Gefrustet vergrub Lionel Messi das Gesicht in den Händen und schlich mit gesenktem Kopf vom Platz. Gerade hatte sein FC Barcelona wohl die Chance auf den Meistertitel in La Liga weggeschmissen. Zur Halbzeit führten die dominanten Katalanen bei UD Levante noch locker mit 2:0. Doch ein Doppelschlag nach einer knappen Stunde (57. und 60.) brachte die Gastgeber wieder zurück ins Spiel. Und auch auf die erneute Führung durch Ousmane Dembélé (64.) fand Levante in der Schlussphase noch eine Antwort (83.).
Als das 3:3 mit dem Abpfiff feststand, herrschte bei Barcelona erst einmal Stille. Der Schock war den Beteiligten der Blaugrana deutlich anzusehen.
Allen war klar, dass der Meistertitel nach diesem Ergebnis praktisch futsch ist. Bei nur zwei verbleibenden Partien beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter Atlético Madrid (77 Punkte), das zudem noch ein Spiel in der Hinterhand hat, einen Punkt. Auch Real Madrid, das aktuell einen Zähler weniger auf dem Konto hat, kann am Wochenende noch vorbeiziehen.
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"Es bleiben nur noch wenige Optionen, es wird davon abhängen, was die anderen Teams machen", sagte ein konsternierter Sergio Busquets über die wohl geplatzten Meisterträume.

Lionel Messi ist verzweifelt

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Schlechtes Zeichen: Koeman stellt sich Job-Diskussion

Barça-Trainer Ronald Koeman veranlasste dieser Umstand sogar zu einem drastischen Statement. "Als Trainer trage ich die maximale Verantwortung. Auch ich frage mich, was passiert ist, weil wir in der Halbzeit über Intensität gesprochen haben. Und in der zweiten Halbzeit waren wir weniger intensiv", gab der Niederländer nach dem Spiel zu Protokoll und ergänzte mit Hinblick auf seinen Job: "Trainer werden immer in Frage gestellt. Aber ich verstehe, dass es nach der zweiten Hälfte Zweifel gibt."
Dass ein Trainer sich selbst mitten im Endspurt um die Meisterschaft in Frage stellt, ist eigentlich ein verheerendes Zeichen für die Mannschaft und den Verein. Doch auch die zuletzt aufkommenden Gerüchte um Ex-Spieler Xavi, der wohl nicht zur neuen Saison als Trainer bereitsteht, zeigen, was für ein fragiles Gebilde Barcelona derzeit ist.

Ronald Koeman muss beim FC Barcelona um seinen Job fürchten

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Mit einem möglichen Meistertitel hätten die Katalanen über die vielen Brennpunkte um den Klub ein Stück weit hinwegtäuschen können. Nun lässt sich aber in einer Saison, die von Machtkämpfen in der Führungsebene inklusive neuer Präsidentschaftswahlen, existenzbedrohender Geldprobleme, Streitigkeiten mit Vereinslegende Messi und zuletzt dem Chaos der Super League gezeichnet war, kein einziger positiven Aspekt hervorheben.

Barças vergebene Titelchance als Rückschlag im Messi-Poker

Während die meisten dieser Probleme bestehen bleiben, sollte eines eigentlich so schnell wie möglich gelöst werden – die Personalie Messi. Der sportliche Rückschlag in der Liga fällt nun ausgerechnet genau in die Phase, in der die Barça-Bosse mit dem Argentinier über eine Vertragsverlängerung verhandeln.
Laut der spanischen "Sport" soll kürzlich ein erster Vorschlag von Präsident Joan Laporta bezüglich der Vertragsmodalitäten und Gehaltsvorstellungen bei der Messi-Seite gut angekommen sein. Die Rede war dabei von einem lebenslangen Vertrag, der Messi auch nach dem Karriereende eine Anstellung in Barcelona garantieren soll.
Allerdings sei eine Grundvoraussetzung des Argentiniers für einen Verbleib, dass man ihm eine Mannschaft zur Seite stellt, mit der der Champions-League-Titel möglich ist. Da kommt der nächste Dämpfer im Meisterrennen zum gänzlich falschen Zeitpunkt.

Barça und die Tabellenführung: Drei Chancen, dreimal kein Sieg

Es ist nicht die erste Chance, die Barça in den letzten Wochen liegen ließ. Tatsächlich haben die Katalanen in dieser Saison alle bisherigen drei Gelegenheiten, an die Tabellenspitze zu springen, in den Sand gesetzt. Gegen Granada vor zwei Wochen verloren die Blau-Roten mit 1:2, gegen Atlético reichte es am letzten Spieltag nur zu einem Unentschieden. Nun vergab der FCB die Möglichkeit, vorzulegen und die Konkurrenz unter Druck zu setzen.
Dabei hatten sich die Katalanen nach einem historisch schwachen Saisonstart (nur elf Punkte nach acht Spielen) sukzessive zurück in die Spitzengruppe gekämpft. Zwischenzeitlich blieb Barça in der Liga 19 Spiele in Serie ohne Niederlage und gewann 16 dieser Partien. Die Mannschaft schien sich gefangen zu haben und die Ideen von Koeman gut umzusetzen. Zudem präsentierte sich auch Messi in immer besserer Form und führte das Team wieder auf Tuchfühlung zur Tabellenspitze. Der Meistertitel schien mit diesem Lauf mehr als realistisch.

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Atlético und Real Madrid straucheln im Saisonendspurt ebenfalls

Möglich wurde das unter anderem, weil die beiden Klubs aus Madrid auch nicht so richtig wollen. Atlético, das seit November praktisch ununterbrochen an der Tabellenspitze stand, steckte im März in einem Formtief und holte nur einen Sieg aus fünf Partien. Nach einer Niederlage gegen Athletic Bilbao Ende April rutschen die Rojiblancos kurzzeitig auf Rang drei ab, eroberten die Pole Position nach einem Spieltag aber wieder zurück.
Und damit sind wir beim Stadtrivalen Real. Auch die Königlichen konnten ihre zwischenzeitlich gute Form nicht über die gesamte Saison hinweg konservieren. Zwar gewannen sie in der Rückrunde den direkten Vergleich mit Barcelona (2:1) und spielten gegen Atlético immerhin unentschieden (1:1), doch in den letzten zwei Wochen ging der Mannschaft von Zinédine Zidane das Siegergen abhanden. Drei der letzten vier Spiele endeten unentschieden – zwei davon 0:0, sodass auch die in dieser Saison starke Defensive (nur 26 Gegentore, Platz zwei hinter Atlético) nicht zum Erfolg verhelfen konnte.

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Durch Barcelonas Aussetzer sind es nun aber dennoch die beiden Vereine aus der spanischen Hauptstadt, die die besten Karten auf den Titel haben, während in Katalonien schon jetzt Frust geschoben wird. Nur wenn Atlético zwei der letzten drei Partien (gegen Sociedad, Osasuna und Valladolid) nicht gewinnt, kann der FCB noch auf die Meisterschaft hoffen.
Und so deutet vieles auf einen tristen Sommer in Barcelona hin.
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