Joachim Löw hatte Redebedarf. Zum Start in die Vorbereitung auf den Klassiker gegen England tauschte er sich längere Zeit mit Stürmer Timo Werner aus, dann hielt der wegen einer UEFA-Anordnung verstimmte Bundestrainer eine fast fünfminütige Ansprache an die Mannschaft. Seine Botschaft war klar: "Jetzt gibt es kein Pardon mehr."
Besonders in der Offensive muss die DFB-Auswahl im Fußball-Tempel Wembley am Dienstag (18:00 Uhr im Liveticker) mehr Wucht und Ideen entwickeln - auch wenn das Abschlusstraining nicht wie gewünscht in London stattfindet. "Wir hätten sehr gerne dort trainiert. Das ist ein Wermutstropfen, weil es eine besondere Turnierphase und ein besonderes Stadion ist", sagte DFB-Sprecher Jens Grittner. Doch die UEFA verordnete die Schonung des Rasens.
Den gegnerischen Strafraum will das DFB-Team hingegen nicht schonen. "Wir müssen mehr Zielstrebigkeit und Kreativität in unser Spiel nach vorne einbauen", sagte Thomas Müller, der aber davor warnte, den Engländern ins offene Messer zu rennen: "Wenn wir nur zwei, drei Chancen bekommen, dann musst du eine machen oder mit einem 0:0 in die Verlängerung gehen. Ein Spiel knapp zu gewinnen, ist keine Schande."
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Denn auch wenn Löw "ein völlig anderes Spiel" als gegen die zähen Defensivkünstler aus Ungarn (2:2) erwartet, so große Lücken wie gegen Portugal (4:2) wird seine Mannschaft nicht vorfinden. Die Engländer blieben in allen drei Vorrundenspielen ohne Gegentor, in den vergangenen neun Länderspielen (acht Siege, ein Unentschieden) stand achtmal die Null.

Müller sieht Schlüssel in der Defensive

Daher benötigt der dreimalige Europameister vor bis zu 2000 deutschen Fans in der Kathedrale des Fußballs eine "gute Raumaufteilung", wie Serge Gnabry forderte. Zudem müsse man "selbstbewusst nach vorne hinter die Kette spielen."
Für Müller, der immer noch auf sein erstes EM-Tor wartet, ist das aber nicht der Schlüssel zum ersehnten Einzug ins Viertelfinale. Es werde entscheidend sein, "dass wir kein Tor kassieren", sagte der Antreiber, der seine Kapselverletzung im Knie auskuriert hat: "Wenn ich Probleme hätte, hätte ich heute nicht trainiert."

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Löw zog bei der Einheit nach zwei freien Tagen die Zügel zum Start des Countdowns an, nur Lukas Klostermann (Muskelverletzung) fehlte. Sprintübungen mit Gewichten und verschiedene Spielformen standen am Samstag im Sonnenschein unter anderem auf dem Programm. Der Bundestrainer diente seinen Spielern im Adi-Dassler-Stadion dabei nicht als Vorbild. Der frühere Stürmer setzte seinen Schuss mit der Innenseite am langen Pfosten vorbei.
In solche Abschlusssituationen müssen seine Spieler aber erst einmal kommen. Die DFB-Auswahl hatte zwar in der Vorrunde mit 61,3 Prozent den meisten Ballbesitz nach Spanien (68,7), doch der Ertrag ist verbesserungswürdig. Man müsse daher "ein paar Dinge korrigieren", befand Löw.

Kein Offensiv-Feuerwerk erwartet

Seine Spieler sind dazu bereit. "Wir haben Selbstvertrauen, wir haben Lust", versicherte Müller. Man habe die Szenen aus dem Ungarn-Spiel analysiert und müsse jetzt "weiter nachschärfen", so Müller bevor er mit seinen herumblödelnden Teamkollegen am Nachmittag zur Autogrammstunde für Kinder unter Einhaltung der Coronaregeln antrat. Zudem verewigten sich die Nationalspieler bei diesem Anlass geduldig im Goldenen Buch von Herzogenaurach.
Die notwendige Geduld und die richtige Balance werden darüber entscheiden, ob das deutsche Team ins Viertelfinale einzieht und dort auf Schweden oder die Ukraine trifft. Man wolle nun "den nächsten Schritt machen", sagte Müller. Dafür müsse man die Zweikämpfe mit dem richtigen "Spirit und Willen" führen und auch "ein bisschen eklig" sein.
Denn die Engländer werden kein Offensiv-Feuerwerk abbrennen. Nur Finnland, Schottland und die Türkei verzeichneten in der Vorrunde weniger Abschlüsse. Torwart Jordan Pickford musste dagegen in drei Spielen nur vier Bälle halten. Löw hat seine Spieler auf diese unangenehme Aufgabe schon intensiv eingeschworen.
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(SID)

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