Xavi Simons: Mega-Talent kommt bei PSG nicht zum Zug - kann Jürgen Klopp dem Instagram-Star helfen?
VonThomas Gaber
Publiziert 14/11/2021 um 11:19 GMT+1 Uhr
Der Nachwuchs bei Paris Saint-Germain hat es nicht leicht. In der Profi-Mannschaft wimmelt es von Superstars und der Erfolgsdruck auf den Trainer ist nirgendwo so groß wie in Paris. Dabei hat PSG in Xavi Simons einen Spieler, dem früh die Weichen gestellt wurden für eine Weltkarriere. Doch der Niederländer tritt seit zwei Jahren auf der Stelle. Ist Simons nur am falschen Ort oder gar nicht so gut?
Xavi Simons spielt seit 2019 für Paris Saint-Germain
Fotocredit: Getty Images
Samstag vor einer Woche hat Xavi Simons mal wieder PlayStation gespielt. Für einen Platz im Kader von Paris Saint-Germain hat es für den 18-Jährigen nämlich erneut nicht gereicht. Und die jungen Spieler, die sich im Dunstkreis von Lionel Messi, Kylian Mbappé und Neymar tummeln, von Trainer Mauricio Pochettino aber nicht berücksichtigt werden, zocken eben, während PSG Fußballspiele absolviert. So schätzt zumindest Pochettino die Lage ein.
"Wir haben 35 Profis, da ist es für die Jungen nicht einfach, hier einen Platz zu bekommen. Es ist natürlich nicht optimal, wenn ein Talent unter der Woche mit dem Team trainiert und am Wochenende dann nur zuhause Playstation spielt", antwortete der Argentinier kürzlich auf die Frage, warum der scheinbar so hochtalentierte Nachwuchs keine Chance in der ersten Mannschaft bekommt.
Einer von ihnen ist Xavi Simons. Der Niederländer, der zusätzlich den spanischen Pass besitzt, wurde zehn Jahre in La Masia ausgebildet, immer noch als heiliger Ort für Fußballtalente verschrien, wenngleich die Ausbeute in den letzten Jahren überschaubar war.
Xavi, Messi, Andres Iniesta, Sergio Busquets - es gibt eben nicht in jeder Generation Überflieger, die später auch den Profibereich aufmischen.
Xavi Simons weit entfernt von der Profi-Mannschaft von PSG
Simons war mal wieder einer, der es schaffen könne, davon waren die Jugendausbilder bei Barça überzeugt. Umso unverständlicher wurde im Umfeld des FC Barcelona 2019 der Abschied des Mega-Talents aufgenommen. Simons wechselte zu PSG, angeblich hatten die Pariser Barças Gehaltsangebot um ein Vielfaches überboten. Böse Zungen behaupten zudem, dass Simons Berater Mino Raiola eine Sonderbehandlung seines Klienten gefordert hatte, die der Klub aber empört verweigerte.
Knapp zweieinhalb Jahre später ist Simons immer noch ein Talent. Oder anders gesagt: Es wäre mal an der Zeit für den Durchbruch, zumindest für die ersten Schritte dorthin. Davon ist Simons aber derzeit weit entfernt. Er schießt zwar in der Youth League alles kurz und klein (drei Tore, vier Assists in vier Spielen) und wirbelt auch in der U19 der Niederländer. In der ersten Mannschaft von PSG hat Simons in der letzten und laufenden Saison zusammengerechnet aber nur genau 60 Sekunden gespielt.
Meistens steht er nicht mal in Pochettinos Kader, so war es auch im letzten Ligaspiel der Pariser bei Girondins Bordeaux (3:2). "Sie sind 17, 18, 19 Jahre alt. Sie sind talentiert müssen spielen. Es ist schade, dass diese Möglichkeit bei uns zurzeit nicht existiert, dass sie ihre Qualitäten nicht zeigen können. Sie müssen sich gedulden“, sagte Pochettino.
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Xavi Simons (PSG) im Youth-League-Spiel gegen RB Leipzig
Fotocredit: Getty Images
Pochettino muss die Champions League gewinnen
Wie kaum ein anderer Trainer in Europa ist Pochettino zum Erfolg verdammt. Im Scheich-Klub zählt nur der Gewinn der Champions League, wer den Henkelpott nicht an die Seine bringt, kann gleich wieder das Weite suchen.
Pochettino hat genug damit zu tun, seine mitunter launischen Superstars hinzubiegen, dass sie gemeinsam Spiele gewinnen. Er muss Trophäen liefern, da kann man sich es nicht erlauben, zusätzlich auch noch den Nachwuchs zu fördern.
"Wir hätten gerne die Möglichkeit, vermehrt auf die Jugend zu setzen. Auch die Fans hoffen, dass Spieler aus der Jugend, die sich mit dem Klub identifizieren, den Durchbruch schaffen. Dass es zurzeit nicht so ist, liegt nicht nur an den jungen Spielern, sondern auch an den Strukturen", erklärte Pochettino.
Simons: Instagram-Star mit eigenem Logo
Ist Simons folglich nur im falschen Klub oder hat er es vielleicht doch nicht drauf? Das Spiel in Bordeaux kommt der Antwort auf diese Frage näher. Während Simons wie auch Edouard Michut außen vor blieb, standen Ismael Gharbi (17) und Junior Dina Ebimbe (20) im Kader, beide wie Simons im zentralen Mittelfeld zuhause. Und für Simons kommt es noch dicker: Ebimbe rutschte sogar in die Startelf und durfte 75 Minuten lang mitmachen.
Man kann es offensichtlich dann doch auch bei Paris Saint-Germain wagen, die Jungen ab und an mal reinzuwerfen, ohne dass einem gleich der Kopf abgerissen wird.
Das bringt Simons aber alles nicht weiter, der 18-Jährige tritt in Paris auf der Stelle. Dabei wurde früh alles in die Wege geleitet für eine Weltkarriere. Mit 14 der erste Sponsorenvertrag inklusive eigenem Logo mit den Initialen XS. Der FC Barcelona erkannte das Potential des Jungen auch über die Grenzen eines Fußballplatzes hinaus und baute Simons zum Social-Media-Star auf. Mittlerweile hat Simons auf Instagram 3,7 Millionen Follower.
Peter van der Veen, Simons erster Trainer bei der niederländischen U15 erinnerte sich im Gespräch mit "DAZN" an ein Spiel in Belgien. "Die Leute wollten unbedingt Xavi sehen. Nach dem Spiel warteten 300 Kinder vor dem Mannschaftsbus. Xavi brauchte Security, um durch die Menge zu kommen", so van der Veen.
Simons: Wechsel zum FC Liverpool die Lösung?
Vor allem in den Niederlanden wird sein Werdegang genau beobachtet, der Simons-Hype hat immer noch Hochkonjunktur, auch wenn es in Paris nicht nach Wunsch läuft. Als Simons im September mit drei anderen Spielern aus der U19 flog, war das Geschrei groß in der Heimat. Die Jungs hatten zwei Mädchen auf eines der Zimmer eingeladen und damit gegen die Corona-Bestimmungen verstoßen.
Weil er zwar mit Messi, Mbappé und Neymar hin und wieder trainieren, aber nicht spielen darf, sucht Raiola laut mehreren französischen Medien nach einem neuen Klub. Simons Vertrag läuft am Saisonende aus, was die Arbeit für Raiola vereinfacht. Wenn keine Ablösesumme gezahlt werden muss, wächst die Zahl der Interessenten und man kann beim Gehalt mehr rausschlagen.
Einer der Vereine, dem Interesse an Simons nachgesagt wird, ist neuerdings der FC Liverpool. Die Zeitung "Sun" schrieb, Simons sei im Visier der Reds. Ab Januar darf verhandelt werden.
Beim FC Barcelona und Paris Saint-Germain haben sie tolle Dinge gesehen von Xavi Simons, es aber nicht hinbekommen, dass sich bei ihm der Knopf öffnet. Jürgen Klopp wäre dies zweifellos zuzutrauen. Und Simons würde tagtäglich seinem Idol ganz nahe sein: Virgil van Dijk.
Vorerst würde sich Simons aber schon freuen, samstags keine Zeit mehr für PlayStation zu haben.
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Quelle: Eurosport
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