EM - Belgien gegen Portugal in der Analyse: Cristiano Ronaldo verzweifelt an der belgischen Defensive
Publiziert 28/06/2021 um 00:37 GMT+2 Uhr
Belgien hat nach einer Abwehrschlacht gegen Portugal mit 1:0 (1:0) das Viertelfinale der EURO 2020 erreicht und trifft dort auf Italien. Den entscheidenden Treffer erzielte Thorgan Hazard von Borussia Dortmund mit dem einzigen Schuss aufs Tor der "Roten Teufel". Selbst Superstar Cristiano Ronaldo verzweifelte an der herausragenden belgischen Defensive. Drei Dinge, die auffielen.
Cristiano Ronaldo
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Cristiano Ronaldo pfefferte enttäuscht seine Kapitänsbinde auf den Rasen und ging mit leerem Blick in die Knie, wenige Meter entfernt feierte Matchwinner Thorgan Hazard ausgelassen den Coup der "Roten Teufel": Mit einem hart erkämpften 1:0 (1:0) hat Belgien Titelverteidiger Portugal aus der EM geworfen und wie schon 2016 das EM-Viertelfinale erreicht.
BVB-Profi Hazard (42.) traf bei Temperaturen von rund 30 Grad in Sevilla auf Vorarbeit seines BVB-Klubkollegen Thomas Meunier für die Belgier.
In der Runde der letzten acht Teams trifft die Nummer eins der FIFA-Weltrangliste am Freitag in München auf Italien. Der insgesamt enttäuschende Ronaldo verpasste dagegen sein 110. Länderspieltor und damit den alleinigen Weltrekord.
Drei Dinge, die uns auffielen.
1. Ein Schuss, ein Tor, die Belgier!
Es waren nicht die schlagkräftigen Offensivspieler aus Belgien, die der Partie gegen Portugal ihren Stempel aufdrückten. Kevin De Bruyne musste verletzt raus (48.), er bekam einen Schlag auf das Sprunggelenk ab. Auch Eden Hazard war angeschlagen und wurde ausgewechselt (87.).
Romelu Lukaku zeigte zwar ein gutes Spiel und hielt Bälle, wo er konnte, doch eine echte Chance sprang für ihn nicht heraus. Vielmehr waren die Garanten für den Erfolg die erfahrenen Männer in der Abwehr und allen voran Torwart Thibaut Courtois. Trainer Roberto Martinez hatte auf seine Routiniers gesetzt. Und Thomas Vermaelen (35 Jahre), Jan Vertonghen (34) sowie Toby Alderweireld (32) enttäuschten ihn im Kampf gegen Cristiano Ronaldo und Co. nicht.
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Thorgan Hazard (r.) erzielt das Tor des Tages
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Vorne genügte ein durchdachter Angriff mit einem hervorragenden Schuss von BVB-Ass Thorgan Hazard, der es nach dem Spiel aber auch nicht so recht glauben konnte, dass es wirklich zum Sieg reichte: "Die zweite Halbzeit war sehr schwierig. Vorne müssen wir den Ball mehr halten", wusste er angesichts eines Chancenverhältnisses von 23:6 (!) für Portugal.
Es war eine reine Abwehrschlacht. Was die Belgier nun ins Viertelfinale mitnehmen, ist die Tatsache, dass auf die "Alten" Verlass ist, was wichtig für das Spiel gegen Italien sein wird (Freitag, 21:00 Uhr im Liveticker). "Es wird kompliziert", warf Hazard bereits einen bangen Blick Richtung Zukunft. Italien ist in Top-Form, gefestigt und kann auf seine besten Spieler zurückgreifen. Belgien muss hoffen, dass De Bruyne und Eden Hazard schnell wieder fit werden. Das Spielglück scheint nach dem Zittersieg gegen Portugal jedenfalls aufgebraucht.
2. Portugal: Der Einsatz stimmt - und sonst?
Ja, der Wille war da. Pepe war gewohnt giftig und - wie immer - nah am Platzverweis, Cristiano Ronaldo in ewiger Lauerstellung und - wie immer - jederzeit bereit zuzuschlagen. Am Ende herrschte aber nur Frust. "In der Kabine gibt es Tränen. Wir sind sehr traurig. Belgien hat sechs Mal aufs Tor geschossen, wir 29 Mal und treffen zwei Mal den Pfosten. Ich weiß nicht mehr, was ich sagen soll", seufzte Trainer Fernando Santos.
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Pepe bekommt - einmal mehr - die gelbe Karte.
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Objektiv betrachtet, fehlte aber einiges im gewohnten 4-3-3-System des amtierenden Europameisters. Bei der hohen Qualität der Spieler war es doch erstaunlich, wie wenig Kreativität an den Tag gelegt wurde. Kaum einem Spieler gelang es, bis zur Grundlinie vorzustoßen.
War es deren Entscheidung oder Vorgabe des Trainers? Grundsätzlich wirkte dessen taktische Ausrichtung kaum sinnvoll. Das Loch zwischen Defensive und Offensive war vor allem in der ersten Halbzeit unübersehbar, da fehlte die Bindung durch einen Akteur wie der unerfahrene Palhinha (sechs Länderspiele). Er ließ Renato Sanches bei dessen Vorstößen zu oft alleine und sicherte lieber ab. Wo war die Risikobereitschaft? Dabei ist das Potenzial bei Portugal doch in ausreichendem Maße vorhanden, das Spiel gestalten zu können.
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Fernando Santos und Cristiano Ronaldo
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Auf dem Papier haben die Portugiesen eine der besten Mannschaften in Europa. Santos' Stuhl dürfte nun gewaltig wackeln. Er wird sich dafür rechtfertigen müssen, wie er so viel Talent verschleudern konnte. Fußball-Fans in Portugal wünschen sich - so war am späten Sonntagabend zu vernehmen - eine neue, mutigere Ausrichtung für die Zukunft. Ob in der Ronaldo auch eine Rolle spielt? Möglich wäre es. Bei der nächsten EM wäre er "erst" 39 Jahre alt.
3. Boss-Transformation bei Renato Sanches
Beim FC Bayern München als Transfer-Flop gescheitert, ist Renato Sanches bei der EM endgültig zurück ins Rampenlicht getreten. Französischer Meister war er schon mit Lille, jetzt ist er auch noch der Boss in der portugiesischen Nationalmannschaft.
Was der 23-Jährige auch machte, es war das Gegenteil des Eindrucks, den er in der Bundesliga hinterlassen hatte. Sicher am Ball, physisch stark, robust, schnell und mit Auge für den Mitspieler. Ähnlich wie der Franzose N'Golo Kanté bestimmt er laufstark das Spiel aus der Mitte heraus und räumt defensiv ab.
83 Ballkontakte, zwei Torschüsse, 67 Pässe (93 Prozent kamen an) und zwei Torschussvorlagen standen bis zu seiner Auswechslung in der 78. Minute zu Buche. Das ist ansehnlich, auch wenn er mit zunehmendem Spielverlauf wieder etwas fahrig wurde.
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Renato Sanches (l.) behauptet sich gegen Kevin De Bruyne
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"Mein Körper ist eine meiner Waffen, wenn ich spiele", hatte er im Vorfeld betont. Zur Erinnerung: Sanches war als Top-Talent, Europameister und bester Nachwuchsspieler 2016 von Benfica Lissabon zum FC Bayern gekommen. Doch er war noch nicht reif für einen Spitzenklub und litt unter Anpassungsschwierigkeiten.
Nur 53 Mal (zwei Tore, drei Vorlagen) spielte er für den FCB. Oft waren es Kurzeinsätze, die Saison 2017/18 verbrachte Sanches gar nicht in München, sondern bei Swansea City in der Premier League, wo er wegen Oberschenkelproblemen einen Großteil der Spielzeit verpasste.
2019 folgte der Wechsel zu Lille, wo er auf Anhieb Leistungsträger wurde und PSG von der Spitze stieß. Die starke EM passt zu seiner Entwicklungskurve und die Top-Klubs werden wieder auf ihn aufmerksam geworden sein.
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Quelle: Perform
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