Florentino Perez liebte die Real-Mannschaft der 1950er-Jahre.
Damals, als das legendäre Team um Di Stefano, Puskas und Kopa europaweit alles in Grund und Boden geschossen hatte, war er ein Kind gewesen. Der kleine Florentino bewunderte die gut geölte Offensivmaschine.
Nun, Anfang des 21. Jahrhunderts, war er selbst älter und vermögender geworden - seit 2000 obendrein Präsident seines Lieblingsklubs. Und er verfolgte einen Plan. Florentino Perez wollte seinen Kindheitstraum wiederbeleben.
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22/04/2020 AM 20:21
50 Jahre zuvor hatte Real Madrid das Hauptaugenmerk auf das eigene Angriffsspiel gelegt. Wenn man vorne eine Menge Tore erzielte, könnte man hinten ruhig etwas lockerer stehen - so könnte man die Philosophie herunterbrechen.
Also kümmerte man sich in erster Linie darum, große Stars für den Offensivbereich in die spanische Hauptstadt zu holen. Hinten würde es schon irgendwie gehen. Das war auch Perez' Überzeugung. Diese setzte er präzise in die Tat um.
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Alfredo Di Stefano präsentiert die AUsbeute seiner Zeit bei Real Madrid

Fotocredit: Eurosport

Vier überragende Offensiv-Transfers prägen Real Madrid

Im ersten Sommer seiner Regentschaft - 2000 - sorgte er für einen Paukenschlag, als Portugals Weltstar Luis Figo seine Zelte beim ungeliebten Real-Rivalen in Barcelona abbrach, um nach Madrid zu wechseln.
"Real Madrid wurde kürzlich von der FIFA zum besten Klub der Welt gewählt. Von daher ist es nur logisch, dass auch die besten Spieler hier spielen. Die spanischen Fans haben ein Recht darauf, schönen Fußball zu sehen", sagte Perez damals.
Ein Jahr später schließlich tätigte er den Transfer, der den Verein auf lange Sicht am offensichtlichsten prägen und seiner Philosophie im Nachhinein ihren Namen geben sollte. Zinédine Zidane wurde ein "Königlicher" und "Zidanes y Pavónes" war geboren.
"Zidanes" steht für die später auch als "galaktisch" betitelte Offensivabteilung. Die Figos, Zidanes, Ronaldos und Beckhams. Die Jungs, die Dauerkarten und Spektakel garantieren sollten.
"Pavónes", das sind günstige - am besten aus der eigenen Akademie rekrutierte - Nachwuchskräfte. Spieler, die keinen Unfrieden stiften, defensive Rollen einnehmen und nicht zu sehr ins Spotlight drängen. Sie sollen den Zauberern den Rücken freihalten. So wie der Anfang-20-Jährige Innenverteidiger Francisco Pavón.
Dass dieses Konstrukt nicht besonders nachhaltig sein würde, stellte sich später schmerzlich heraus. "Es tat nichts anderes als für Ärger in der Kabine zu sorgen", berichtete Zidane selbst einmal, weit nach seiner aktiven Karriere. Zunächst einmal aber hatte Perez seinen Spaß. Und das war die Hauptsache.
Ich hoffe, dass ich hier bei Real noch besser werden kann als ich es in Turin war.
Der Zidane-Transfer war der bis dahin teuerste aller Zeiten. 77,5 Millionen Euro überwies Madrid auf die Konten von Juventus Turin. Eine zu diesem Zeitpunkt fast unvorstellbar große Summe.
Der Franzose aber schien diese Investition wert zu sein, war er doch schon ein hochdekorierter Spieler, als er im Sommer 2001 zu Real kam. Europameister und Weltmeister durfte sich der damals 29-Jährige bereits nennen. Dazu hatte er in seiner Zeit in Turin alle italienischen Pokale und Auszeichnungen abgeräumt, die so angeboten wurden.
Zweifacher Weltfußballer war Zidane ebenfalls. Nur die Champions League, die fehlte ihm noch. Auch deshalb wagte er den Sprung ins weiße Trikot des spanischen Ausnahmeklubs. Hier sah "Zizou" die beste Aussicht auf den Henkelpott.
"Ich glaube, dass nach fünf Jahren bei Juventus nun der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen ist", sagte er bei seiner Vorstellung, kurz nachdem ihn Vereinsheiligtum Alfredo Di Stefano persönlich begrüßt hatte. "Ich hoffe, dass ich hier noch besser werden kann."

Zinédine Zidane bekommt das Trikot von Real Madrid von Alfredo Di Stefano

Fotocredit: Getty Images

Der Klub brauchte einen eleganten Anführer. Das konnte nur Zidane sein.
In der Saison vor Zidanes Verpflichtung hatte die von Figo angeführte Mannschaft nur La Liga gewinnen können. Den europäischen Supercup verlor man gegen Galatasaray, das Weltpokalendspiel gegen die Boca Juniors. Zu wenig.
"Der Fußball kam trotz zweier Champions-League-Titel rund um die Jahrtausendwende etwas hölzern und unglamurös daher. Deswegen verlor Real in der Fußballwelt an Ansehen", erinnert sich Adrian Garcia, Fußball-Experte von Eurosport-Spanien. "Der Klub brauchte einen Anführer, der Weltklasse und Eleganz vereinte. Die Wahl konnte also nur auf Zidane fallen. Mit ihm wurde die 'Galacticos'-Arä endgültig begründet."
Und die ließ sich gut an.

In Glasgow wird Zidane zur Ikone

Trainer Vicente Del Bosque fand nach etwas knirschendem Beginn die richtige Position für seinen neuen Spielmacher - und der lieferte. Am Ende seiner ersten Saison ganz in Weiß feuerte der Franzose einen Volley im Regen von Glasgow über Hans-Jörg Butt vorbei ins Netz.
"Sein Siegtor im Champions-League-Finale gegen Leverkusen machte ihn sofort für alle Fans unsterblich. Es gilt als eines der schönsten in der Vereinsgeschichte von Real Madrid", sagt Garcia.
Zur Verwunderung für alle, die es mit Real halten, war dies aber bereits der Höhepunkt der Zidane-Zeit. Bis zu seinem Karriereende nach der Weltmeisterschaft 2006 kamen nur noch eine spanische Meisterschaft und zwei Pokalsiege hinzu.
Insgesamt machte der Franzose 227 Spiele für die "Blancos", erzielte dabei 49 Tore und legte 67 weitere auf.
"Zidane etablierte Real als einer der größten Klubs der Welt. Leider war die erfolgreiche Zeit zu kurz und beinhaltete einige katastrophale Tiefen, wie das Ende der Meisterschaft 2004", erinnert sich Garcia.
Aus der Serie: Die Königstransfers des Fußballs

Zidanes Transfer veränderte Real Madrid nachhaltig

Wie einflussreich die Verpflichtung von Zinédine Zidane für Real Madrid aber wirklich war, zeigte sich erst hinterher. Zidane ist mehr als ein Teil der "Galacticos". Er verinnerlichte die königliche DNA so stark, dass er auch nach seinem Karriereende im Jahr 2006 in der spanischen Hauptstadt und im Umfeld des Vereins blieb.
Im Januar 2016 übernahm er schließlich als Trainer die erste Mannschaft und führte sie sofort zu drei aufeinanderfolgenden Siegen in der Champions League. Inklusive einer achtmonatigen Pause steht der Weltmeister von 1998 bis heute an der Seitenlinie.
Zidane soll auch die nächste große Real-Mannschaft prägen. Damit Florentino Perez weiterhin seinen Spaß hat.
Der Top-Fußball wird von seinen Superstars geprägt. Besonders dann, wenn sie den Verein wechseln, wird der Einfluss der Ausnahmespieler besonders sichtbar. Eurosport.de blickt auf die Transfers, die die Kräfteverhältnisse in den vergangenen 25 Jahren nachhaltig veränderten. Teil 6 der Serie mit dem Transfer von Virgil van Dijk von Southampton zum FC Liverpool 2018 folgt am Samstag bei Eurosport.de.
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