Drei Dinge, die im Derbi madrileño zwischen Atlético und Real Madrid auffielen: Tanz Vinícius Júnior, tanz!
Real Madrid hat die 230. Ausgabe des Derbi madrileño mit 2:1 (2:0) für sich entschieden und steht nach sechs Spieltagen ohne Punktverlust an der Tabellenspitze. Vor 66.881 Zuschauer im ausverkauften Cívitas Metropolitano erlebten Antoine Griezmann und Vinícius Júnior besondere Abende unter unterschiedlichen Vorzeichen. Real bewise zudem, dass es einen Superstar bestens ersetzen kann. Was auffiel.
Vinícius Júnior tanzt nach Rodrygos Treffer zum 1:0 im Derbi madrileño bei Atlético Madrid
Fotocredit: Getty Images
Ex-Weltmeister Toni Kroos und der spanische Rekordchampion Real Madrid geben sich in der neuen Saison weiterhin keine Blöße. Durch den 2:1 (2:0)-Erfolg im Derby beim Lokalrivalen Atlético Madrid feierte der Titelverteidiger am Sonntag im sechsten Spiel den sechsten Sieg und bleibt damit die einzige Mannschaft in La Liga mit einer weißen Weste.
Im Madrider Derby sorgten Rodrygo (18.) und Federico Valverde (36.) für Reals beruhigende Halbzeitführung. Nachdem Mario Hermoso (83.) allerdings für die Hausherren verkürzt hatte, musste Reals Starensemble noch bis zum Schlusspfiff um den Erfolg bangen.
Einen besonderen Abend erlebte nicht nur Antoine Griezmann, der sein Startelfdebüt in dieser Saison gab, sondern auch Reals Flügelflitzer Vinícius Júnior - aus eher traurigem Anlass.
Drei Dinge, die im Derbi madrileño auffielen.
1.) Griezmann in "neuer" Rolle
Dieses Bild gab es in der laufenden Saison zum ersten Mal: Antoine Griezmann in der Startelf von Atlético Madrid. Dass dies bis dato noch nicht möglich war, der Franzose stattdessen meist erst nach der 60. Minute von der Bank kam, lag an einer kruden Klausel, die im Leihvertrag mit dem FC Barcelona verankert ist. So ist kolportiert, dass die Rojiblancos eine Ablösesumme von 40 Millionen Euro an die Katalanen zahlen müssen, sollte der 31-Jährige in mindestens 50 Prozent der Spiele 45 Minuten oder mehr spielen.
Gut für Atlético: Diese Klausel wurde in Nachverhandlungen mit dem FC Barcelona nun abgeschwächt oder gar ganz gestrichen, sodass Griezmann ab sofort in vollem Umfang genutzt werden kann. Diego Simeone machte davon gegen den Stadtrivalen sofort Gebrauch, ließ den Franzosen zusammen mit Joao Félix in einer Doppelspitze starten - beide erwischten aber nicht ihren besten Tag.
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Antonie Griezmann von Atlético Madrid (l.) im Zweikampf mit Reals Eder Militao
Fotocredit: Getty Images
Während Félix in der 62. Minute für den ehemaligen Herthaner Matheus Cunha weichen musste und wutentbrannt auf direktem Wege in die Kabine abdampfte, durfte Griezmann zwar durchspielen, kam in seinen ersten vollen 90 Minuten der Saison aber nur auf einen einzigen Torschuss. Dennoch dürften sich die Spielminuten Griezmanns in den kommenden Wochen deutlich steigern - und das sind gute Neuigkeiten für Atlético.
2.) Vinícius Júnior antwortet stilvoll auf Pfeifkonzert
Mit Spannung war erwartet worden, wie das Publikum im ausverkauften Cívitas Metropolitano auf Vinícius Júnior reagieren würde. Denn in der Woche vor dem Derbi madrileño herrschte Aufruhr rund um Reals Brasilianer - und das einzig und allein, weil die brasilianische Frohnatur nach selbst erzielten Toren gerne eine Tanzeinlage einlegt. Einige sogenannte "Experten" echauffierten sich darüber zuletzt öffentlich im spanischen Fernsehen, meinten gar, Vinícius solle "aufhören, den Affen zu machen". Ein Eklat, der hohe Wellen in der Fußballwelt schlug.
Die Unterstützung für Vinícius war groß, unter anderem bekundeten seine Landsleute Neymar Jr., Pelé und Ronaldo Nazário via Social Media ihre Solidarität.
Auch Vinícius selber meldete sich zu Wort, kündigte an, sich nicht unterkriegen lassen zu wollen. Im Gegensatz, er ging sogar in die Offensive: "Ich wiederhole es für dich, Rassist: Ich werde nicht aufhören, zu tanzen. Ob im Sambadrome, im Bernabéu oder wo auch immer", hießt es in Richtung seiner Kritiker in einem auf Twitter veröffentlichten Statement des 22-Jährigen.
Dass Atlético-Kapitän Koké im Falle eines Tanzes von Vinícius im Cívitas Metropolitano im Vorfeld der Partie weiteren "Ärger" prophezeite, war mindestens unglücklich und heizte die Stimmung weiter an. So kam es wenig überraschend, dass Reals pfeilschneller Dribbler sich schon während des Aufwärmenphase Pfiffen ausgesetzt sah. Ein Pfeifkonzert, das nach Anpfiff bei jedem Ballkontakt des Brasilianers lauter und gellender wurde.
Wie sehr die Pfiffe den Stürmer letztlich trafen, ist schwer zu sagen. Rein sportlich jedenfalls, das legte die Leistung des Offensivmannes nahe, ließen sie ihn komplett kalt. Nach dem 1:0 durch Rodrygo, dass von Tchouameni mit einem überragenden Chippass vorbereitet wurde, trafen sich Torschütze und sein brasilianischer Landsmann zu einem gemeinsamen Tänzchen an der Eckfahne. Vor dem 2:0 war es Vinícius Júnior, der von Modric mit Tempo in die linke Strafraumhälfte geschickt wurde und an den kurzen Pfosten schoss, von wo der Ball vor die Füße Federico Valverdes sprang. Einzig ein eigener Treffer blieb dem Brasilianer verwehrt.
Dennoch: Besser hätte Vinícius auf die unangebrachten Pfiffe der 60.000 nicht antworten können.
3.) Kein Benzema, kein Problem
Eigentlich war doch alles angerichtet für Atlético Madrid. Nur eines der vergangenen zwölf Stadtderbys konnten die Rojiblancos zwar gegen Real gewinnen (1:0 im Mai 2022), dieses wies allerdings eine nicht unerhebliche Parallele mit der 230. Ausgabe des Derbi madrileños auf. Denn genau wie vor viereinhalb Monaten traten die Königlichen ohne Superstar Karim Benzema an.
Carlo Ancelotti setzte stattdessen wie schon am vergangenen Spieltag auf Rodrygo auf der Neunerposition, flankiert von Vinícius Júnior links und Valverde rechts. Eine Taktik, die voll aufging. Atlético versuchte von Beginn an mitzuspielen, stand mitunter sehr hoch. Das kam der pfeilschnellen Offensivreihe der Königlichen sichtlich entgegen. In der ersten halben Stunde überrannte der Rekord-Champions-League-Sieger den überforderten Stadtrivalen förmlich, führte zur Pause hochverdient mit 2:0.
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Rodrygo und Vinicius jr. (Real Madrid) bejubeln den Sieg gegen Atlético Madrid
Fotocredit: Getty Images
Im zweiten Durchgang stellte sich Atlético etwas besser auf den Gegner ein, stand als Kollektiv nicht mehr so hoch und dämmte vor allem den Bewegungsradius der Flügelzange Vinícius/Valverde ein. Wirklich gefährdet war der Sieg des Tabellenführers, der zum ersten Mal seit 45 Jahren die ersten sechs Spiele einer La-Liga-Saison gewann, aber nie. Ancelottis Welttruppe zeigte eine abgezockte, reife Leistung und zeichnete sich durch eine hohe Effizienz aus. Insgesamt gab Real drei Schüsse auf den Kasten von Jan Oblak ab, einer ging an den Pfosten, zwei saßen.
Man könnte also sagen: Kein Benzema, kein Problem. Oder?
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Quelle: Perform
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