Letztlich souverän, mit einem kleinen Durchhänger, aber dann doch verdient gewonnen. Das 2:0 des FC Bayern München gegen den Afrika-Vertreter Al Ahly aus Kairo war kein Glanzstück, sondern eher aus der Kategorie solide Hausmannskost.
Damit hat der Champions-League-Sieger das Finale der Fifa-Klub-WM in Katar erreicht, trifft am Donnerstag (19:00 Uhr im Liveticker) überraschend auf U.A.N.L. Tigres aus Mexiko, die gegen den brasilianischen Vertreter Palmeiras mit 1:0 triumphierten.
Doch im Halbfinale vor rund 12.000 Zuschauern (30 Prozent Auslastung waren erlaubt) im "Ahmed bin Ali Stadium", einer der Arenen der Winter-WM 2022, steckte mehr.
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Lewandowski nun mit 29 Toren in 27 Spielen

Die Leistung des hohen Favoriten Bayern und der Verlauf des Spiels geht als Sinnbild dieser Saison durch, ist quasi ein Miniaturformat des großen Ganzen: Anfangs konzentriert und zielstrebig, voll auf Linie. Dann plötzlich nachlässig, im stets riskanten Schongang-Modus.
Unsicherheiten gepaart mit Lässigkeit und Müdigkeit ergaben die Gefahr, noch zu straucheln. Schließlich reichte es doch. Man hat ja Robert Lewandowski, den Weltfußballer, der immer und überall trifft. Den letzten Freitag im Berliner Schneegestöber verschossenen Foulelfmeter hat er längst hinter sich gelassen ebenso wie die Posse um den wegen fehlender Genehmigung um siebeneinhalb Stunden verspätet gestarteten Charter-Flug nach Doha.
Erst versenkte der Pole einen schlauen Pass von Serge Gnabry zum 1:0 ins Netz (17. Minute), dann drückte er eine feine Flanke von Leroy Sané per Kopf aus kurzer Distanz über die Linie – das 2:0 fünf Minuten vor Schluss. Deckel drauf, Pflicht erfüllt. Nach dem Bau der Pyramiden von Gizeh und dem Leuchtturm von Pharos, zwei der sieben Weltwunder der Antike, die auf das Konto der Ägypter gehen, konnte Al Ahly in der Neuzeit kein weiteres Mirakel hinzufügen.

Robert Lewandowski

Fotocredit: Getty Images

Und der Trophäensammler Lewandowski hat nun auch seine Tore bei einer Klub-WM. Der Mittelstürmer, natürlich als "Man of the match" ausgezeichnet, sicherte Bayerns Finaleinzug mit seinen Saisontoren 28 und 29 (!) im 27. Pflichtspiel. Eine atemberaubende Quote. Wer einen Lewandowski im Team hat, der trifft auch im 52. Pflichtspiel in Folge, kommt auf insgesamt 155 Tore insgesamt in diesem Zeitraum. Was für eine Ausbeute.

Mastermind Flick vor seinem zweiten WM-Titel

Wie die sechs Richtigen, die der FC Bayern nun anstrebt. Sechs aus sechs wäre eine 100-prozentige Quote. Am Donnerstag geht es neben der Fifa-Prämie von fünf Millionen Dollar auch um den vereinshistorisch einmaligen sechsten Titel der Spielzeit 2019/20.
Solch eine weltweite Machtdemonstration eines Vereins, solch ein Trophäen-Sixpack war zuvor nur dem FC Barcelona unter Pep Guardiola 2009 gelungen. "Wir wollen den Titel holen. Wenn uns das gelingt, hat die Mannschaft eine überragende Saison mit dem sechsten Titel abgeschlossen. Auch in der herausragenden Vereinshistorie des FC Bayern wäre das ein außerordentlicher Erfolg", sagte der Mann, der dafür verantwortlich ist: Hansi Flick, der Mastermind des Erreichten.
Der 55-Jährige strebt seinen zweiten WM-Titel an, kann neben der WM mit der Nationalelf 2014 in Brasilien, als er Bundestrainer Joachim Löw Taktik und Trainingspläne einflüsterte, nun auch die WM für Vereinsmannschaften gewinnen.

Kimmich selbstkritisch: "Keine Glanzleistung"

Was die Bayern – und damit sind wir wieder beim Spiegelbild, das dieses Halbfinale für die gesamte Saison war – aktuell auszeichnet, ist die Selbstkritik der Profis nach einer durchschnittlichen Leistung wie am Montagabend.
"Wir sind froh, dass wir nichts haben anbrennen lassen, sagte Müller und bekrittelte: "Wir haben es verpasst, das zweite Tor früher zu machen. Für Joshua Kimmich waren nur "die ersten 30, 35 Minuten echt ok. Dann haben wir zu viele Fehler gemacht und mussten mehr laufen. Das war nicht nötig. Hinten raus haben wir den Ball laufen lassen, ohne Zug zum Tor und den Ballbesitz verwaltet. Al Ahly ist gut aus der Pause gekommen. Unterm Strich war es keine Glanzleistung, aber verdient."
Gegen die Adler aus Kairo hat's gereicht – auch gegen die Tiger aus Monterrey?
Hansi Flick wäre nicht Hansi Flick, wüsste er nicht schon Bescheid über die Stärken der Mexikaner. "Eine sehr athletische Mannschaft mit sehr viel Dynamik und Intensität in ihrem Spiel", analysierte der Cheftrainer nach dem TV-Studium des 1:0 der UNL Tigres (steht übrigens für: Universidad Autónoma de Nuevo León) gegen Palmeiras und meinte: "Ich war sehr beeindruckt von ihrer Leistung. Sie haben den Druck hochgehalten und verdient das Halbfinale gewonnen."
Goalgetter Lewandowski verkündete derweil: "Wir sind bereit! Ich hoffe, dass wir im Finale noch besseren Fußball zeigen und nicht so viele Chancen benötigen."

Goretzka und Martínez bleiben in München

Dabei werden Leon Goretzka und Martínez, die nach ihrer Corona-Infektion die erforderliche Quarantäne beenden konnten, nicht mithelfen. Die Mittelfeldspieler werden nicht nachreisen. "Das ist schade, weil beide kommen wollten", erklärte Flick und richtetet bereits den Blick auf die kommende Woche: "Wichtig ist, dass sie in München trainieren können und am Montag gegen Bielefeld zur Verfügung stehen können."
Das Heimspiel gegen Bielefeld als Symbol für die Rückkehr in den Bundesliga-Alltag. In diesem Spiel wollen die Bayern erstmals ein Fifa-Abzeichen auf die Trikots bügeln lassen: das für die beste Klubmannschaft der Welt.
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