FC Bayern: Hernández droht weiterhin die Bank - geht das gut?

"Offense wins Games, Defense wins Championships" lautete das Motto des FC Bayern auf dem Weg zum Henkelpott. Immerhin erwies sich die Abwehr um David Alaba und Jérôme Boateng mit nur zwei Gegentreffern in Lissabon als regelrechtes Bollwerk. Zum Leidwesen von Lucas Hernández, der unter Hansi Flick weiter außen vor ist. Doch wie lange findet sich der Rekordtransfer mit seinem Reservistendasein ab?

Fotocredit: Getty Images

Für einen kurzen Augenblick waren die Rückschläge der vergangenen Wochen und Monate komplett vergessen.
Lucas Hernández feierte nach dem Endspielerfolg in der Champions League gegen Paris Saint-Germain (1:0) ausgelassen auf dem konfettibedeckten Rasen des Estádio da Luz und war für wirklich jeden Spaß zu haben.
Die Bilder, auf denen er tanzend mit dem Henkelpott auf dem Kopf abgelichtet wurde, waren bereits tags darauf der Hit in den sozialen Netzwerken.

FC Bayern: Alaba und Boateng klar gesetzt

Der Triumph beim Finalturnier in Lissabon wirkte für Hernández fast wie eine Erlösung, auch wenn der Rekordtransfer des FC Bayern (85 Millionen Euro) dazu nur wenig beitragen konnte. Sechs Minuten (beim historischen 8:2 gegen den FC Barcelona) um genau zu sein.
Fast sinnbildlich für eine verkorkste Debüt-Saison in München schmorte der Defensiv-Allrounder danach gegen Lyon und PSG über die komplette Spielzeit auf der Bank.
Der 24-Jährige bestritt in der abgelaufenen Spielzeit auch aufgrund eines Innenbandanrisses im Sprunggelenk, der ihn gleich für mehrere Monate außer Gefecht setzte, lediglich 25 Pflichtspiele (zwei Vorlagen). Unter Hansi Flick durfte Hernández sogar nur viermal von Beginn an ran.
Dies lag nicht zuletzt auch am äußerst zuverlässigen Innenverteidiger-Duo David Alaba und Jérôme Boateng, das sich zum Saisonhöhepunkt als regelrechtes Bollwerk (nur zwei Gegentore während des CL-Finalturniers) erwies.
"Es ist zwar eine Momentaufnahme. Aber klar ist auch, dass beide das Vertrauen mehr als gerechtfertigt haben", konstatierte Flick kürzlich bei "Sport1" und betonte im Hinblick auf die Rekordablöse von Hernández: "Beim FC Bayern hat die Leistung immer oberste Priorität."

Hernández' Zukunft hängt von Alaba-Verbleib ab

Die stimmte zuletzt jedoch insbesondere bei seinen direkten Konkurrenten. Auch Niklas Süle, der nach langer Verletzungspause (Kreuzbandriss) erst im Achtelfinal-Rückspiel der Königsklasse gegen den FC Chelsea (4:1) sein Comeback gab, sprang im Endspiel gegen PSG nach einer knappen halben Stunde für den angeschlagenen Boateng in die Bresche und erledigte seine Aufgabe ohne Fehl und Tadel.
Zum Leidwesen des französischen Weltmeisters, der beim Rekordmeister weiterhin nur die zweite Geige spielt. Daran wird sich dem Vernehmen nach so schnell auch nichts ändern.
Da sich das Experiment mit zwei Linksfüßen in der Innenverteidigung (Hernández und Alaba) in der vergangenen Spielzeit nicht bewährt hatte, müsste der unumstrittene Abwehrchef Alaba wohl den Verein verlassen, damit Hernández über den Status des Backups hinauskäme.
Allerdings stehen die Zeichen beim Österreicher nach den jüngsten Entwicklungen klar in Richtung Verbleib.
"Wir haben in Portugal nochmal ein Gespräch mit seinem Berater gehabt. Das Gespräch war grundsätzlich gut. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass David den FC Bayern verlassen will", erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bei "Bild live".

FC Bayern: Hernández droht erneut die Bank

Auch der Ex-Bayern-Stürmer Sandro Wagner stellte im Vorfeld des Champions-League-Endspiels im "ZDF" klar, welchen Stellenwert der 28-Jährige innerhalb des Teams hat: "Alaba ist der Chef in der Kabine. Wenn er in der Kabine etwas sagt, hören die anderen zu", so der ehemalige Nationalspieler.
Wohin also mit dem teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte?
Auf der Linksverteidigerposition, die Hernández sowohl bei Atlético Madrid als auch bei Frankreichs WM-Erfolg 2018 größtenteils bekleidete, ist Alphonso Davies, die Entdeckung der Saison, mittlerweile längst gesetzt.
Somit droht der 85-Millionen-Euro-Mann auch zum Start der kommenden Saison zunächst der ungeliebte Platz auf der Bank. Der Weltmeister ist mit 24 Jahren jedoch zu jung und schlichtweg zu talentiert, um bei einem Topklub dauerhaft nur Reservist zu sein.

Rummenigge: "Brauchen viele starke Alternativen"

Bliebe somit noch die Option Wechsel.
Jenen Gedankenspielen schob Rummenigge vor wenigen Wochen aber einen klaren Riegel vor: "Man braucht auch Geduld. Der Junge hatte großes Verletzungspech in dieser Saison, das hat ihn lange außer Gefecht gesetzt. Wir sind überzeugt von Hernández. Und in der kommenden Saison brauchen wir viele starke Alternativen."
Ob sich der Ex-Madrilene auf Dauer jedoch auch nur als Alternative sieht, darf ernsthaft bezweifelt werden.
Auch wenn etwaige Überlegungen nach dem zweiten Triple der Vereinsgeschichte (2013, 2020) verständlicherweise vollständig in den Feierlichkeiten untergingen, werden sich die Kluboberen schon sehr bald erneut mit der Personalie Hernández auseinandersetzen müssen.
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