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Hoffnungsträgerin als Sinnbild: "Maro" humpelt heim

Hoffnungsträgerin als Sinnbild: "Maro" humpelt heim
Von Eurosport

30/06/2019 um 18:42

Heimreise statt Heimspiel: Dzsenifer Marozsan wollte dieser WM ihren Stempel aufdrücken, doch ein kleiner Knochen machte der Spielmacherin einen großen Strich durch die Rechnung. Nach dem WM-Aus blickt die 27-Jährige aber schon wieder auf die nächsten Aufgaben und meinte: "Wir müssen wieder aufstehen. Jetzt haben wir Zeit, uns auf die EM vorzubereiten und zusammenzuwachsen."

Es sollte ihr Turnier werden, doch das Traumziel Lyon erreichte Dzsenifer Marozsan nur humpelnd und ohne ihre Mannschaft.

Im sommerlichen Outfit trotz frischer Temperaturen war der WM-Unglücksrabe am Sonntagmorgen schon per Taxi davongebraust, als die restlichen deutschen Fußballerinnen vor dem Teamquartier in Bruz gerade noch ihre Koffer für die Heimreise einluden.

Marozsan spielt mit gebrochenem Zeh

In ihrer Wahlheimat, wo sie im Starensemble von Champions-League-Dauersieger Olympique Lyon aufläuft, findet die WM-Finalwoche mit den Halbfinals (Dienstag/Mittwoch) sowie dem Endspiel am Sonntag statt. Doch nach dem 1:2 (1:1) im Viertelfinale gegen Schweden eben ohne den zweimaligen Weltmeister Deutschland. Und ohne Marozsan.

Für die deutsche Spielmacherin wurde das Turnier nach dem Bruch ihres linken Mittelzehs nach nur zwölf Minuten im Auftaktspiel gegen China (1:0) ein persönliches Desaster.

"Was meine Rolle betrifft - die steht erst mal hinten an. Es ist für die komplette Mannschaft enttäuschend. Jetzt ist der Traum geplatzt", sagte die erstaunlich gefasste 27-Jährige nach dem Ausscheiden.

Comeback gegen Schweden misslingt

Im Duell mit ihrem Lieblingsgegner Schweden, gegen den sie das Olympia-Finale 2016 und das EM-Halbfinale 2013 entschieden hatte, durfte "Maro" nach drei WM-Spielen ihr Comeback geben.

Direkt nach der Pause und damit früher als erwartet schickte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ihre beste Fußballerin ins Gefecht. Mit Tape wurde der lädierte Zeh so gut es ging stabilisiert.

Doch bis auf Ballsicherheit und ein paar gute Standards konnte auch die Nummer 10 nichts ausrichten - dem Humpeln am nächsten Tag nach zu urteilen, kam der Einsatz zudem zu früh. "MVT" erläuterte am nächsten Tag:

"Wir haben gehofft, die Schweden müde spielen zu können, um mit Dzseni den entsprechenden Mehrwert zu bekommen."

Voss-Tecklenburg verteidigt Entscheidung

Es zahlte sich zwar nicht aus, doch die 51-Jährige bekräftigte: "Ich finde, die Entscheidung war richtig. Sie hatte eine gute Ballsicherheit, aber sie ist auch keine Zauberkünstlerin."

Zumindest nicht mit einer noch immer schmerzhaften Blessur am Fuß. Über die und eine weitere Behandlung in Lyon wollte Marozsan unmittelbar nach dem Spiel erst mal nicht nachdenken oder reden. "Das ist jetzt alles scheißegal."

Nach ihrer schweren Krankheit, einer Lungenembolie vor einem Jahr, sieht Marozsan sportliche Rückschläge in einem anderen Licht.

Marozsan blickt auf EM 2021

Zuversichtlich stimmte sie zudem das Potenzial im verjüngten Nationalteam, mit dem sie nach der verpassten Qualifikation für Olympia 2020 in Tokio bei der Europameisterschaft 2021 in England wieder um den Titel spielen will. "Wir müssen wieder aufstehen", forderte sie:

"Jetzt haben wir Zeit, uns auf die EM vorzubereiten und zusammenzuwachsen."

Genau wie der kleine Zeh mit der großen Wirkung.

(SID)

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