Wenn große Trainer den Verein wechseln, bringen sie nicht selten einen ganzen Stab an Vertrauten mit. Als engster Verbündeter gilt in der Regel der Co-Trainer. Ottmar Hitzfeld und Michael Henke, Joachim Löw und Hansi Flick, Niko und Robert Kovac – die Liste unzertrennlicher Trainerpaare ist lang, zu ihnen gehörten einst auch Jürgen Klopp und sein schüchterner bosnischer Kompagnon Zeljko Buvac.

17 Jahre hatten Klopp und Buvac zusammen an den Seitenlinien der europäischen Fußballstadien gearbeitet. Erst in Mainz (2001-2008), dann in Dortmund (2008-2015) und schließlich in Liverpool. Dort jedoch endete die gemeinsame Zeit vor fast zwei Jahren. Die Gründe sind bis heute schleierhaft. Der renommierte Journalist Raphael Honigstein schreibt in seiner Biographie des deutschen Erfolgstrainers ("Ich mag, wenn's kracht": Jürgen Klopp – die Biographie), dass sich das Duo aus Eifersuchtsgründen getrennt habe.

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Im Wortlaut: "Buvac machte den Eindruck, als ob er mit dem zunehmenden Einfluss des vierten Assistenzcoaches Pepijn Lijnders nicht glücklich gewesen wäre. Der lockere, aufgeweckte Holländer war bei den Spielern sehr beliebt gewesen. Das Verhältnis zwischen Buvac und Klopp hatte sich überlebt, beide konnten einfach nicht mehr gemeinsam arbeiten."

Jürgen Klopp und sein langjähriger Assistent Zeljko Buvac

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Aktuell arbeitet Buvac als Sportdirektor beim russischen Erstligisten Dinamo Moskau, Klopp hingegen formte ein neues Team um sich herum, mit dem er aktuell erfolgreicher denn je ist.

Doch wer sind die Co- und Athletiktrainer, die Ernährungs- und Fitnessexperten im Hintergrund, die nicht nur erheblichen Anteil am Erfolg der Gegenwart haben, sondern den Weg bereiten, für die Trophäen von morgen und übermorgen?

Peter Krawietz (48, Co-Trainer)

Peter Krawietz folgte Jürgen Klopp im Oktober 2015 nach Liverpool, um die Rolle des Co-Trainers im Verein zu übernehmen. Klopp und Krawietz arbeiteten schon in Mainz zusammen, wo der 48-Jährige als Chef-Scout fungierte. Auch in Dortmund gehörte er zum Trainerteam unter Klopps Leitung und trug durch die enge Zusammenarbeit mit den Videoanalysten zu den großen Erfolgen des Klubs zwischen 2010 und 2013 bei. Seine Scouting- und Analyse-Expertise brachte ihm von seinem Chef den Spitznamen "The Eye" (Das Auge) ein.

Jürgen Klopp, Peter Krawietz, Pepijn Lijnders und John Achtenberg

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Linksverteidiger Andy Robertson beschreibt Krawietz' Arbeit in einem Interview mit "The Athletic" so:

Peter leitet die Teambesprechungen und führt uns mit der Videoanalyse durch alles. Großen Dank an ihn und das ganze Analyseteam. Wenn wir Tore schießen, die auf diese Analyse zurückzuführen sind, fühlt es sich gut an, weil wir sie so in ihrer Arbeit bestätigen.

Auch Klopp selbst macht keinen Hehl aus dem hohen Stellenwert seines Co-Trainers für den Verein: "Er ist so smart, so einfühlsam, so wichtig für uns."

Pepijn Lijnders (37, Co-Trainer)

Der einstige U16-Trainer wurde im Sommer 2015 von Klopp ins Profi-Team beordert, wo er die neugeschaffene Position des Trainers für die Entwicklung der ersten Mannschaft bekleidete. Die Position beinhaltete es, die eigene Nachwuchsakademie in Melwood mit dem Profiteam zu verknüpfen.

Seit Sommer 2018 gehört diese Position allerdings Vitor Matos, der auch den Umzug der Akademie aus Melwood nach Kirkby leiten soll, damit der Nachwuchs zukünftig noch näher mit den Profis zusammenarbeiten kann. Lijnders wurde zum Co-Trainer Klopps und Nachfolger Buvacs befördert und gilt mittlerweile als echte Schlüsselfigur im Trainerstab.

Pepijn Lijnders und Jürgen Klopp (re.)

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Der 37-Jährige weist trotz seines relativ jungen Alters einen enormen Erfahrungsschatz auf. Nach fünf Jahren als Techniktrainer bei PSV Eindhoven, wechselte er für weitere sieben Jahre zum FC Porto. Erst bei der U19 (2008-2012), dann bei der zweiten Mannschaft (2012-2013) und schließlich bei den Profis (2013-2014).

Nach einem kurzen Intermezzo als Trainer des NEC Nijmegen von Januar bis Mai 2018, wechselte er schließlich zurück zu den Reds.

Klopp beschreibt Lijnders kurz und knapp so:

Was der Typ nicht über Fußball weiß, muss man nicht wissen.

Mona Nemmer (35, Ernährungsexpertin)

Einst von Pep Guardiola beim FC Bayern als Ernährungsexpertin eingestellt, wechselte Mona Nemmer 2016 in gleicher Funktion zum FC Liverpool. Zuvor arbeitete sie vier Jahre als Köchin und Ernährungsberaterin für die deutsche U21-Nationalmannschaft.

Hier in Melwood kümmere ich mich um die Köche, die Produktqualität der Nahrungsmittel und darum, was auf die Speisekarte kommt. Dabei kommt es darauf an, ob es sich um einen Tag vor einem Spiel oder den Spieltag selbst handelt. Auch, was wir im Bus nach dem Spiel servieren, gehört zu meinen Aufgaben. Zusätzlich geht es darum, wann etwas gegessen wird und was die letzte Mahlzeit vor einem Match ist.

Ein wichtiger Teil von Nemmers Arbeit besteht in Einzelgesprächen mit den Spielern. Zudem führt sie Kochkurse durch, um sicherzustellen, dass sich die Spieler auch außerhalb des Trainingskomplexes auf höchstem Niveau ernähren.

Mona Nemmer (Ernährngsberaterin beim FC Liverpool)

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"Manche Spieler kochen gerne für sich selbst, andere nehmen gerne einen eingepackten Beutel mit, aber hier reagieren wir individuell. Wenn ein Spieler eine Kochstunde haben möchte, helfen wir ihm mit allem, was er braucht."

Andreas Kornmayer (45, Fitness-Trainer)

Nach mehr als 15 Jahren als Fitness-Trainer beim FC Bayern München wechselte der 45-Jährige 2016 an die Merseyside. In seiner Heimatstadt München arbeitete er unter Trainergrößen wie Louis van Gaal, Jupp Heynckes oder Pep Guardiola. Klopp war schon länger großer Bewunderer Kornmayers und holte ihn schließlich zum LFC.

Kornmayer arbeitet ausschließlich auf dem Trainingsgelände in Melwood in enger Zusammenarbeit mit Klopp, Krawietz und Lijnders sowie Torwarttrainer John Achterberg. Er ist eine tragende Säule der Spieltagsvorbereitung, immer bedacht darauf, das Team so fit wie möglich auf den Rasen zu schicken.

Mohamed Salah und Andreas Kornmayer (re.)

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Kornmayer selbst erklärt:

Ich versuche, alles in Bewegung zu setzen, damit allen im Team (Trainer, Co-Trainern, Spieler, Anm. d. Red.) klar ist, was sie zu tun haben. Wir haben mehrere Verbindungspunkte mit jeder Abteilung und müssen schauen, dass alles vernünftig zusammenläuft, um das Beste aus dem Kader herauszuholen.

Dave Moss (67, Chef-Scout der Liverpool Academy)

17 Jahre spielte Moss aktiv Fußball in England, zudem verbrachte er viele Jahre in Trainerstäben (Oxford United, Manchester City, Huddersfield, Stockport, Chester, Northwich Victoria) und als Manager von Macclesfield Town. In gesetztem Alter fungiert er nun als Chef-Scout der Liverpool Academy und sichert so in gewisser Weise den Nachschub an Trent Alexander-Arnolds und Rhian Brewsters.

David Moss (Leiter der Liverpool Academy)

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"Wir haben ein umfangreiches Scouting-Netzwerk beim LFC", erklärt Moss auf der vereinseigenen Homepage.

Meine Aufgabe ist es, eng mit Dan Hargreaves (Head of recruitment; Anm. d. Red.) und den anderen Scouts zusammenzuarbeiten, um die wichtigsten Transfer-Ziele zu identifizieren und zu verpflichten.

Durch den Umzug der Academy im Sommer 2020 von Melwood nach Kirkby (beides Vororte von Liverpool) soll die Durchlässigkeit der eigenen Jugend in den Profikader noch einmal erhöht werden. Moss spielt dabei als Verantwortlicher des Nachwuchses eine Hauptrolle.

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