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Drei Dinge, die bei FC Barcelona gegen Eintracht Frankfurt auffielen: Die Rückkehr der SG Europa League
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Publiziert 15/04/2022 um 02:12 GMT+2 Uhr
Eintracht Frankfurt düpiert den FC Barcelona im Camp Nou und zieht ins Halbfinale der Europa League ein. Nach dem 1:1 im Hinspiel gewannen die Hessen 3:2 (2:0) bei den Katalanen - und demonstrierten einmal mehr ihre Stärke in der Europa League. Oliver Glasner entzauberte dabei Barça-Coach Xavi. Und: Die Frankfurter dominierten auch neben dem Platz. Drei Dinge, die auffielen.
Eintracht Frankfurt sorgte in Barcelona für eine Sensation
Fotocredit: Imago
Eintracht Frankfurt hat die Sensation geschafft und den FC Barcelona aus der Europa League gekegelt. Nach dem 3:2 (2:0) im Camp Nou zogen die Hessen ins Halbfinale ein.
Filip Kostic brachte die Mannschaft von Oliver Glasner (4.) früh vom Elfmeterpunkt in Führung. Rafael Borré (36.) erhöhte mit einem Traumtor noch vor dem Seitenwechsel. Nach der Pause sorgte erneut Kostic (67.) für die Vorentscheidung.
Erst in der Nachspielzeit (90.+1/90.+11) verkürzten Sergio Busquets und Memphis Depay für die Blaugrana.
Drei Dinge, die bei der Eintracht-Gala im Camp Nou auffielen:
1. Eintracht ist die SG Europa League
In der Liga ist die Eintracht seit drei Spielen ohne Sieg, erzielte in den zurückliegenden drei Begegnungen nur einen mageren Treffer. Momentan rangieren die Hessen auf Rang neun im Niemandsland der Bundesliga. Im August flogen die Adlerträger in der ersten Runde bei Waldhof Mannheim aus dem DFB-Pokal. Klingt nach einer schwachen Saison. Doch donnerstags zeigt Frankfurt auch in dieser Spielzeit sein Europa-League-Gesicht. Und wie!
Im Camp Nou krönte die Mannschaft von Oliver Glasner ihre bis dato brillante Europapokalsaison. "Hätte mir irgendjemand nach unserem Ausscheiden in Mannheim gesagt, dass wir ein halbes Jahr später in Barcelona gewinnen, hätte ich ihn für verrückt erklärt", sagte Trainer Glasner nach dem Spiel bei "RTL" und fügte an: "Aber das ist ein Weg, den wir alle gemeinsam gegangen sind."
Ohne eine einzige Niederlage pflügte die Eintracht ins Halbfinale der Europa League und darf sich nun berechtigte Hoffnungen auf den ersten internationalen Titel seit über 40 Jahren machen. "Wir haben ein überragendes Spiel gemacht", sagte Kapitän Sebastian Rode im Anschluss an die Gala gegen Barcelona. Der 31-Jährige stand für Djibril Sow in der Startformation und war auf der Sechs der unermüdliche Antreiber einer leidenschaftlich ackernden Mannschaft. Rode war maßgeblich daran beteiligt, dass Frankfurt in der Europa League einmal mehr das Unmögliche möglich machte.
"Wenn man ehrlich ist, hat das niemand erwartet. Alle dachten, Barcelona schießt uns aus dem Stadion", sagte Torhüter Kevin Trapp und ergänzte selbstbewusst: "Wir haben gezeigt, dass wir uns vor niemandem verstecken müssen." Die Eintracht mischt die Europa League auf - und erinnert an die Saison 2018/2019.
Auch damals drangen die furiosen Hessen über Inter Mailand und Benfica Lissabon bis ins Halbfinale vor, scheiterten erst im Elfmeterschießen am späteren Sieger FC Chelsea. Auch in dieser Saison wartet mit West Ham United ein Premier-League-Team in der Runde der letzten Vier auf die Frankfurter. Sportdirektor Markus Krösche machte die Zielsetzung deutlich: "Wir haben einen großen Erfolg für Eintracht Frankfurt geschafft. Aber nun ist klar: Wir wollen ins Finale."
Und auch Torwart Trapp träumt vom Endspiel in Sevilla. "Natürlich wollen wir ins Finale. Das ist doch gar keine Frage", so der 31 Jahre alte Nationalspieler. Träumen, so Rode, sei erlaubt. Bei aller Europapokal-Euphorie in Katalonien: Bereits am Sonntag kehrt die Eintracht in den tristen Bundesliga-Alltag zurück. "Ich weiß gar nicht, was ich den Jungs erzähle, wir spielen in drei Tagen gegen Union Berlin", gab Glasner nach dem Spiel bei "RTL" zu.
Doch das ist zweitrangig. Nach dem Sieg im größten Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte richtet sich der Blick längst noch nicht in die Bundeshauptstadt, sondern bleibt in Barcelona: "Heute wollen wir alle den Abend genießen", sagte der 47 Jahre alte Salzburger. Denn: Donnerstags steigen Eintracht-Partys.
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Eintracht Frankfurt
Fotocredit: Getty Images
2. Glasner entzaubert Xavi
Oliver Glasner war außer sich vor Freude. Der Österreicher rutschte auf dem Bauch durch ein Spalier jubelnder Adlerträger. "Die Hose ist kaputt. Aber egal", lachte er. Zurecht stand der zurückhaltende Eintracht-Trainer nach dem Triumph im Camp Nou im Mittelpunkt.
In den 100 Minuten zuvor hatte seine Mannschaft die Katalanen taktisch entzaubert - ausgerechnet das neue Xavi-Barça: In nur fünf Monaten hatte der Weltmeister von 2010 den Blaugrana eine neue - oder vielmehr alte - Spielidee eingeimpft. Der 42-Jährige führte Barcelona in LaLiga von Rang neun auf den zweiten Tabellenplatz und vor drei Wochen zur 4:0-Gala im Clásico gegen Real Madrid. 15 Spiele und knapp drei Monate war Xavi mit dem FC Barcelona ungeschlagen.
Doch in Glasner fand Xavi am Donnerstagabend seinen Meister. Das laufstarke Frankfurt empfing die katalonische Ballbesitzmaschine erst 35 Meter vor dem eigenen Tor, machte die Räume eng, doppelte die dribbelstarken Ferran Torres und Ousmane Dembélé auf den Außenbahnen und dominierte die Halbräume vor der Dreierkette. Barcelona fand kaum Lösungen.
"Wir wussten, dass wir leiden müssen", sagte Kevin Trapp. "Wir mussten über 90 Minuten konzentriert sein und die Konterchancen nutzen", so der Schlussmann.
Nach 15 Minuten spielte Ronald Araujo einen aus der Hilf- und Ideenlosigkeit geborenen langen Ball ins Nichts. Xavi fuchtelte an der Seitenlinie wild mit den Armen, forderte seine Mannschaft zum Kurzpassspiel auf. Vergebens. "Sie waren in der ersten Halbzeit ein bisschen besser. Sie haben viele Konter gefahren und haben durch die Konter die Kontrolle über das Spiel bekommen", räumte der Barça-Coach ein.
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Filip Kostic
Fotocredit: Getty Images
Das änderte sich auch nicht, als Xavi sein Team in der Spieleröffnung im ersten Durchgang permanent zwischen Dreier- und Viererkette rochieren ließ.
"Unglaublich, was die Jungs heute geleistet haben", lobte Glasner seine aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft. "85 Minuten war das überragend. Defensiv sehr stabil und immer gefährlich nach vorne", analysierte der Coach. In der Tat: Frankfurt stellte die Barcelona-Offensive über weite Strecken kalt. Zwar hatte Barça 75 Prozent Ballbesitz. Torchancen konnten sich die Blaugrana aber nur ganz wenige erspielen.
Anders dagegen Frankfurt: Die Hessen nutzten die großen Räume hinter der gegnerischen Defensive ein ums andere Mal. "Wir haben unfassbar gut verteidigt, haben immer versucht, zu doppeln wo es ging und Barcelona mit unserem Umschaltspiel sehr weh getan", analysierte Sebastian Rode und schob nach: "Wir hätten auch mehr Tore erzielen können, wenn wir es besser ausgespielt hätten."
15:10 Torschüsse gab die Eintracht ab - darunter einige Hochkaräter. Tatsächlich hatten die Frankfurter neben ihren drei Treffern durch Filip Kostic (4./67.) und Rafael Borré (36.) etliche weitere Konterchancen, die sie entweder unsauber ausspielten oder vor dem Tor vergaben - wie in Person von Ansgar Knauff (44.) oder Jesper Lindström (58.). Am Ende rächten sich die ungenutzten Chancen nicht, auch wenn Barcelona in der Nachspielzeit durch Tore von Busquets und Depay noch einmal herankam.
Es sei zwar ärgerlich gewesen, dass Barcelona noch zu zwei Treffern gekommen sei, sagte Rode. Aber die Eintracht habe nie daran gezweifelt, dieses Spiel zu gewinnen. "Am Ende ging es 3:2 aus. Also: Es war perfekt, so wie es war", resümierte Trapp lachend. So perfekt wie die taktische Ausrichtung der Frankfurter. Felicidades, Oliver Glasner!
3. Fans tragen Eintracht zum Traum von Sevilla
Bereits am Mittag wurde deutlich, was den FC Barcelona im eigenen Stadion erwarten könnte. 30.000 Hessen waren mit in die Metropole am Mittelmeer gereist und feierten schon Stunden vor Anpfiff ein Fußballfest. "In der Stadt waren 30.000, hier im Stadion 25.000 Zuschauer", lobte Sportdirektor Markus Krösche bei "RTL".
Schon vor dem Anpfiff war das 99.354 Zuschauer fassende Camp Nou in Frankfurter Hand. Zumindest gefühlt. "Es hat angefangen, als wir zum Warmmachen auf den Platz gekommen sind. Da bekommt man Gänsehaut", gab Rode nach dem Spiel Preis. Eine Atmosphäre, die Eintracht Frankfurt in Barcelona zusätzlich anstachelte. "Da will man sich zerreißen für den Traum, hier in Barcelona zu gewinnen."
Und auch Barça-Trainer Xavi zeigte sich von der Atmosphäre in Barcelona überwältigt. "Es hat sich wie ein Finale mit ausgeglichener Fanverteilung angefühlt", sagte der frührere Weltklasse-Mittelfeldmann. Krösche brachte die Atmosphäre in Spanien auf den Punkt: "Wir haben das Auswärtsspiel zum Heimspiel gemacht."
Stimmten die Frankfurter Fangesänge an, zückten offenbar einige spanische Journalisten in der Arena ihre Handys, um die Atmosphäre festzuhalten.
Zu Beginn des zweiten Durchgangs blieb der Barça-Block hinter dem Tor leer - nach Informationen von "RTL" eine Protest-Aktion gegen die Masse an Frankfurtern, die augenscheinlich Zugang zu Tickets bekommen konnte. "Unsere Jungs sind sehr einfallsreich und haben alles versucht, hereinzukommen", erklärte Krösche.
Über weite Strecken dominierten die Hessen die Geräuschkulisse in Europas größtem Stadion. Als Barça zu Beginn des zweiten Durchgangs eine längere Phase der Ballzirkulation zelebrierte, hallte ein gellendes Pfeifkonzert durch die spanische Nacht. Immer wieder schallte "Oh, wie ist das schön" durch die Arena. Trapp sagte nach dem Spiel auf der Pressekonferenz: "Ich dachte, ich sei in Frankfurt."
Die spanische Zeitung "AS" titelte: "Barcelona fühlte sich im eigenen Stadion wie ein Fremder."
"Wir prüfen derzeit, was passiert ist. Wir können natürlich nicht kontrollieren, wer wie viele Tickets kauft. Aber natürlich hat das geholfen", sagte Xavi. Die Fans der Frankfurter trugen ihre Mannschaft gegen den scheinbar übermächtigen Klub zum Sieg - und dürften auch nach dem Spiel in Barcelona die Nacht zum Tag machen. Krösche kündigte an: "Man muss die Feste feiern, wie sie fallen."
Im Mai steigt im Ramon Sanchez-Pizjuan Stadium von Sevilla die Finalparty. Tragen die Eintracht-Fans ihre Mannschaft über West Ham in den Süden Spaniens, wollen sie auch dort ein Fußballfest feiern.
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