Titelfrust bei Real Madrid: Kylian Mbappé nur eines von vielen Problemen - kommt José Mourinho als Heilsbringer?
VonNiklas Bien
Update 11/05/2026 um 16:24 GMT+2 Uhr
Die Titeljagd von Real Madrid ist seit der 0:2-Niederlage gegen den FC Barcelona beendet. Eine zweite titellose Saison in Serie ist für die Königlichen ein Debakel, das Klima in der Kabine längst vergiftet. Die Kompetenzen von Trainer Álvaro Arbeloa sind mittlerweile eher im pädagogischen als im sportlichen Bereich gefordert – und dann stand plötzlich der verletzte Kylian Mbappé im Mittelpunkt.
Flick emotional nach Todesfall und Meistertitel: "Barça wie eine Familie"
Quelle: Perform
"Hala Madrid" ließ Kylian Mbappé auf seinem Instagram-Account mit rund 130 Millionen Followern am Sonntagabend verlauten und versah den traditionellen Ausruf mit einem weißen Herz.
Der angeschlagene Franzose verfolgte den El Clásico seiner Teamkollegen gegen den FC Barcelona und teilte ein Bild seines Fernsehers.
Das Problem: Real Madrid lag zu diesem Zeitpunkt bereits mit 0:2 hinten, der Post des Starstürmers ließ entsprechend Raum für Interpretation.
Für den bekannten "AS"-Journalisten und bekennenden Real-Anhänger Tomás Roncero war die Lage klar. "Kylian nimmt uns alle auf den Arm...", schrieb der Journalist auf "X".
Eine Tormaschine auf Abwegen
Dass ein einfacher Post von Mbappé zum Gesprächsthema wird, passt in das desaströse Bild, das der 36-fache spanische Meister in der Endphase dieser Spielzeit abgibt.
Seit gestern steht fest, was sich seit Monaten angebahnt hat: Die Königlichen bleiben im zweiten Jahr in Serie ohne großen Titelgewinn. Der FC Barcelona feierte vor den Augen des größten Rivalen derweil seine zweite Meisterschaft in Folge.

Kylian Mbappé postete am Sonntag diese Instagram-Story
Fotocredit: Getty Images
Mit seiner Abwesenheit nahm sich Mbappé zumindest sportlich für einen Moment aus der Schusslinie. Denn trotz seiner überragenden Torquote – in der laufenden Saison traf er 41 Mal in 41 Pflichtspielen – fällt der 27-Jährige zu häufig mit defensiver Arbeitsverweigerung auf.
Eine Petition, die den sofortigen Verkauf des Franzosen fordert, steht mit Stand von Montagmittag bei über 73 Millionen digitalen Unterschriften.
Mbappé ist nur eines von vielen Problemen
Es passt zum Narrativ, dass Paris Saint-Germain seit dem Abschied von Mbappé die Möglichkeit hat, zweimal in Folge die Champions League zu gewinnen und Seriensieger Real kurz vor der Ankunft des Franzosen seinen letzten Triumph in der Königsklasse gefeiert hat. Dennoch ist es natürlich viel zu eindimensional, den Misserfolg des Hauptstadtklubs nur am Angreifer festzumachen.
"Mbappé trägt einen Teil der Verantwortung, weil er sich nicht immer in das Kollektiv einfügt, vor allem was die defensive Arbeit angeht", sagt Fußball-Experte Martin Mosnier von Eurosport Frankreich.
"Doch man sollte nicht alles auf seine Schultern abwälzen. Im Gegensatz zu Vinicius oder Bellingham trägt er die Mannschaft, schießt viele Tore und ohne ihn wäre das Viertelfinale gegen Bayern noch schlechter ausgegangen", betonte Mosnier.
Zuletzt machte die einstige Titelmaschine vor allem mit internen Auseinandersetzungen von sich reden. Die vermeintliche Kabinenprügelei von Aurélien Tchouaméni und Federico Valverde, der in deren Folge mit einer Kopfverletzung ausfällt, setzte dem Schauspiel die Krone auf.
Arbeloa ist schon lange kein Fußballtrainer mehr
Trainer Álvaro Arbeloa störte sich vor dem Clásico vor allem daran, dass die Auseinandersetzung die Runde machte, verurteilte die Weitergabe der Informationen als "Verrat an Real Madrid".
Das Eigengewächs an der Seitenlinie kann einem mittlerweile leidtun. Arbeloa - von Beruf eigentlich Fußballtrainer - hat im Grunde nur noch die Rollen als Moderator, Streitschlichter und Schutzschild inne. Um das reine Fußballspiel geht es in der spanischen Hauptstadt schon lange nicht mehr.

Alvaro Arbeloa ist seit Januar Cheftrainer von Real Madrid
Fotocredit: Getty Images
Die Amtszeit des 43-Jährigen startete ab Januar vielversprechend. Knappe fünf Monate reichten, um die zahlreichen Störgeräusche unüberhörbar werden zu lassen. Die Frage ist nicht, ob Arbeloa nach der Saison gehen muss, sondern nur noch, wer auf ihn folgen wird.
Notgedrungen kündigte der Spanier am Sonntagabend mit Blick auf seine Zukunft an, dass es "Gespräche geben" werde. Eine andere Aussage des Cheftrainers ließ deutlich tiefer blicken.
Arbeloas vielsagende Nicht-Analyse
"Es steht mir nicht zu, das zu analysieren", sagte Arbeloa zu möglichen Verbesserungsansätzen für die Zukunft, nur um kurz darauf doch in die Analyse zu gehen: "Wir müssen als Kollektiv einen Schritt nach vorne machen, brauchen eine viel klarere Idee, was wir machen wollen, und müssen das Kollektiv über das Individuum stellen."
Ein Kollektiv, ein Wir-Gefühl scheint es in Madrid derzeit nicht zu geben. Schon zu Zeiten von Xabi Alonso, so berichteten unter anderem die "Marca" und "El Mundo", sei die Mannschaft in Lager aufgespalten gewesen. Das Anti-Alonso-Lager sei demnach sogar so weit gegangen, dass einige Akteure bei der Ansprache so getan hätten, als würden sie schlafen. Im königlichen Starensemble scheint selbst eine Respektsperson wie Alonso nicht vor Provokationen dieser Art gefeit.
Klub-Boss Florentino Peréz ist inmitten des Debakels seit seiner harschen Kritik nach dem Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League beinahe ungewohnt still. Womöglich arbeitet der 79-Jährige im Hintergrund längst an einer Umstrukturierung.
In diesem Zuge machte der Name José Mourinho die Runde - ein zweites Engagement des Portugiesen in Madrid scheint immer heißer zu werden.
Khedira spricht sich für Mourinho aus
Das Charisma und die Erfahrung im Umgang mit launischen Superstars könnten genau das sein, was Real in seiner aktuellen Phase braucht.
"Er ist nicht der Kandidat, bei dem die Real-Fans 'Hurra' schreien werden. Aber er hat auf der ganz großen Bühne trainiert. Er hat Autorität und die nötige Erfahrung, mit Stars umzugehen. Zudem hat er junge Trainer in seinem Staff und kann auch mit jungen Spielern gut umgehen", sagte Sami Khedira am Sonntag bei "DAZN".

Sami Khedira und José Mourinho kennen sich aus der gemeinsamen Zeit bei Real Madrid
Fotocredit: Getty Images
Khedira spielte insgesamt 126 Mal unter "The Special One", kennt und schätzt den Ansatz des Portugiesen. "Meine Liebe für Mourinho ist bekannt und ich würde mich freuen, wenn er nach vielen Jahren wieder in die Hauptstadt Spaniens zurückkehren würde", so der Weltmeister von 2014 weiter.
Klar ist aber auch: Die Probleme zwischenmenschlicher Natur dürften sich mit einem einfachen Trainerwechsel nicht in Luft auflösen. Zumal es logischerweise auch Baustellen auf dem Platz gibt. Die Ruhe und Stabilität aus dem Mittelfeld, die Real in seinen besten Jahren auszeichnete, ist abhandengekommen.
Arbeloa hat einen letzten Auftrag
Hochkarätiges Personal für die Zentrale ist in Person von Tchouaméni, Eduardo Camavinga und dem 18-jährigen Eigengewächs Thiago Pitarch schon da. Die große Aufgabe des neuen Trainers wird es sein, ein Umfeld zu schaffen, das Spielern wie Pitarch die nächsten Schritte erlaubt.
In den letzten drei Spielen der laufenden Saison geht es für Arbeloa im Grunde nur noch um eins: Schadensbegrenzung.
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Quelle: Perform
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