Für Leroy Sané beginnt am Freitag bei der Europameisterschaft sein erstes großes Turnier als "etablierter Nationalspieler", wie er es selbst nannte.
In den bisherigen 30 Länderspielen konnte der Bayern-Star noch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sein unbestrittenes fußballerisches Können ließ er zu selten aufblitzen.
Bei der Europameisterschaft 2016 sammelte Sané als 20-Jähriger immerhin einige wenige Einsatzminuten (elf). Bei seinem zweiten Turnier bietet sich nun die Chance, auf ganz großer Bühne zu beweisen, dass er eben mehr ist als "nur" ein ewiges Talent.
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Der 25-Jährige möchte zum Unterschiedsspieler im DFB-Team werden.

Kai Havertz macht dem Bayern-Star Druck

Ob er bereits im ersten Gruppenspiel gegen Frankreich (15. Juni ab 21:00 Uhr im Liveticker) Teil der Startelf ist, steht jedoch nicht fest. Denn während seine beiden Bayern-Teamkollegen Serge Gnabry und Thomas Müller im zuletzt gespielten 3-4-3-System gesetzt sind, muss Sané um den verbleibenden Offensiv-Platz kämpfen.
Havertz dürfte dabei sein härtester Konkurrent sein. Der Champions-League-Finaltorschütze schwebt nach dem Erfolg in der Königsklasse mit dem FC Chelsea auf Wolke sieben. Auch gegen Lettland (7:1) zeigte Havertz eine mehr als ansprechende Leistung, stand in der Startelf und bereitete zwei Treffer vor. Sané wurde erst nach der Halbzeitpause eingewechselt, traf aber auch noch nach Vorarbeit von Müller zum 7:1-Endstand.
Neben Havertz gibt es in der Offensive zudem Timo Werner, Joker Kevin Volland und Youngster Jamal Musiala. Laut Bundestrainer Joachim Löw steht noch nicht fest, wie die Startelf gegen den Weltmeister aussehen wird. Aber: "Ein Großteil vom Team heute wird auf dem Platz stehen", erklärte der nach der EM scheidende Coach. Ein Hinweis, dass Sané eher nicht von Beginn an dabei ist?
Vor dem Lettland-Spiel wurde Löw auf die Rolle des Bayern-Stars angesprochen. Der 61-Jährige meinte: "Er hat im letzten Jahr gelernt, dass er nachgehen und defensiv arbeiten muss. Leroy ist offensiv schnell und kann gut dribbeln. Jeder muss aber Defensivarbeit machen. Das ist eine Voraussetzung." Bei Fehlern müsse man nachgehen, so Löw.

Joshua Kimmich hofft auf Sané-Durchbruch

Damit spielte der Noch-Bundestrainer auf ein großes Problem bei Sané an. Nicht immer wirkt der Angreifer, als gebe er 100 Prozent, gerade in der Rückwärtsbewegung, bei Ballverlusten oder im Pressing. Aus diesem Grund geriet er auch im Testspiel gegen Dänemark (1:1) mit Joshua Kimmich aneinander.
Der Bayern-Teamkollege mahnte Sané Mitte der zweiten Halbzeit an, in ein Pressing zu gehen. Dieser blieb jedoch einfach stehen und meckerte zurück. Kimmich selbst nahm den Disput hinterher nicht wirklich ernst. Der "Bild" sagte er: "Es ist normal, dass man auf dem Platz auch mal einen anderen Ton anschlägt. Wir müssen uns gegenseitig antreiben und pushen."
Ex-Profi Markus Babbel erwartet derweil mehr von einem der spielerisch talentiertesten deutschen Nationalspieler. "Er hat für mich noch viel zu wenig Einfluss auf das Spiel. Du siehst das Potenzial. Du hoffst bei ihm immer, dass er explodiert, aber die Explosion hat nicht stattgefunden", kritisierte der ehemalige Hertha-Trainer bei "Sport1".
WER SOLL IN DIE STARTELF?
Sané müsse "im Kopf besser werden, um es schneller zu verinnerlichen und besser umzusetzen". Doch beim DFB hofft man weiter auf den ganz großen Durchbruch beim 25-Jährigen. Kimmich meinte: "Was Leroy für eine Qualität mitbringt - er kann uns in wichtigen Spielen mit seiner Klasse alleine tragen. Und das wird er auch zeigen!" Die spielerische Klasse dazu hat Sané zweifellos.

Leroy Sané verpasste WM 2018

Bei Manchester City konnte der Angreifer diese vor seinem Kreuzbandriss konstant abrufen. In den beiden Spielzeiten 2017/18 und 2018/19 absolvierte Sané 96 Spiele für die Engländer und erzielte 30 Tore. Hinzu kamen 37 Assists. Aufgrund dieser Leistungen wurde er 2018 als bester Nachwuchsspieler der Premier League ausgezeichnet.
Mit zur WM 2018 durfte der Ballkünstler dennoch nicht. Gerüchte machten die Runde, diese Entscheidung hänge vor allem mit Sanés Einstellung zusammen. Im Vorfeld der Europameisterschaft erzählte der 25-Jährige nun der "Sportschau", dass diese Nicht-Berücksichtigung "ein harter Rückschlag" - sogar "der größte" überhaupt für ihn war.
Vielleicht zieht Sané aus dieser Negativ-Erfahrung die nötige Motivation, um den wichtigen Schritt zum Unterschiedsspieler zu machen. Denn ein Künstler zu sein, "der das eine oder andere Mal vielleicht ein bisschen auf Standby ist" - so nannte es Hansi Flick, sein Ex-Trainer beim FC Bayern - ist bei einer Europameisterschaft einfach nicht genug.
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