In dieser Woche hat Fabian Herbers schon wieder Geschichte geschrieben. Die Amerikaner legen auf kleine Besonderheiten wert, so gesehen hat der 27 Jahre alte Deutsche jetzt gleich zweimal Historisches vollbracht. Zunächst erzielte er für Chicago Fire den letzten Treffer im alten Stadion, in dem im vergangenen Oktober auch die Karriere von Rio-Held Bastian Schweinsteiger zu Ende gegangen war.

Am Dienstagabend nun gelang ihm das erste Tor bei der Rückkehr seines Klubs in das legendäre Soldier Field, die Arena am Ufer des Michigansees.

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Die Aufregung um sein 1:0 beim 3:0 gegen den FC Cincinnati war Herbers aber zu viel des Guten. "Auf Social Media haben sie geschrieben, dass ich Geschichte geschrieben habe", sagte er staunend, dabei war er doch einfach nur froh, "dass ich der Mannschaft helfen konnte".

Allerdings ist das Soldier Field, während der WM 1994 auch Spielort der deutschen Nationalmannschaft, ein mythischer Ort. Und nach 14 Jahren im Vorort Bridgeview und einigen Wochen in der "Blase" der Major League Soccer (MLS) in Florida war allein die Rückkehr dorthin schon geschichtsträchtig für den Klub.

Beim Doublesieger von 1998 ist Herbers eher über Umwege gelandet. Als Jugendlicher spielte er wegen der Nähe seiner Heimatstadt Ahaus zu den Niederlanden erst für Twente Enschede, dann in Münster und Rhede. Weil er glaubte, die 1. und 2. Bundesliga seien eine Nummer zu groß für ihn, nahm er nach dem Abitur ein BWL-Stipendium der Creighton University in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska an. Die Uni ist bekannt für ihr gutes Fußball-Team, und Herbers spielte so gut, dass ihn mehrere Klubs im Draft 2016 haben wollten. Gewählt wurde er von Philadelphia Union.

Herbers spielte ein Jahr gemeinsam mit Schweinsteiger

Gute Sportler, vor allem Fußballer, werden von US-Colleges mittlerweile gezielt angeworben, sie sollen den Ruhm der Universität mehren und haben dadurch zugleich die Chance auf einen Vertrag in der MLS - als Profi auf dem zweiten Bildungsweg gewissermaßen. Herbers hatte ein starkes erstes Jahr in Philadelphia, doch nach zwei folgenden schwachen schickte ihn der Klub zur Saison 2019 im Tausch für einen Draft-Pick nach Chicago. Er hat dort Schweinsteigers letztes Jahr als Profi miterlebt, "er war sicher der Größte, mit dem ich zusammengespielt habe", sagte er "11Freunde".

Auch ohne den Streik der MLS-Spieler am Mittwoch, von denen Chicago nicht betroffen war, waren die vergangenen Monate schon "ein bisschen chaotisch", berichtet Herbers. Und sie seien auch "unruhig" gewesen, beginnend mit den Aufständen in vielen Städten nach der Ermordung des Schwarzen George Floyd. Chicago, drittgrößte Stadt der USA und ohnehin ein gefährliches Pflaster, geriet Anfang August nochmal in die Schlagzeilen, als es zu Ausschreitungen und Plünderungen in der Innenstadt kam. "Ich fühle mich trotzdem ganz wohl", betont Herbers, "ich habe keine Angst oder Bedenken, auf die Straße zu gehen."

Sollte er auch besser nicht. "Ich bin immer offen dafür, nach Deutschland zurückzukehren", sagt Herbers, "aber darüber mache ich mir erst mal keine Gedanken." Oder besser: keine Gedanken mehr. In der vergangenen Woche hat er bei Fire, das seit diesem Jahr vom ehemaligen Bundesliga- und Schweizer Nationalspieler Raphael Wicky trainiert wird, einen Vertrag über drei Jahre unterschrieben.

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(SID)

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