"Ein Barcelona kurz vor dem Bankrott." Die "Marca", Spaniens auflagenstärkste Sportzeitung, sieht den katalanischen Riesen wanken. Seit Jahren schon bewege sich der 26-malige spanische Meister am Rande des Ruins, die Corona-Krise verschärfe die Lage nun dramatisch.

Ein hartes Urteil, das die in Madrid ansässige Redaktion da fällt. In Barcelona kommen derartige Meldungen, wenig überraschend, gar nicht gut an. Man sei in finanzieller Hinsicht "der erfolgreichste Klub der Welt", betonte Bartomeu. Auch das ein Urteil, das wohl ein wenig über das Ziel hinausschießt.

La Liga
Barcelona auf Sparkurs: Großteil der Scoutingabteilung entlassen
30/05/2020 AM 14:01

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"Die finanzielle Situation ist nicht die beste, zumal der Klub einen großen Teil seines Geldes in die Gehälter der Stars investiert. Ein gewaltiger Faktor, der Barça in finanzieller Hinsicht fast manövrierunfähig macht", erklärt Fußball-Experte Agustín Galán von Eurosport Spanien.

Der FC Barcelona ist ob seines extravaganten Gehaltsgefüges - alleine der sechsmalige Weltfußballer Lionel Messi soll rund 35 Millionen Euro nett pro Saison verdienen - in schwere Fahrwasser geraten. Die Folge: Der Verein meldete Kurzarbeit an, die Mannschaft verzichtet bis heute auf 70 Prozent des Gehalts.

Messi verteidigt die Mannschaft

Genau darum hatte es allerdings einen gewaltigen medialen Wirbel gegeben, nachdem die Einigung zwischen Klub und Spielern ein wenig dauerte. Es schmeckte den Profis gar nicht. Kapitän Messi sah sich sogar dazu veranlasst, sich mit einem langen, auf Instagram veröffentlichten Statement zur Wehr zu setzen.

Barcelona Superstar Lionel Messi

Fotocredit: Eurosport

"Was die Spielergehälter in dieser Zeit des Alarmzustandes angeht, wurde über die Mannschaft viel geschrieben und gesagt", so der Argentinier. "Wir möchten klarstellen, dass unser Wille schon immer darin bestand, eine Kürzung des Gehalts vorzunehmen, denn wir verstehen sehr gut, dass dies eine Ausnahmesituation ist und wir sind die Ersten, die dem Klub immer geholfen haben."

Das Wort "immer" schrieb Messi in Versalien.

Mit den Gehaltseinsparungen der Spieler bezuschusst der Klub unter anderem das Kurzarbeitsgeld vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ende Mai sorgte dann die Meldung für Aufsehen, wonach der FC Barcelona rund die Hälfte seiner etwa 40-köpfigen Scouting-Abteilung nicht mehr weiterbeschäftigen will. Verträge, die Ende Juni auslaufen, sollen nicht mehr verlängert werden.

Mit der Corona-Pandemie habe dies freilich nichts zu tun. "Der Verwaltungsrat hat die Umstrukturierung der Scouting-Abteilung im Fußballbereich infolge der im Januar begonnenen Analyse mit dem Ziel genehmigt, die Effizienz zu verbessern", teilte der Klub mit. Betroffen von der Maßnahme ist offenbar auch Andre Cury. Der Brasilianer gilt als Star-Scout und soll unter anderem die spektakuläre Verpflichtung von Superstar Neymar eingefädelt haben, der 2013 vom FC Santos nach Barcelona wechselte.

Verkauft Barcelona Vidal, Dembéle und Rakitic?

Wenngleich die Verkleinerung der Scouting-Abteilung nicht aufgrund der Corona-Krise beschlossen wurde, spart sich der FCB damit weitere Ausgaben. Dies, so berichtet "ESPN", sei auch dringend nötig. Bis Ende Juni müsse der Tabellenführer der spanischen La Liga 70 Millionen Euro an Einnahmen generieren. Gut möglich, dass ein Teil der Summe durch Transfers in die Kassen gespült wird. Arturo Vidal, Ousmane Dembélé, Ansu Fati oder auch Ivan Rakitic werden seit Längerem mit einem Wechsel in Verbindung gebracht.

Erschwerend kommt hinzu, dass Barcelona eigentlich ein infrastrukturelles Großvorhaben umsetzen will. "Es handelt sich um das sogenannte Projekt 'Espai Barça'. Dabei sollen rund 800 Millionen Euro für die Erneuerung einiger Klubeinrichtungen investiert werden - aber es ist davon auszugehen, dass sich das Unternehmen infolge der Corona-Pandemie verzögern wird", erläutert Experte Galán.

Einen Lichtblick für den FC Barcelona und alle anderen spanischen Klubs gibt es aber. Am 11. Juni will die Liga den Spielbetrieb wieder aufnehmen. Barça steht in den verbleibenden elf Partien ein Krimi ins Haus, der Vorsprung auf den ersten Verfolger und Erzrivalen Real Madrid beträgt nur zwei Punkte. "Diese Spiele werden wie elf Finals sein", ließ Vidal wissen. Man darf gespannt sein, ob der katalanische Riese auch sportlich ins Wanken gerät.

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