Der eine oder andere Real-Madrid-Fan wird sich noch gerne an Transfersommer von 2009 zurückerinnern. Das damals frisch gewählte Real-Oberhaupt Florentino Pérez öffnete die Büchse der Pandora und holte Superstars wie Cristiano Ronaldo, Kaka, Xabi Alonso oder Karim Benzema. In den vergangenen Jahren hielt man sich jedoch ordentlich zurück, was große Einkäufe anbelangte.
Der Stadionumbau sowie die anhaltende Corona-Pandemie sorgen auch gegenwärtig dafür, dass Einkaufstouren wie solche aus 2009 schlichtweg nicht mehr möglich sind. Zuletzt konnte man fast den Eindruck gewinnen, der spanische Rekordmeister ist auf Verkäufe angewiesen, und die Abgänge von Sergio Ramos (PSG) und Raphaël Varane (ManUnited) sind klassische Kollateralschäden der aktuellen Situation.
Doch ungeachtet, wodurch solch einschneidende Transfers zustande kommen: Die Madrilenen stehen vor einem Umbruch.
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Eurosport.de wirft einen Blick auf den derzeitigen Real-Kader: Wo ist noch Aufholbedarf? Wer sind die Wackelkandidaten? Wer ist gesetzt unter Carlo Ancelotti?

Cristiano Ronaldo - Real Madrid

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Courtois im Tor gesetzt

Der Belgier Thibaut Courtois war vergangene Saison der Fels in der Brandung. Mit etlichen Glanzparaden und einer starken Antizipation rettete er seinem Team den einen oder anderen Punkt. Seine gute Form hat er unter anderem auch während der EM unter Beweis gestellt.
Es müsste schon mit dem Teufel einhergehen oder eine Verletzung folgen, dass der 29-Jährige nicht als klare Nummer eins das Real-Tor hüten wird. Als Ersatzkeeper steht Andriy Lunin bereit. Dem Ukrainer, der bislang lediglich auf 120 Einsatzminuten kam, wird immerhin großes Talent nachgesagt.

Post-Ramos-Ära

So klar der Fall im Tor aussieht, so komplizierter dürfte es eine Station davor werden. Mit Kapitän Ramos und seinem kongenialen Partner Varane gab Real zuletzt zwei tragende Säulen ab.
"Wir haben gemeinsam alle Erwartungen übertroffen und Dinge erreicht, die ich mir nie hätte träumen lassen", verabschiedete sich Varane von den Fans der Königlichen.
Die am Donnerstag verkündete Vertragsverlängerung von Daniel Carvajal dürfte zumindest etwas Ruhe in die Kaderplanungen der Madrilenen gebracht haben. Mit Marcelo ist zudem ein erfahrener linker Verteidiger an Bord geblieben, genauso wie Nacho und Éder Militão, die im vergangenen Saisonfinish Varane und Ramos mehr als adäquat ersetzten.
Reals jüngster Neuzugang ist David Alaba. Der Österreicher kam ablösefrei vom FC Bayern München und ist in der Defensive variabel einsetzbar. "David ist ein kompletter Spieler, der eine Menge Klasse hat. Auch in der Defensive ist er taktisch sehr intelligent", schwärmte Ancelotti vor Kurzem vom Ex-Bayern-Star und ergänzte: "Bei Bayern habe ich David in den letzten Spielen als Innenverteidiger eingesetzt und er hat das sehr gut gemacht."
Sollte Ancelotti auf sein bewährtes 4-3-3 setzen, wird Alaba wohl ziemlich sicher den Part als linker Innenverteidiger einnehmen und Nacho beziehungsweise Militão werden um den verbleibenden Platz im Abwehrzentrum kämpfen. Abzuwarten bleibt noch, wie sehr ihn seine Corona-Infektion beeinträchtigen wird.

David Alaba im Training seines neuen Klubs Real Madrid

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Mit Ferland Mendy, Álvaro Odriozola sowie dem zuletzt verliehenen Ex-Frankfurter Jesús Vallejo haben die Madrilenen zudem weitere Defensiv-Qualität in den eigenen Reihen. Sicher scheint jedenfalls, dass Real auch nach den beiden Abgängen keinen Ersatz für die Abwehr suchen wird, weshalb Ancelotti mit dem vorhandenen Spielermaterial auskommen muss und damit eine neue Zeitrechnung eingeleitet wird.

Neuer Anlauf mit Isco?

Luka Modrić war unter Zinedine Zidane im Mittelfeld stets gesetzt. Auch Casemiro, Toni Kroos und Federico Valverde zählten zum Stammpersonal.
Und dann wäre da noch ein gewisser Isco. Der Spanier lief zuletzt über weite Strecken seiner Form hinterher und fand sich daher öfter auf der Bank wieder als auf dem Platz. Ancelotti war jedoch bereits in seiner ersten Real-Amtszeit ein Fan des 29-Jährigen. Isco zahlte das Vertrauen damals mit starken Leistungen zurück.

Isco Alarcón und Carlo Ancelotti

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Gut möglich, dass der offensive Mittelfeldspieler vom Trainerwechsel profitieren wird. Für Isco spricht außerdem, dass er den Sommer die komplette Saisonvorbereitung bei Real nutzen konnte, während seine Kollegen Modrić, Casemiro, Valverde oder Kroos jeweils für ihr Nationalmannschaften bei der EM-Endrunde im Einsatz waren.
Abzuwarten bleibt, was mit den beiden Rückkehrern von Arsenal, Martin Ødegaard und Dani Ceballos, passiert. Hier stehen die Zeichen jedoch tendenziell erneut auf Abschied. Ødegaard hatte erst kürzlich zu verstehen gegeben, dass er sich eine erneute Leihe vorstellen könnte. Ceballos möchte dem Vernehmen nach zunächst das Gespräch mit Ancelotti suchen.

Bleiben Bale und Hazard?

Die Zukunftsaussichten von Gareth Bale und Eden Hazard dürfte sich mit der Verpflichtung von Ancelotti deutlich verbessert haben. Der Waliser geht in seine vertraglich letzte Real-Saison und erhofft sich unter dem Italiener mehr Einsatzzeiten.
Angesprochen auf sein Wiedersehen mit Ancelotti entgegnete Bale kürzlich bei "Sky Sports": "Wir hatten eine tolle Zeit zusammen bei Real Madrid. Für Real ist es super, ihn zu haben. Ich bin sicher, dass er es toll machen wird."
Auch Ancelotti äußerte sich zuletzt durchweg positiv über den 32-Jährigen, der nach seiner Leihe an Tottenham in die spanische Hauptstadt zurückkehrt: "Ich kenne ihn sehr gut. Er kann eine großartige Saison spielen, daran habe ich keine Zweifel."
Angesichts der offensiv nicht immer überzeugenden Vorstellungen der Königlichen in der vergangenen Spielzeit wird man sich in Madrid über einen Spieler mit Bales Abschluss-Qualitäten freuen.
Bei Hazard standen die Zeichen ohnehin vermehrt auf Verbleib, zumal es offenbar keinen Abnehmer für den 30-Jährigen gab. Nichtsdestotrotz wird Ancelotti aller Voraussicht nach auf den Belgier bauen.

Mbappé und Benzema als Sturmduo?

Und wieder wären wir im Transfersommer 2009 angelangt. Die Sehnsucht der Real-Fans nach der Verpflichtung von Kylian Mbappé wird von Jahr zu Jahr größer. Und nicht nur die Sehnsucht - ja langsam wird dieser Transfer gar zur Notwendigkeit. Nach vorne ging speziell in der vergangenen Spielzeit wenig. Verlass war hier lediglich auf Benzema. Ein trauriger Umstand, denn an Qualität in der Offensive hätte es nicht gemangelt.
Marco Asensio konnte bislang nicht an seine Bestform anknüpfen und die beiden jungen Brasilianer Vinícius Júnior und Rodrygo haben sich in den vergangenen beiden Spielzeit nur marginal verbessert. Für Mariano Diaz und Luka Jović, die unter Zidane nur selten zum Zug kamen, dürften die Karten unter Ancelotti nun ebenfalls neu gemischt werden.
Doch für Geduld sind die Fans von Real Madrid nicht gerade berühmt. Die Tatsache, dass die letzten Transfers für die Offensive nicht wie gewünscht funktioniert haben, verstärkt nun den Wunsch der Fans nach einem echten Ausnahmestürmer. Mbappé soll kommen und am besten mit seinem französischen Sturmpartner Benzema im Weißen Trikot auf Torejagd gehen.

Kylian Mbappé und Karim Benzema bei der EM 2020

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Viel spricht jedoch nicht für einen Wechsel noch in diesem Sommer, zumal sein Vertrag bei PSG noch bis 2022 läuft, vor allem aber, weil wir uns nicht im Sommer von 2009 befinden, wo Real noch jede Summe bezahlte, die nötig war, um einen Weltklasse-Spieler zu holen. Als Alternative kursiert immer wieder der Name Erling Haaland in den Medien, der wohl kaum billiger zu haben wäre. Zudem hat BVB-Boss Hans-Joachim Watzke erst kürzlich klargestellt, dass man mit Haaland plane.
So bleibt die Verpflichtung eines Superstars wohl nur ein Luftschloss.
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