Arjen Robben schaute etwas verdutzt, als er das Geschenkpapier um sein Willkommenspräsent aufgerissen hatte. Ein gläserner Sushi-Teller? "Das ist nicht die Meisterschale", erläuterte Sportdirektor Mark-Jan Fledderus, der den Weltstar bei rohem Fisch und Reis von der unerwarteten Rückkehr zum FC Groningen überzeugt hatte.

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Bundesliga
Robben löst Hype in Groningen aus: Mehr als 10.000 Dauerkarten verkauft
28/06/2020 AM 14:24

Diese Meldung stellte am Samstag nicht nur die niederländischen Sportmedien auf den Kopf, sondern verdrängte um 17:00 Uhr für ein paar Minuten auch in Deutschland das Abstiegsfinale der Bundesliga aus den Top-Schlagzeilen. Nach nur einem Jahr im Ruhestand ist Mr. Wembley tatsächlich zurück, um an seine mittlerweile 18-jährige Reise im Zirkus Profifußball noch eine weitere Saison dranzuhängen. Dort, wo für ihn als Teenager alles begonnen hatte.

Das treibt Robben noch an

"Warum ich das tue? Das kann ich mit einem Wort beschreiben: Klubliebe," erklärte Robben auf einer einberufenen Pressekonferenz am Sonntag seine Motivation. Der Ex-Bayern-Star stammt aus dem von Groningen nur zehn Autominuten entfernten Bedum.

Robbens emotionale Rückkehr: "Ich mache es zu meiner Mission"

1996 hatte er in der Jugendakademie von Groningen seine Fußball-Laufbahn begonnen. Mit gerade einmal 16 Jahren debütierte er bei den Profis für den "Stolz des Nordens", wie der FC in den Niederlanden genannt wird, bevor es ihn 2002 nach Eindhoven und später in die großen Fußballmetropolen London, Madrid und München zog.

Zuallererst ist die Rückkehr für Robben also eine Herzensangelegenheit. Groningen war wie einige andere Vereine in der Eredivisie aufgrund der Corona-Krise in finanzielle Schieflage geraten. "Irgendwann habe ich mich gefragt: Wie kann ich am meisten helfen? Und ich denke, aktuell ist das immer noch auf dem Platz", verriet der 36-Jährige in einem Interview mit dem klubeigenen Sender "FC Groningen TV".

Sportdirektor Fledderus und der Vorstandsvorsitzende Wouter Gudde hielten das komplette vergangene Jahr über Kontakt zu Robben, Ende Mai überraschte das Duo den Linksfuß sogar bei ihm zuhause in Grünwald. "Sie hatten eine tolle Videopräsentation vorbereitet. Danach haben wir das zuhause durchgesprochen und nach ein paar Tagen habe ich entschieden, dem ganzen eine Chance zu geben", so Robben.

Dass der ehemalige niederländische Nationalspieler ein Haus in seiner Heimat gebaut hat, das er mit Frau Bernadien und den drei Kindern bald beziehen wird, half sicher. Der endgültige Durchbruch gelang dann beim Sushi-Essen.

Robben hat das Feuer nie verloren

Doch wer den akribischen Arbeiter und Fußballfanatiker Robben in seinen zehn Jahren beim FC Bayern erlebt hat, der weiß, dass die Liebe zu Groningen nicht der einzige Grund für seine Entscheidung war.

"In den ersten Monaten habe ich Fußball nicht vermisst. Ich habe mir nicht einmal die Spiele im Fernsehen angeschaut", verriet Robben, der während seiner Auszeit die F2-Junioren des TSV Grünwald, für die sein Sohn spielt, trainierte und sich mit Skifahren und der neuen Trendsportart Padel-Tennis die Zeit vertrieb.

Arjen Robben im Trikot des FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Doch mit dem schlechteren Wetter im Winter kam die Lust sukzessive zurück, es nagte an Robben. Der Wettbewerb fehlte dem 36-Jährigen, der die Disziplin eines Vollblutprofis in seiner Karriere wohl so sehr verinnerlicht hat wie wenige andere. Im Dezember dachte der Niederländer sogar kurzzeitig an ein Comeback beim FC Bayern, "doch das ging schnell vorüber".

Dennoch hielt er sich an der Säbener Straße in München fit, absolvierte einige Cyber-Trainingseinheiten während der Corona-Pause mit seinem alten Team. Die Entscheidung zum Comeback war dann nicht mehr weit: "Die meisten, die mich wirklich gut kennen, waren nicht überrascht, weil sie wissen, dass ich kein ruhiger Typ bin."

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Riesenhype um Robben in Groningen

Beim FC Groningen hat die Nachricht von Robbens Rückkehr die erhoffte Wirkung auf jeden Fall nicht verfehlt. Innerhalb eines Tages vermeldete der Verein 10.000 verkaufte Dauerkarten für die Heimspiele der kommenden Saison im Hitachi Capital Mobility Stadion, das gerade einmal 22.579 Plätze fasst. Ungewisse Zukunft in Zeiten der Corona-Krise hin oder her.

Die Euphorie in der 200.000-Einwohner-Stadt ist gewaltig. "Ich hatte Gänsehaut und Tränen in den Augen", sagte John de Jonge, Vorsitzender der offiziellen Fanvereinigung.

Auch Trainer Danny Buijs zeigte sich im Interview mit "RTV Noord" begeistert: "Es ist unglaublich schön, dass er diesen Schritt geht. Natürlich für den Verein, aber auch für mich als jungen Trainer", so der 38-Jährige: "Dass ich die Möglichkeit habe, mit einem absoluten Top-Spieler zusammenzuarbeiten, wird mir auch in meiner persönlichen Entwicklung helfen."

Was kann Robben Groningen noch geben?

Bleibt die Frage, was Robben dem Verein trotz seines aktuell beeindruckenden physischen Zustands noch geben kann? Der 36-Jährige galt schon immer als verletzungsanfällig, besonders zum Ende seiner Bayern-Zeit plagten ihn immer wieder langwierige Blessuren.

"Die letzten sechs Monate bei Bayern hatte ich im Training oft Schmerzen, das wollte ich nicht mehr. Jetzt konnte ich mich ein Jahr erholen und hoffe, das hat geholfen", so Robben, der aber realistisch bleiben möchte: "Es ist nicht einfach, ich bin keine 20 oder 25 mehr."

34 Spiele wird Robben für den FC sicher nicht auflaufen. Ein Spieler für eine ganze Saison war er ohnehin noch nie. Doch wenn der 36-Jährige zum angepeilten Saisonstart der Eredivisie am 12. September für seinen Heimatverein auf den Rasen zurückkehrt, wird er der jungen Mannschaft von Groningen allein durch seine Präsenz einen Extraschub Motivation verleihen.

Genauso, wie er das zehn Jahre lang auch beim FC Bayern getan hat.

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