Drei Dinge, die bei VfL Wolfsburg - Borussia Dortmund auffielen: Ein glück- und torloser Maximilian Beier

Borussia Dortmund kassierte beim VfL Wolfsburg eine bittere 0:1-Niederlage und schied in der zweiten Runde des DFB-Pokals aus. Ein Hauptgrund dafür war, dass der ersatzgeschwächte BVB von der Bank nicht nachlegen konnte. Möglicherweise hätte das Spiel einen anderen Verlauf genommen, hätte Maximilian Beier endlich seine Torflaute beendet. Drei Dinge, die in der VW-Arena auffielen.

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Quelle: SID

Als der Abpfiff ertönte, sanken nahezu alle Spieler von Borussia Dortmund zu Boden. Mit der 0:1-Niederlage beim VfL Wolfsburg, die in der Verlängerung zustande kam, hat sich die Krise des BVB weiter zugespitzt.
Sportdirektor Sebastian Kehl stellte sich dennoch hinter die Mannschaft. "Ich glaube, wir hätten in vielen Phasen das Weiterkommen mehr verdient gehabt", sagte er kurz nach Spielende. "Am Ende in der 118. Minute das Gegentor zu kassieren und nicht mehr richtig reagieren zu können, ist ein Teil der Geschichte."
Allerdings könne er der Mannschaft keinen Vorwurf machen: "Sie hat wirklich alles gegeben, alles reingehauen und gekämpft bis zum Umfallen. Sie sind an die Grenzen gegangen, die wir bei unseren personellen Möglichkeiten haben. Trotzdem wollte der Ball nicht rein."
Nach 90 torlosen Minuten, in denen Dortmund 59 Prozent Ballbesitz und dennoch genauso viele Torschüsse (11) wie der VfL hatte, ging das Spiel in die Verlängerung.
Der BVB leistete sich zu Beginn der Nachspielzeit einfache Ballverluste. Bei einem Konter kam der VfL zu der bis dahin besten Gelegenheit, als Tiago Tomas den Ball an die Latte setzte. Wolfsburg belohnte sich für den Aufwand, indem der eingewechselte Jonas Wind in der 117. Minute den Siegtreffer erzielte.  
"Für uns ist es extrem bitter", sagte BVB-Trainer Nuri Sahin. "Wir hatten sehr gute Phasen im Spiel, in denen wir immer dominanter wurden. In so einer Situation ist es natürlich bitter, dass der Ball dann nicht vor die Füße fällt oder vom Pfosten aus reingeht. Die Jungs haben sich aber aufgeopfert."
Sicher ist offenbar, dass Sahin weiter Trainer des BVB bleibt. Als Kehl gefragt wurde, was die Niederlage für den Coach bedeute, antwortete er: "Nichts – außer, dass wir natürlich alle enttäuscht sind und der Trainer auch sehr enttäuscht ist."
Drei Dinge, die bei VfL Wolfsburg - Borussia Dortmund auffielen.

1.) die bank ist entscheidend

Die Nervosität war Sahin anzusehen. Unruhig ging er in der Coaching-Zone auf und ab, gab mit wilden Gesten Anweisungen, haderte mit vergebenen Chancen und war schon im nächsten Augenblick wieder bemüht, seine Spieler mit einem Klatschen aufzumuntern.
Womöglich hätte Sahin gerne früher mit der einen oder anderen Auswechslung Impulse gesetzt. Doch der angeschlagene Marcel Sabitzer war der einzige gestandene Bundesliga-Feldspieler auf der Ersatzbank.
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Hatte keinen personellen Spielraum: Nuri Sahin

Fotocredit: Getty Images

Was konnte Sahin also tun? Die erste Einwechslung des BVB war der 18-jährige William Cole Campbell, der in der 77. Minute für Donyell Malen in die Partien kam. Der US-Amerikaner gab erst am Samstag sein Bundesliga-Debüt, als er bei der Pleite gegen Augsburg eine Minute vor Spielende eingewechselt wurde.
Sabitzer wurde während der Verlängerung ins Spiel gebracht, kurz darauf Jordi Paulina. Der 20-jährige Niederländer gab sein Pflichtspieldebüt für die BVB-Profis.
Wolfsburg hingegen hatte die Möglichkeit, von der Bank mehrere erfahrene Kräfte zu bringen - so zum Beispiel mit der Einwechslung des Sieg-Torschützen Wind. "Wir haben gute Spieler auf der Bank. Dortmund hingegen hat viele verletzte Spieler und nur Jugendspieler auf der Bank. Wir konnten das Spiel mit mehr Energie entscheiden", sagte Wind gegenüber Eurosport.
Wolfsburg-Trainer Ralph Hasenhüttl ergänzte: "Ich habe gewusst, dass die Einwechselspieler entscheidend sein könnten. Wir hatten die bessere Bank und konnten nachlegen. Nuri konnte das nicht."
Sahin sah das genauso. "Der ausschlaggebende Punkt war, dass wir nicht nachschießen konnten", gab er zu. "Wenn wir einen Karim (Adeyemi) oder einen Julien (Duranville) reinschmeißen könnten, wäre das noch einmal etwas anderes. Daher ist es bitter, dass wir so viele Verletzte haben."

2.) eine viererkette aus der not

Eine große Rotation konnte Sahin nach der Augsburg-Pleite nicht vornehmen, weil ihm - wie bereits skizziert - verletzungsbedingt das Personal fehlte. Veränderungen in der Startelf ergaben sich aus Verletzungsgründen. Waldemar Anton und Julian Ryerson konnten nicht eingesetzt werden, bei Sabitzer reichte es trotz Rückenbeschwerden immerhin für die Bank.
Neu in der Startelf waren neben Stürmer Maximilian Beier die beiden Mittelfeldspieler Pascal Groß sowie Emre Can, die nun als Abwehrspieler agieren mussten. Can lief als Innenverteidiger auf, Groß als Rechtsverteidiger.
Groß war sehr in das Offensivspiel involviert und spielte immer wieder gezielte Flanken in den Strafraum, vorrangig war Guirassy der Abnehmer. Rückte Groß in die Zentrale ein, sicherte Mittelfeldspieler Felix Nmecha die rechte Außenbahn ab. Heißt also: Die Umstellung hatte Auswirkungen auf die gesamte Mannschaft.
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Emre Can im Duell mit Tiago Tomás

Fotocredit: Getty Images

"Wir hatten ehrlich gesagt nicht so viel Zeit, die Mannschaft darauf vorzubereiten. Wir wussten, dass wir sehr wahrscheinlich ein bisschen umstellen müssen", sagte Sahin auf Nachfrage von Eurosport.
"Aber Pascal hat das schon öfter gespielt, Emre hat auf dieser Position auch schon oft gespielt. Die Jungs haben das richtig gut gemacht. Ich fand nicht, dass die Umstellung ein Problem war."
Tatsächlich lieferten Groß und der (oftmals in der Kritik stehende) Can ein weitestgehend fehlerfreies Spiel ab. Und doch ist es klar, dass solch eine gravierende Umstellung zulasten der Automatismen geht. Gerade diese sind in einer Krisen-Situation oftmals entscheidend. 

3.) Beier bleibt glück- und torlos

Der Frust war Maximilian Beier anzusehen, als er nach 112 Minuten ausgewechselt wurde. Er hatte sich die Kapuze über den Kopf gezogen und blickte ins Leere.    
Der Stürmer, der in elf Pflichtspielen für den BVB noch keine einzige Torbeteiligung zustande brachte, hätte der große Erlöser sein können. In der 13. Minute bekam er ein perfektes Zuspiel von Nico Schlotterbeck in den Lauf gesteckt, sodass er unbedrängt auf das Tor zulaufen konnte. Beier knallte den Ball jedoch gegen den Pfosten.
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VfL Wolfsburg - Borussia Dortmund

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"Ich glaube, jeder hätte Maxi das Tor in dieser Situation gewünscht", sagte Kehl auf Nachfrage von Eurosport. "Das war ein toller Laufweg, ein toller Pass, eigentlich alles richtig gemacht – er hat auch im richtigen Moment abgeschlossen. Es sind eben ein paar Zentimeter, die uns momentan fehlen. Uns fehlt das Glück, dass der Ball reingeht."
Im weiteren Spielverlauf war Beier vor allem eines: unauffällig. Der Stürmer hatte bis zu seiner Auswechslung 32 Ballkontakte und gab zwei Torschüsse ab.
Kehl nahm seinen Spieler in Schutz: "Ich glaube, Maxi hat ein sehr gutes Spiel gemacht. Er war unglaublich fleißig, hat sehr viele Wege gemacht. Die beiden da vorne (mit Guirassy, Anm. d. Red.) haben sich gut verstanden. Aber das hilft uns nicht, weil wir ausgeschieden sind."
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Quelle: Perform


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