FC Barcelona - Neue Stars trotz Mega-Schulden: Wie kann Barça sich Auba und Co. leisten?
Um den FC Barcelona ist es finanziell alles andere als gut bestellt. Die Katalanen tragen eine Schuldenlast von über einer Milliarde Euro auf den Schultern. Trotzdem schlug der Klub im Winter munter auf dem Transfermarkt zu, verpflichtete die Premier-League-Topspieler Ferran Torres, Adama Traoré und Pierre-Emerick Aubameyang. Andererseits nahm Barça zu wenig Geld ein. Wie passt das zusammen?
Pierre-Emerick Aubameyang spielt ab sofort für den FC Barcelona
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Als Lionel Messi Anfang August vergangenen Jahres vor einem überdimensionalen FC-Barcelona-Wappen vor die Mikrofone trat, wurde es tränenreich. Er sei "wie gelähmt" verkündete der kleine Argentinier, der fast zwei Dekaden bei den Blaugrana geprägt hatte.
"Meine Familie und ich waren davon überzeugt, dass wir hierbleiben, dass wir zuhause bleiben. Das war alles, was wir wollten", sagte er. Messi weiter: "Die Stadt und der Verein sind einfach überragend. Heute muss ich tatsächlich auf Wiedersehen sagen. Die Wahrheit ist, dass ich den Klub verlasse. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich wirklich einmal verabschieden muss."
Die Verantwortlichen hätten alles Menschenmögliche getan, um ihn zu halten, allerdings habe die finanzielle Schieflage einen Verbleib nicht möglich gemacht. Wenige Tage nach Messis emotionalem Abschied wurde der Superstar bei Paris Saint-Germain vorgestellt, die Tränen waren getrocknet, die Gewährleistung eines weiterhin prallgefüllten Kontos dank der Millionen aus Katar gegeben.
Wie schlecht es wirklich um den FC Barcelona bestellt ist, wurde im Anschluss an die skurrile Messi-Präsentation an der Seine verkündet. FCB-Präsident Joan Laporta, der im März 2021 von seinem gleichermaßen spendierfreudigen wie chaotischen Vorgänger Josep Bartomeu übernommen hatte, bezifferte den Schuldenberg auf 1,35 Milliarden Euro. Auf einer Pressekonferenz erklärte Laporta, dass unter anderem die hohen Spielergehälter für die missliche Situation verantwortlich wären.
Finanzspritze von Investmentbank
Im Sommer sollen diese insgesamt bei 671 Millionen Euro gelegen haben. Nach dem Abgang des Top-Verdieners Messi reduzierte sich dieser Betrag freilich etwas, dennoch lieh sich der Verein von der US-amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs fast 600 Millionen Euro zu einem kleinen Zinssatz. Der Hintergrund: Barcelona wollte seine langfristigen Verbindlichkeiten in kurzfristige umwandeln, Laporta sprach davon, dass die Finanzspritze "anderthalb Jahre Luft" verschaffe.
Darüber hinaus wurde das Missverständnis mit Antoine Griezmann beendet, der 2019 für satte 120 Millionen Euro von Atlético nach Barcelona gewechselt war. Zunächst per Leihe mit anschließender Kaufpflicht über 40 Millionen Euro ging es für den Franzosen zu den Colchoneros zurück.
Langjährige Leistungsträger wie Gerard Piqué und Sergio Busquets verzichteten außerdem auf Teile ihres Gehalts. Im Winter verschwand mit Sergio Agüero (Karriereende wegen einer Herzerkrankung) ein weiterer Top-Verdiener von der Gehaltsliste, zudem zeigte sich Aston Villa bereit, Philippe Coutinho auf Leihbasis zu verpflichten und einen Großteil des fürstlichen Salärs zu übernehmen, das bei rund 28 Millionen Euro brutto liegen soll.
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Barcelona-Trainer Xavi
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Nötige Einsparungen, von einem Zustand monetärer Gesundheit sind die Katalanen aber weiterhin weit entfernt. Als Anfang November in Xavi eine Vereinslegende als neuer Trainer vorgestellt wurde, der einst der berüchtigten Talentschmiede La Masia entsprungen war, wurde vollmundig erklärt, man wolle künftig wieder mehr auf die Nachwuchsarbeit setzen, das etablieren, was Barcelona einst in die Weltelite hievte.
55 Millionen Euro für Ferran Torres
Nur wenige Wochen später war klar: Obwohl in den vergangenen Jahren wieder vermehrt verheißungsvolle Juwele wie Ansu Fati und Pedri aus La Masia den Weg in die Profi-Mannschaft fanden, setzt Barcelona weiterhin auch auf kostspielige externe Kräfte. Das Winter-Transferfenster, das am Dienstagabend schloss, wurde von den Verantwortlichen vollumfänglich ausgereizt. Den ersten Deal brachte der 26-malige spanische Meister kurz vor dem Jahreswechsel unter Dach und Fach. Ferran Torres wurde für eine Ablösesumme von 55 Millionen Euro von Manchester City an die Mittelmeerküste gelotst.
Schon damals tauchte die berechtigte Frage auf, wie Barcelona einen derartigen Transfer zu finanzieren gedenke. Übereinstimmenden Medienberichten aus Spanien und England zufolge habe der angeschlagene Klub sich mit den Skyblues darauf verständigt, den Betrag verteilt über mehrere Jahre zu zahlen. Laut der Meldungen streiche Torres zu Beginn seines Engagements ein verhältnismäßig kleines Gehalt ein, das in den kommenden Jahren ansteigen soll. Offensichtlich sind die Bosse also guter Dinge, dass sich die Lage in Zukunft deutlich entspannt.
Um eine rosigere Ära einzuleiten, da waren sich sämtliche Experten einig, hätten im Winter weitere Millioneneinnahmen durch Spielerverkäufe generiert werden müssen. Ousmane Dembélé, dessen angeblich exorbitante Gehaltsforderungen für eine angestrebte Vertragsverlängerung (der aktuelle Kontrakt endet im Sommer) abgelehnt wurde, stand als prominentester Akteur auf der Streichliste.
Weder Dembélé noch ein anderer Spieler heuerte bei einem neuen Arbeitgeber an. Ganz zu Laportas Leidwesen: "Er wollte keines der Angebote annehmen, die ihm gemacht wurden", sagte der 59-Jährige mit Blick auf Dembélé und schob nach: "Das ist weder für ihn noch für den Verein gut. Wir verstehen seine Position nicht." Der Franzose, der 2017 für die Rekordsumme von 135 Millionen von Borussia Dortmund nach Barcelona kam, wurde immer wieder mit einem Transfer in die Premier League in Verbindung gebracht. Nun droht dem Franzosen ein Platz auf der Tribüne, Barcelona wird am Saisonende kein Geld einnehmen.
Traoré und Aubameyang schlagen in Barcelona auf
Dass Dembélé bleiben würde, war nicht eingeplant, garantiert war ein Abgang aber auch nicht. Trotzdem schlug Barcelona auch weiterhin auf dem Transfermarkt zu. Vor wenigen Tagen gab der Champions-League-Sieger von 2015 bekannt, dass Adama Traoré vom englischen Erstligisten Wolverhampton Wanderers leihweise ins Camp Nou wechselt. Der spanische Nationalspieler war in der Barça-Jugend ausgebildet worden und im Alter von 19 Jahren auf die Insel gewechselt.
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Adama Traoré wechselte im Winter zum FC Barcelona
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Nach Vereinsangaben übernimmt Barcelona das komplette Gehalt des 26-Jährigen, zudem soll das Geschäft eine Kaufoption über 30 Millionen Euro beinhalten. Traoré gilt als Ersatzmann für Dembélé. Am so genannten "Deadline Day" setzen die Katalanen ihren Aktivitäten schließlich die Krone auf. Wie Laporta am Dienstagnachmittag verriet, wird Arsenal-Star Pierre-Emerick Aubameyang mit sofortiger Wirkung (und ebenfalls leihweise) zum La-Liga-Tabellenfünften wechseln.
Dem Deal war eine Hängepartie vorausgegangen, Laporta erklärte, dass die Dokumente aus England "eine Minute" vor Schließung des Transferfensters eingetroffen seien. Der Vertrag sei unterschrieben, die medizinische Untersuchung bestanden, bei Twitter tauchten Bilder auf, die zeigten, dass der Gabuner bereits am Mannschaftstraining teilnahm. Offiziell verkündet werden soll der Transfer erst am Ende der Woche.
Die "Sport" berichtet, dass Aubameyangs Vertrag bei den Gunners aufgelöst worden sei und er somit als ablösefreier Free Agent nach Spanien wechselt. In London soll der Angreifer rund 400.000 Euro pro Woche kassiert haben, ein utopischer Verdienst, den Barcelona selbstverständlich nicht stemmen kann. Aubameyang müsste also auf einen erheblichen Anteil seiner bisherigen Einkünfte verzichten. Was wohl geschehen ist, zumindest gab der spanische Verband, der als Kontrollorgan bezüglich der Einhaltung der Gehaltsobergrenzen fungiert, grünes Licht.
Barcelona spekuliert auf die Champions League
Der Verband hatte Barcelona Ende September zum Sparen gezwungen, die Gehaltsobergrenze auf 97 Millionen Euro gesenkt. Wie die Verantwortlichen um Laporta und Geschäftsführer Mateu Alemany diese Vorgabe mit ihrem nach wie vor namhaften Kader sowie den Star-Neuzugängen in Einklang bringen, ist kaum nachvollziehbar.
Barça spekuliert wohl darauf, mit der Qualitätssteigerung des Kaders einen Platz in der Champions League zu ergattern. Atlético Madrid, derzeit Vierter, hat nur einen Punkt Vorsprung, auch Real Betis auf Rang drei ist mit fünf Zählern Vorsprung in Schlagdistanz. Die Teilnahme an der Königsklasse würde, sofern man nicht wie in dieser Saison in der Vorrunde ausscheidet, eine große Geldsumme in die Kassen spülen.
Sollte das Vorhaben scheitern, dürften Lionel Messis Tränen nicht die letzten gewesen sein, die beim stolzen Klub aus Katalonien vergossen wurden.
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