Nächstes richtungsweisendes Spiel, nächste Niederlage: In Madrid ist für den FC Barcelona gegen den amtierenden Meister Atlético nichts zu holen. Nachdem die Mannschaft von Trainer Ronald Koeman am Dienstag bereits gegen Benfica in der Champions League ein schwaches Bild abgegeben hatte (0:3), lief es im stimmungsvollen Wanda Metropolitano am Samstagabend kaum besser.
Thomas Lemar und der langjährige Blaugrana-Star Luis Suárez besiegelten das Schicksal der Katalanen bereits vor der Halbzeit, nach dem Seitenwechsel beschränkten sich die Hausherren auf das Verteidigen der Führung, während Barcelona halbherzig anrannte, aber keinerlei Ideen gegen die Maurermeister vom Manzanares entwickelte.
Dass Lionel Messis Abgang hat eine enorme qualitative Lücke reißen würde, war im Vorfeld klar – dass sie allerdings derart unschließbar ausfällt, erstaunt dann doch.
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Aktuell lebt der Traditionsverein ausschließlich von seinem Namen, diejenigen, die aktuell das Wappen auf der Brust tragen, wirken blutleer und phlegmatisch. Kein Aufbäumen, keine Lösungen, kein Feuer.
Drei Dinge, die bei Atlético gegen den FC Barcelona auffielen

1. Bei Barça ist nur noch der Name groß

Ein Trainer, der auf der Tribüne ins Handy brüllt, ein ratloser Assistent an der Seitenlinie, Spieler, die keinerlei Anstalten machen, sich gegen das abermals drohende Übel zu stemmen: Der FC Barcelona gibt dieser Tage ein wahrlich erschreckendes Bild ab.
"Mes que un club", mehr als ein Verein, das Credo der stolzen Katalanen bröckelt aktuell gewaltig. Sowohl gegen den FC Bayern vor einigen Wochen (0:3) als auch gegen Benfica und nun gegen Atlético waren die im Fußball so häufig bemühten Eigenschaften wie Leidenschaft und Wille stets bei den jeweiligen Gegnern der Blaugrana zu erkennen.
Im Samstags-Duell mit den Colchoneros von Trainer Diego Simeone offenbarte sich so ziemlich all das, woran es aus sportlicher Sicht derzeit bei Barça hapert. Vor allem in der Defensive hat das Koeman-Team mit erheblichen Unzulänglichkeiten zu kämpfen. Zwei einfache Atlético-Spielzüge reichten aus, um das fragile Abwehr-Konstrukt zu ramponieren.

Gerard Piqué ist ratlos

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Spieler wie Gerard Piqué, über viele Jahre hinweg eine Bank in der Innenverteidigung, oder Mittelfeld-Motor Sergio Busquets erwecken den Eindruck, als sei ihre Zeit auf Weltklasse-Niveau definitiv vorbei.
Die beiden Vereinslegenden, die alles, was es zu gewinnen gab, mit Barcelona gewannen, laufen zumeist nur hinterher, an vorderster Front versuchen sich hochtalentierte Kicker, die sich jedoch ebenfalls in einem Formtief befinden oder schlicht noch nicht weit genug sind, um die große Last dieses Vereins zu schultern. Mehr als eine Dekade lang tat Messi genau das.

2. No Messi, no party

Mit Messi verabschiedete sich im Sommer das Hirn und Herz der Mannschaft in Personalunion. 21 Jahre lang spielte der Argentinier in der Mittelmeer-Metropole, zeichnete unter anderem für vier Champions-League-Trophäen verantwortlich.
Selbst im etwas höheren Alter ist der sechsmalige Weltfußballer nicht zu ersetzen, niemand kann derartige Fußstapfen ausfüllen, das ist klar. Dennoch zeigt sich nun, da Messi weg ist, wie abhängig das Team von seiner Nummer zehn war.
Die Kreativität, die Voraussetzungen, unlösbar anmutende Situationen mit nur einer Körpertäuschung zu lösen, die Treffsicherheit, die Fähigkeit, Spiele zu entscheiden, wenn es spielerisch mal nicht läuft – all das verband der Edeltechniker. Messi war der viel zitierte Unterschiedsspieler.
Genau das fehlt dem Verein mittlerweile komplett. Statt der besonderen Momente oder Initialzündungen sahen die Barcelona-Fans gegen Atlético uninspirierte Querpässe um den Strafraum des Gegners, ohne Raumgewinn, ein lethargisches Aufbauspiel, halbgares Pressing und tempoarmes Umschalten.

Ronald Koeman mochte gar nicht mehr hinschauen

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Ein Umstand, der auch dem Trainer anzulasten ist. Es ist keine imposante Handschrift zu erkennen, Koeman, der seit geraumer Zeit zur Debatte steht, sorgte zuletzt mit einigermaßen skurrilen Pressekonferenzen für Aufsehen, sonderlich dickhäutig zeigte er sich im Umgang mit Kritik auch nicht.
Obwohl offenbar kaum noch jemand an die Wende unter dem Niederländer zu glauben scheint, möchte der Coach sein Amt fortführen. "Klarheit ist sehr wichtig, für das Selbstvertrauen des Trainers und auch für die Spieler, die dann wissen, dass ihr Coach noch hier ist", sagte Koeman nach der Partie.
Koeman vor die Tür zu setzen käme Barcelona womöglich teuer zu stehen. Zwölf Millionen Euro Abfindung müsste der Verein laut eines Berichtes von "TV3" im Falle einer vorzeitigen Kündigung berappen. Gerade in der prekären Finanzsituation, die es nicht zuließ, Messi weiter zu beschäftigen, kaum zu stemmen.

3. Rache ist süß: Luis Suárez‘ Telefonstreich

Vor wenigen Tagen hatte Suárez sowohl Koeman als auch Präsident Joan Laporta öffentlich kritisiert. Vor allem sein unrühmlicher Abgang nach über sechs Jahren im vergangenen Sommer wurde dabei thematisiert. Suarez‘ Vorwurf in Richtung Laporta: "Er hat gesagt, ich sei schlecht für die Stimmung in der Kabine. Er hat alles der Presse gesagt, anstatt mich persönlich anzurufen und mir zu sagen, dass der Verein mich nicht mehr will."
Koeman handhabte die Sache anders. Er rief Suárez an, um dem Uruguayer mitzuteilen, dass er nicht auf dessen Dienste baue. Suárez, der keinen Hehl aus seiner Wut machte, schloss sich Atlético an – und wurde in der vergangenen Saison prompt Meister mit den Rojiblancos. Eine süße Rache, wenn man so will.

Luis Suárez im Spiel gegen seinen Ex-Klub

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Noch süßer wurde es am Samstagabend. Lemar bediente Suárez nach schnellem Umschalten mit einem sehenswerten Diagonalball, den der Angreifer mustergültig mitnahm und den Ball eiskalt im Netz versenkte. Suárez‘ erstes Tor im neuen Dress gegen die alte Liebe. Wie mittlerweile unter Fußballern üblich, hielt Suárez sich mit großartigen Jubelszenen gegen die ehemaligen Kollegen zurück, entschuldigte sich vielmehr für sein Tor.
Für Koeman hatte der 34-Jährige allerdings noch eine ganz besondere Grußbotschaft vorbereitet. In Anlehnung an dessen damaligen Absagen-Anruf formte Suárez mit der Hand ein Telefon, das er sich symbolisch ans Ohr hielt und in Richtung Tribüne blickte.
Auf die Szene angesprochen, erklärte Suárez mit einem Schmunzeln: "Ich wollte damit nur sagen, dass meine Telefonnummer sich nicht geändert hat." Ein verspäteter Telefonstreich, der seine Wirkung nicht verfehlt hat.
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