FC Barcelona unter Hansi Flick auf dem Weg zum Titel: Mit radikalem Pressing in Richtung Triple - Barcelona im Taktikcheck
VonLuca Baier
Update 26/04/2025 um 10:19 GMT+2 Uhr
Kann der FC Barcelona den ganz großen Wurf landen und sich in dieser Saison das Triple sichern? Unter Hansi Flick führen die Katalanen die Liga an, stehen im Halbfinale der Champions League und können im Finale der Copa del Rey nun den ersten Titel holen. Eurosport.de analysiert vor dem Duell mit Real Madrid im Taktik-Check, wie Flick bekannte Barça-Muster mit seinen eigenen Ansätzen kombiniert.
Vor den entscheidenden Wochen: Flick bangt um Lewandowski
Quelle: Perform
Hansi Flick hat ein bisschen unter dem Radar der deutschen Öffentlichkeit den FC Barcelona reformiert.
Der ehemalige Bundestrainer und Bayern-Coach kombiniert klassische Aspekte des Spiels der Blaugrana mit dem aggressiven Pressing nach seinen Vorstellungen.
Im 4-3-3, das zeitweise auch mal wie ein 4-2-3-1 daherkommen kann, fliegen sie durch die Liga.
Der FC Barcelona unter Hansi Flick im Taktikcheck:
Flexibles Dreiermittelfeld bringt Dominanz
Die drei Mittelfeldspieler sind immer in Bewegung und reagieren instinktiv aufeinander: Egal ob ein Sechser und zwei Achter oder zwei Sechser und ein Zehner, alles ist im Fluss.
Spielertypen wie Pedri, Gavi, Frenkie de Jong, Dani Olmo, aber auch Talent Marc Casado zeigen sich ständig zwischen den Linien des Gegners. Weil sie alle mit der Ballannahme aufdrehen - also sich in Richtung des gegnerischen Tores drehen - können, sind sie extrem schwer zu pressen.
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Trio Infernale aus der eigenen Jugend: Lamine Yamal, Pedri und Gavi
Fotocredit: Getty Images
Die gute Orientierung und Ballbehandlung erlaubt es ihnen, fast alles mit zwei Kontakten zu spielen, um Ball und Gegner schnell zu bewegen.
Durch dieses sichere Spiel im Mittelfeld, das phasenweise an das legendäre Trio aus Sergio Busquets, Xavi und Andres Iniesta erinnert, dominiert Barca die Spiele: Durchschnittlich 68,6 Prozent Ballbesitz hat das Team von Hansi Flick - nur Paris St. Germain kommt in den Topligen aktuell auf eine höhere Ballbesitzquote.
Tiki-Taka im Zentrum sorgt für Freiraum auf den Flügeln
Ballbesitz allein ist jedoch keine Garantie für Erfolg. Doch Barcelona legt unter Flick eine beeindruckende Zielstrebigkeit an den Tag: 89 Toren in 33 Ligaspielen erzielten sie dank ihrer drückenden Dominanz. Weil sie den Ball im Mittelfeld so gut laufen lassen, ziehen sich die Gegner sehr eng zusammen, um das Zentrum zu verdichten. Dies öffnet wiederum Räume auf den Flügeln.
Hier stehen mit Lamine Yamal und Raphinha zwei absolute Ausnahmekönner in den Reihen der Katalanen. Beide halten die Positionen am Flügel und warten geduldig auf ihre Momente. Nachdem der Gegner mit vielen kleinen Pässen im Zentrum gebunden worden ist, wird das Spiel schnell verlagert und die Dribbelkünstler können in isolierte Duelle gehen. Kein Team in den Topligen Europas versuchte mehr Dribblings als der FC Barcelona.
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Robert Lewandowski (FC Barcelona) verletzt sich im Spiel gegen Celta Vigo
Fotocredit: Getty Images
Sowohl Yamal als auch Raphinha haben hierbei das komplette Repertoire zu bieten: Sie können nach innen ziehen und abschließen à la Arjen Robben und haben damit schon das ein oder andere Traumtor erzielen können. Weil beide jedoch auch mit ihrem schwächeren Fuß äußerst begabt sind, können sie genauso den Weg außen vorbei suchen und den Ball scharf vors Tor bringen. Robert Lewandowski, der nun vorerst verletztungsbedingt fehlen wird, wartet im Zentrum als herausragender Abnehmer.
Abseitslinie auf der Rasierklinge: Flicks radikales Pressing
Dass Barça so dominant auftritt, liegt auch an der Arbeit gegen den Ball. Viel aggressiver als in den Vorjahren laufen sie die Gegner an, oftmals im Vollsprint. Damit die Abstände nicht zu groß werden, sieht man die Viererkette des spanischen Tabellenführers fast permanent auf Höhe der Mittellinie stehen.
Was auf den ersten Blick wie ein Spiel mit dem Feuer aussieht, bietet in der Praxis schlichtweg mehr Chancen als Risiken. Weil Barça durch das aggressive Anlaufen so viel Druck auf den Ballführenden ausübt, kann dieser nicht in Ruhe die Situation überblicken und dann noch technisch sauber einen langen Pass perfekt in den Lauf eines Stürmers schlagen. Meist bleibt nur die Zeit für einen Rückpass oder einen eher unkontrollierten langen Ball.
Wenn es die Kameraeinstellung zulässt, lohnt sich für den TV-Zuschauer durchaus mal ein Blick auf die Körperhaltung der Barça-Verteidiger: Sie stehen permanent seitlich und beobachten den Ballführenden. Holt dieser aus, setzen sie sich schon einige Schritte nach hinten ab und können Tempo für ein mögliches Laufduell aufnehmen.
Rutscht dann doch einmal ein perfekter Pass durch, kann es durchaus mal passieren, dass der Gegner allein aufs Tor zulaufen darf - insgesamt gewinnt der FC Barcelona durch sein hohes Pressing aber mehr Bälle als dass es Chancen für den Gegner gibt, ein Torverhältnis von 89:33 lügt nicht.
Eurosport-Check: Natürlich schmerzt der Ausfall von Robert Lewandowski enorm, dennoch bleibt Barcelona unter Hansi Flick zurecht auf Titelkurs. Das aggressive Pressing setzt den Gegner ebenso unter Druck wie das flexible und sichere Mittelfeldspiel. Weil sie sich dabei nicht am Ballbesitz ergötzen und im Tiki-Taka-Land verirren, sondern zielstrebig ihre Dribbler auf den Flügeln freispielen, läuft es richtig gut für die Katalanen. Wenn andere Spieler die Verwertungskünste Lewandowskis kompensieren, ist für diesen FC Barcelona das Triple drin. Den ersten Schritt zu diesem Traum muss das Flick-Team nun gegen den königlichen Erzrivalen aus Madrid machen.
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