Pep Guardiola hatte bereits eine Vorahnung.

"Dieser Titel ist immer für Liverpool reserviert", klagte er schon im Vorfeld der Verleihung zum Spieler der Saison im Interview mit der "BBC" und führte aus: "Als wir (2017/18, Anm. d. Red.) die Premier League gewonnen haben, hat ein Spieler von Liverpool gewonnen (Mohamed Salah, Anm. d. Red.). Jetzt, wo sie die Premier League gewonnen haben, bin ich mir ziemlich sicher, dass sie die Auszeichnung Spieler der Saison erneut gewinnen werden."

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In der Tat sollte sich die Prophezeiung des Startrainers von Manchester City bewahrheiten: Reds-Kapitän Jordan Henderson wurde am Freitag von der britischen Fußballpresse (Football Writers' Association; FWA) mit deutlicher Mehrheit vor City-Star Kevin De Bruyne zum Spieler der Saison gekürt.

Eine, vorsichtig formuliert, durchaus gewagte Entscheidung der Jury-Mitglieder. Immerhin hat De Bruyne an den vergangenen 37 Spieltagen einmal mehr eindrucksvoll bewiesen, dass er ohne Frage zu den besten Mittelfeldspielern des Planeten gehört.

Kevin De Bruyne

Fotocredit: Getty Images

De Bruyne seit dem Restart in Top-Form

Der Belgier avancierte nicht nur zum Herzstück der besten Offensive der Premier League (97 Tore), sondern glänzte darüber hinaus mit gnadenloser Effektivität. In Zahlen ausgedrückt: Elf Treffer und herausragende 19 Vorlagen konnte er in 34 Partien auf seinem Scorer-Konto verbuchen.

Die Befürchtungen, dass De Bruyne durch die Corona-Pause ausgebremst werden könnte, bestätigten sich nicht. Im Gegenteil: Der Blondschopf befindet sich seit dem Restart in bestechender Form (drei Tore, drei Assists), was der FC Liverpool bei der 0:4-Klatsche im Etihad Stadium schmerzhaft am eigenen Leib erfahren musste.

"Ich denke, seine Leistungen sprechen für sich selbst, wie wichtig er für unsere Mannschaft und die gesamte Premier League ist. Es ist nicht notwendig zu erklären, wie wichtig er ist und was für ein fantastischer Spieler er ist", schwärmte Guardiola in den höchsten Tönen von seinem Schützling und betonte: "Es sind nicht nur die Zahlen, die er in dieser Saison aufgelegt hat. Vor allem die Art und Weise, wie er gespielt hat, war unglaublich."

De Bruyne bleibt Anerkennung erneut verwehrt

Tragischerweise ist es für den ehemaligen Wolfsburger jedoch kein neues Phänomen, dass er bei der Verleihung individueller Auszeichnungen gänzlich leer ausgeht.

Obwohl De Bruyne mit Ausnahme der Vorsaison, in der er aufgrund zahlreicher Verletzungen einen Großteil der Spiele (19) verpasste - mit Raheem Sterling erhielt dann doch auch mal ein ManCity-Spieler die Auszeichnung "Englands Fußballer des Jahres" -, und seit Jahren Leistungen auf allerhöchstem Niveau abliefert, erhielt er in seiner bisherigen Laufbahn nie die Anerkennung, die er eigentlich verdient hätte.

So auch am Ende dieser Spielzeit, was der ehemalige englische Nationalspieler Paul Parker exklusiv bei Eurosport scharf kritisierte. "Letztlich kann es Henderson fußballtechnisch nicht mit De Bruyne aufnehmen. Wenn die Leute jemandem den Titel geben wollen, weil er ein guter Anführer ist, dann ist Henderson die richtige Wahl. Das Spiel handelt jedoch von Fußballern und De Bruyne ist ein herausragender Fußballer", konstatierte der 56-Jährige.

Raheem Sterling (l.) und Kevin De Bruyne (r.)

Fotocredit: Getty Images

Im Schatten der Liverpooler Fabelsaison ist der 29-Jährige nicht nur drauf und dran, sich zum Topscorer der Liga zu krönen (30 Scorerpunkte), sondern auch den Assist-Rekord von Thierry Henry zu brechen.

De Bruyne jagt Henrys Bestmarke

Die Arsenal-Ikone hatte in der gesamten Spielzeit 2002/03 lediglich einen Treffer mehr vorbereitet (20), als der Taktgeber der Citizens zum jetzigen Zeitpunkt. Am letzten Spieltag gegen Absteiger Norwich City (Sonntag, 17:00 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) könnte sich De Bruyne als kleinen Trost damit immerhin einen Platz in den Geschichtsbüchern sichern.

"Er genießt es, Tore vorzubereiten. Anstatt eine Million Treffer selbst zu erzielen, würde er sie lieber vorbereiten. Trotzdem ist er in dieser Saison zu etlichen Elfmetern und Freistößen angetreten und hat damit auch Verantwortung übernommen - das ist das Wichtigste für mich", erklärte Guardiola.

Obwohl es in der Liga letztlich nur zur Vize-Meisterschaft reichte, hat City mit dem Finalturnier der Champions League in Lissabon noch eine weitere reelle Titelchance und De Bruyne damit die Gelegenheit, mit dem Gewinn des Henkelpotts endgültig in den Kreis der Superstars einzudringen.

Somit sollte es in naher Zukunft dann auch endlich mit einem individuellen Titel klappen.

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