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FC Bayern: Bei Pep Guardiola liegen die Nerven blank
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Publiziert 05/08/2015 um 11:44 GMT+2 Uhr
Die Zukunft des katalanischen Star-Trainers Pep Guardiola bleibt ungewiss. Auf die Leistung des FC Bayern wirkt sich das zwar noch nicht aus, wie das 3:0 gegen den AC Milan beim Audi Cup 2015 bewiesen hat. Doch Guardiolas Stimmung und Gemütslage sprechen für sich. Der Bayern-Coach ist extrem gereizt. Und die (An-)Spannungen werden nun immer deutlicher.
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Geladen, dünnhäutig und einsilbig. Guardiola wirkt dieser Tage wie ein Vulkan, in dessen Inneren sich enormer Druck aufstaut. Am Rande des Audi-Cups kam es nun zur ersten Eruption.
Der sportliche Druck für die neue Saison ist gigantisch und wurde durch den verlorenen Supercup gegen Wolfsburg nicht gerade gemildert. Doch das Sportliche allein liefert keine Erklärung für Guardiolas schlechte Laune.
Bizarre Pressekonferenz
Die bemerkenswerte Pressekonferenz nach dem 3:0-Sieg über den AC Mailand war das Sinnbild für einen Bayern-Trainer, bei dem die Nerven blank zu liegen scheinen.
Markus Hörwick, Mediendirektor des FC Bayern, hatte die PK mit der üblichen Standardfrage über das Spiel eingeleitet. Fragen, bei denen sich die Münchner Trainer seit jeher sicher sein können, dass sie ihnen nichts Böses wollen.
Doch Guardiolas ungemütlicher Seitenblick gegen den eigenen Mediendirektor sprach in diesem Moment Bände - und irritierte. Der 44-Jährige wirkte genervt und angefressen, rastlos und aufgewühlt.
Seine Antwort auf Hörwicks einladende Frage zum Spiel war lakonisch: "Wir haben das gut gemacht heute." Hörwick setzte erneut an und erhielt eine nahezu identische Antwort eines miesgelaunten Trainers. Der Mediendirektor hatte verstanden, sagte "Ok...." und gab an die Journalisten ab, die jedoch ähnliche Antworten erhielten. Die PK endete dann auch ebenso bizarr, wie sie begonnen hatte.
Bei den Pressevertretern mutmaßte man zurecht, dass Guardiolas Übellaunigkeit auf das unnötig harte Einsteigen von Nigel de Jong gegen Joshua Kimmich zurückzuführen sei. Das Talent war in der 21. Minute daraufhin ausgewechselt worden. Doch auch auf diese Frage, wollte Guardiola keine wirklich nützliche Antwort geben. Er habe de Jong lediglich gesagt, "dass ich traurig für Joshua bin, weil er nicht im Finale spielen kann und auch nicht in nächster Zeit."
Dabei zeigten die Aufnahmen des schweren Disputs im Spielertunnel, dass es nicht bei solch einer verbalen Harmlosigkeit geblieben sein konnte. Zudem hatte Kimmich später selbst bereits Entwarnung gegeben und erklärt, dass die Oberschenkelverletzung wohl nicht so schwer sein würde.
Der Zoff mit de Jong, so wirkt es nun jedenfalls, diente Guardiola als willkommenes Ventil, um Dampf abzulassen. Der Grund für sein gereiztes Temperament und die plötzliche Reserviertheit war de Jongs Foul aber eher nicht.
Die Ursachen liegen woanders. Es geht weiterhin um das Spannungsverhältnis zwischen dem FC Bayern und seinem katalanischen Trainer in der Frage um die sportliche Zukunft.
Guardiola ist von der medialen Nachfragerei genervt und wirkte bereits auf der Pressekonferenz vor dem Duell mit dem AC Mailand auf eine seltsame Weise geladen und aphatisch:
Mit Berechtigung stellt man sich innerhalb der Vereinsführung aber auch die Frage, wie abhängig man sich vor allem bei der millionenschweren Kaderplanung von einem Trainer machen will, der sich nach seinen Wünschen ein Team zusammenstellt, um dann aller Voraussicht nach in einem Jahr den Verein bereits wieder zu verlassen.
Die Bayern wollen strategische Planungssicherheit. Nicht nur, aber natürlich gerade dann, wenn es darum geht, millionenschwere Wunsch-Transfers abzusegnen, die einem möglichen Guardiola-Nachfolger eventuell gar nicht ins Konzept passen. Der FC Bayern steckt in der Guardiola-Falle.
Und es ist normal, dass sich der Trainer diesbezüglich Fragen gefallen lassen muss, denn die Frage über die sportliche Zukunft des FC Bayern bedarf der Klärung. Ein europäischer Top-Klub, der ökonomisch wie ein Großkonzern geführt wird und sportlich höchste Ziele verfolgt, darf und muss hier Planungsssicherheit einfordern dürfen.
Es brodelt mittlerweile beim FC Bayern nicht nur hinter den Kulissen, auch viele Fans denken das, was Lothar Matthäus über Pep Guardiola klar ausspricht:
Doch Guardiola will nicht und wehrte sich zuletzt bockig gegen die Beantwortung dieser Fragen aller Fragen: Bleibt er?
Und so sprechen eben mittlerweile andere, denen die vielsagende Sprachlosigkeit des Trainers selbst Probleme bereitet. Karl-Heinz Rummenigge etwa, der nicht mehr bereit ist, den Nimbus des Trainers aufrecht zu erhalten:
Auch Matthias Sammer argumentiert nun voll im Interesse des Vereins, anstatt sich schützend vor den schweigenden Trainer zu stellen:
Es sind wohl eher diese internen Spannungsfelder, die Guardiola aufladen, und nicht ein Nigel de Jong, bei dem es in der Tat oftmals den Anschein hat, als habe er eigentlich Kickboxer werden wollen, nur eben keine Lust aufs Boxen gehabt.
Als direkten Seitenhieb gegen Guardiola wollte Sammer seine Aussage zwar nicht verstanden haben, doch "die Leute draußen sollen einfach wissen, dass sie sich keine Sorgen machen müssen."
Falls Guardiola 2016 geht? Eben doch zu Manchester City? Jenem Gerücht, dass sich so hartnäckig hält, als wolle es den Makel des Gerüchts unbedingt abstreifen, um sich aller Welt endlich als Tatsache zu zeigen?
Müssen sich "die Leute draußen" deshalb "keine Sorgen machen", weil der FC Bayern bereits an einem spektakulären Plan B arbeitet? Einer, der den FC Bayern nicht nur weiteratmen, sondern Fußball-Deutschland atemlos werden lassen würde? - Jürgen Klopp.
Es passt jedenfalls dieser Tage wunderbar ins Bild, dass BVB-Boss Hans-Joachim Watzke für dieses Gedankenspiel seinem Ex-Coach gerade eben erst die emotionale Freigabe erteilt hat:
Weil Klopp ein Typ ist, der Identifikation schafft und die Philosophie eines Klubs lebt, anstatt sie ändern zu wollen. Im Münchner "Mia san Mia"-Familienbetrieb sieht man es schließlich nicht gerne, wenn man sich nicht aus voller Überzeugung zum Verein bekennt. So wie Guardiola, der auf die berechtigte Vertragsfrage nichts Konkretes sagt und sich eher beleidigt gibt, wenn er dann noch mal etwas dazu sagt:
Es ist offensichtlich. Im katalanischen Vulkan brodelt es. Der Druck steigt. Nach dem Sieg über Milan gab es eine erste Eruption.
Es könnte sein, dass es nur ein Vorbeben war...
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