FC Bayern - Problemstelle nach Musiala-Schock: Wer ersetzt den Spielmacher? Saibari, Kane oder Olise als Alternativen

Eurosport bei Google

"Mittelfristig", sagte Uli Hoeneß, könne der Fall Jamal Musiala "zu einem Problem" für den Verein werden. Sportlich gesehen, weil unklar ist, wie Trainer Vincent Kompany den an Absencen erkrankten Spielmacher künftig einsetzen wird - und überhaupt kann. Wer kommt als Ersatz infrage? Warum Neuzugang Ismael Saibari die 1A-Lösung ist und wer Bayerns zwei Weltklasse-Alternativen als Notlösung sind.

Eberl erklärt Häufung der Krampfanfälle bei Musiala: "Hat etwas verändert"

Quelle: Perform

Alphonso Davies ist ein ganz enger Freund von Jamal Musiala. Den Kanadier hat die Erkrankung seines Mitspielers, der Ende Juli bei Davies' Hochzeit in Paris als Gast vor Ort war, ziemlich mitgenommen.
Der 23-jährige Nationalspieler leidet an einer neurologischen Dysfunktion, die sich in temporären Absencen äußert, die zu kurzzeitigen Zusammenbrüchen führen kann. Wie zuletzt zwei Mal in vier Tagen geschehen.
"Diese zwei Zwischenfälle haben mir das Herz gebrochen", meinte Davies am Donnerstag an der Säbener Straße und ergänzte: "Die Ärzte machen alles, um ihm in dieser Situation zu helfen. Das Beste, was wir als Mannschaft machen können, ist, ihm positive Energie zu geben, damit er seinen Kopf freihalten kann, um sich da durchzukämpfen."
Natürlich werde man Musiala "supporten", meinte der 25-Jährige und zwar "nicht nur den Spieler, sondern auch den Menschen. Wir müssen ihn als Freund unterstützen, wie einen Bruder. Aber ich kenne Jamal und weiß, dass er stärker zurückkommen wird."
picture

Alphonso Davies stärkt Jamal Musiala den Rücken

Fotocredit: Getty Images

Kane sichert Musiala zu: "Wir unterstützen ihn zu 100 Prozent"

Wie Davies wissen alle Mitspieler nicht so recht, wie sie die Situation einschätzen sollen. Es gehe im Moment darum, "Jamal das so handhaben zu lassen, wie er es möchte", sagte Torjäger Harry Kane und versprach: "Wir unterstützen ihn zu 100 Prozent."
Wie der gesamte Verein. Alle leiden mit Musiala. Vor allem Uli Hoeneß, der Ehrenpräsident, der erste Anwalt und Seismograf des Vereins. Der Fall Musiala sei "ein Drama", das ihn "vom Hocker gehauen" habe, so Hoeneß. Er sei "sprachlos, was selten genug vorkommt". Und besorgt.
"Es ist ein Drama - speziell für den Jamal", sagte Hoeneß im Interview mit "RTL/Sky". Der 74-Jährige erklärte, es sei "ein Problem, in erster Linie natürlich für den Menschen Jamal. Wirklich, ich gehe mit dem Gedanken ins Bett und wache mit dem Gedanken an ihn auf". Natürlich erhalte Musiala "bedingungslose Unterstützung in jeder Hinsicht".
Am Mittwoch unterzog sich der Mittelfeldspieler erneut Untersuchungen bei Spezialisten. Was darauf schließen lässt: Ab jetzt ist alles anders bei Musiala, der im Februar 2025 einen Vertrag bis 2030 unterschrieb und zu Bayerns Top-Verdienern gehört.
picture

Nach Schwächeanfall: FC Bayern Team Day findet ohne Musiala statt

Quelle: SNTV

Neben all den Sorgen um Musialas Gesundheit stellen sich zig Fragen

Welche konkrete neurologische Erkrankung hinter seinen Absencen steckt, ist bisher nicht bekannt. Eine genaue Diagnose nannte Musiala nicht. Er betonte, dass diese Absencen "gut behandelbar" seien. Und weiter: "Ich weiß, dass diese auf den ersten Blick scary wirken - für mich sind sie aber aktuell Teil meines Alltags. Ich bin diesbezüglich in bester medizinischer Behandlung und sehr optimistisch." So weit, so gut. Natürlich aber stellen sich – neben all den Sorgen und der Ungewissheit – zahlreiche Fragen.
Insbesondere: Wie geht er selbst und sein Arbeitgeber in Zukunft mit der Erkrankung um? Im Alltag, im Training? Bei den Spielen? Denn nach den beiden kurzzeitigen Zusammenbrüchen ist alles nicht mehr wie vorher. Unbeschwert war gestern. "Wir haben uns darauf nicht vorbereiten können. Wir müssen erst lernen, mit dieser Situation umzugehen", betonte Hoeneß und gestand, der FC Bayern müsse sich an die Situation "herantasten".
Zwar wisse der Verein "schon die ganze letzte Saison" von Musials Problemen. "Wir haben damit gearbeitet. Wir haben es gehandelt", sagte Sportvorstand am Freitag im Vorfeld des Supercups bei Borussia Dortmund (Samstag ab 20:30 Uhr im Liveticker).
Aber: "Wir haben mit allem gerechnet, nur nicht mit dieser Häufung", so Hoeneß. Aus medizinischer Sicht ist die Häufung der Absencen eine unbekannte Variable.

Wie soll Chefcoach Kompany nun im Fall Musiala verfahren?

An der Säbener Straße ist man darum bemüht, so viel Normalität wie möglich walten zu lassen. Wird schwierig. Wie soll etwa Chefcoach Kompany, der für seinen umsichtigen und sensiblen Umgang mit Spielern bekannt ist, nun im Fall Musiala verfahren? Diese Absencen können jederzeit unvermittelt auftreten. Beide Male war der Zehner der Bayern danach unmittelbar ausgewechselt worden. Nicht nur eine Vorsichtsmaßnahme, sondern aus ärztlicher Sicht zwingend erforderlich.
Trotz aller Fürsorge geht es um Profisport. Im Supercup, der Saison-Ouvertüre samt erstem Titelchen, wird Musiala auf jeden Fall fehlen. "Nein, er ist nicht im Kader", bestätigte Kompany: "Es ist neu, dass es die Öffentlichkeit weiß und schaut. Deshalb wollen wir, dass er erstmal die Adaption in seiner Behandlung macht, ohne dass wir noch etwas extra dazu machen." Laut Eberl habe Musiala seine Medikation verändert, was ausschlaggebend für die Häufung der Zusammenbrüche gewesen sein könnte: "Jetzt gilt es, diese Medikation wieder anzupassen, dass er wieder dahin kommt, wo wir schon waren."
Wie genau das aussehen wird, steht in den Sternen. Musiala von Anfang an bringen, falls dieser erneut das Okay der Ärzte bekommt? Was aber, wenn er dann wieder rausmuss und damit die (sportlichen) Pläne über den Haufen geworfen werden? Taugt Musiala in seiner aktuellen Verfassung als Einwechselspieler? Als Joker, der eine Mannschaft mitreißen kann? Fragen über Fragen.
"Mittelfristig", so Hoeneß, könne der Fall Musiala nun "zu einem Problem" für den Verein werden. In erster Linie sportlich gesehen. Denn: Wer ersetzt Musiala, wenn er nun nicht regelmäßig zum Einsatz kommen kann? Wer kommt als weiterer Zehner auf der Problemstelle im zentralen, offensiven Bereich infrage? Eine Kandidatenschau:
picture

Kompany über Musiala: "Gehen schon länger damit um"

Quelle: Perform

Ismael Saibari

Der Transfer des Marokkaners war von Sportvorstand Max Eberl frühzeitig eingespielt worden – etwa im Wissen um die ungewisse Zukunft sprich Gesundheitssituation von Musiala? Der Transfer des 25-Jährigen von der PSV Eindhoven für 55 Millionen Euro erscheine nun aufgrund der Sorgen um Musiala "in neuem Licht”" wie es die "SZ" formulierte. "Meine Lieblingsposition ist auf der Zehn, das weiß jeder", sagte Saibari zuletzt und betonte nach Gesprächen mit Trainer Kompany: "Auch Vinnie hat mir gesagt, dass ich auf vielen Positionen spielen kann. Wir wechseln so viel durch, da ist auch gar nicht so wichtig." Momentan jedoch ist Saibari als erster Ersatz für Musiala auf der Zehnerposition vorgesehen, wird nicht auf den Flügelen gebraucht.
im Supercup werde Saibari auf jeden Fall "eine Rolle spielen", bestätigte der Trainer. Aber: "Er kommt zurück aus einer Verletzung. Das ist das einzige, das etwas anders ist als bei den anderen Spielern. Wir wollen schauen, was die Minuten angeht."
Unabhängig davon habe der Verein "vom Gefühl her einen Spieler geholt, der total zu dem passt, was wir machen wollen."
picture

Ismael Saibari war als erster zur Stelle, als Jamal Musiala im Testspiel gegen RB Leipzig umkippte

Fotocredit: Twitter

Harry Kane

Frisch ausgezeichnet mit dem "Goldenen Schuh" für Europas besten Torjäger der Saison 2025/26 will der Brite auch in der kommenden Spielzeit auf Torejagd gehen. 61 Tore erzielte der Mittelstürmer in 51 Pflichtspielen für den FC Bayern, inklusive der englischen Nationalmannschaft waren es sogar 73 Treffer. Doch Kane ist mehr als eine klassische "9", die er als Trikotnummer auf dem Rücken trägt. Während eines Spiels lässt er sich der 33-Jährige meist tief ins Mittelfeld oder in die eigene Hälfte (bevorzugt auf die linke Abwehrseite) fallen, um dann mit weiten Schlägen auf den rechten Flügel zu glänzen. Warum also nicht gleich als Spielmacher auflaufen? Nun ja, einen anderen Neuner haben die Bayern nicht im Kader – und Kane gibt ja ohnehin bereits oft den Aushilfs-Zehner während einer Partie.

Michael Olise

Im System der französischen Nationalmannschaft agierte der 24-Jährige während der WM in Nordamerika als Spielmacher, rückte unter Trainer Didier Deschamps in die Mitte. Bei Bayern jedoch hat Kompany die Rolle des Rechtsaußen für Olise vorgesehen, so auch zuletzt bei seinem ersten Einsatz nach dem Urlaub in Heidenheim (4:2). Sofort glänzte Olise wieder mit Spielfreude und einer Torvorlage. Ihn auch bei Bayern als Spielmacher einzusetzen wäre eine Notlösung – wohl dem, der solche Weltklasse-Notlösungen in petto hat.
picture

Harry Kane und Michael Olise - Bayerns Dauerbrenner in der Offensive

Fotocredit: Getty Images

Serge Gnabry

Der 31-Jährige wäre von Bundestrainer Julian Nagelsmann für die WM nominiert worden, hätte er sich nicht im April einen Ausriss der Adduktoren am Oberschenkel zugezogen. Auch im DFB-Team agierte der variabel einsetzbare Offensivspieler als Zehner oder falsche Neun – wie bei Bayern. Momenten kämpft sich Gnabry nach seiner schweren Verletzung wieder peu à peu ans Teamtraining heran, kommt als Musiala-Ersatz also wohl erst ab September infrage, wenn er über Kurzeinsätze Spielpraxis und Rhythmus gesammelt hat.

Einer der Youngster

Als da wären: Arijon Ibrahimovic (20), Felipe Chávez (19), Guido Della Rovere (18). Die drei offensiven Hoffnungsträger könnten die Spielmacher-Rolle einnehmen, allerdings dürfte dies wohl noch zu viel der Erwartungshaltung und des Drucks auf den noch so jungen Schultern sein. Rückkehrer Ibrahimovic, noch der erfahrenste Youngster dieses Trios, in der vergangenen Saison an den 1. FC Heidenheim ausgeliehen, soll ohnehin den Backup für Luis Díaz auf dem linken Flügel sein. Felipe Chávez, der in der Rückrunde beim 1. FC Köln neue Erfahrungen sammeln durfte, könnte bis zum Ende der Sommer-Transferperiode noch ausgeliehen werden. Beim Test in Heidenheim glänzte der Peruaner mit einem sehenswerten Freistoßtreffer. Und der Della Rovere, U19-Nationalspieler Italiens, ist noch ohne jeden Einsatz in einem Profispiel, könnte ebenfalls noch verliehen werden.
picture

BVB-Boss Ricken: "Wünschen Musiala alles Gute"

Quelle: Perform


Mehr als 2 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung