an!"

Bei allem Verdruss besteht aber kein Grund zur Panik, auch wenn der Triple-Traum schon geplatzt ist. Tuchel hat seine Mannschaft schließlich erst seit wenigen Tagen beisammen, eine echte Wirkung konnte er naturgemäß noch nicht erzielen.
Darüber hinaus kamen von den Führungsspielern deutliche Worte, die dem Trainer gezeigt haben, dass die Mannschaft verstanden hat. Das Ergebnis gegen Freiburg löse "Wut" ihn im aus, polterte Kapitän Thomas Müller. Und auch Kimmich platzte der Kragen. "Wieder ein Titel weniger, den wir gewinnen können. Es kotzt mich brutal an!"
Wenn man unterstellt, dass der Nationalspieler seinen Kollegen und dem neuen Coach mit der deftigen Wortwahl aus der Seele sprach, muss man sich wahrlich keine Sorgen um die Bayern machen ...
picture

"Fast wie im Handball": So brach Freiburg seinen München-Fluch

Quelle: Perform

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung