Tottenham Hotspur: Ist der Effekt von José Mourinho schon verpufft?
Nach anfänglicher Euphorie ist bei Tottenham Hotspur und José Mourinho Katerstimmung eingekehrt. Im FA Cup kamen die Spurs bei Zweitligist FC Middlesbrough nicht über ein 1:1 hinaus, in der Liga hinkt man den Erwartungen weiter hinterher. Tottenham hat "The Special One" für Titel geholt, doch bereits nach anderthalb Monaten tun sich Fragezeichen auf. Ist der Mourinho-Effekt schon verpufft?
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Demütig und geläutert. "The Humble One" statt "The Special One".
Genau so hatte sich José Mourinho Ende November als neuer Coach der Tottenham Hotspur präsentiert. Der vielleicht größte Egomane im Weltfußball plötzlich charmant und selbstkritisch?
Man musste kein Prophet sein, um vorherzusehen, dass der Portugiese diese Fassade nicht ewig aufrecht erhalten kann. Mourinho wird immer "special" bleiben. Das hat er spätestens Anfang Januar wieder unter Beweis gestellt.
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26/07/2025 um 21:12 Uhr
Bei der 0:1-Niederlage in Southampton linste er auf den Taktik-Zettel von Ralph Hasenhüttls Assistenz-Coach, seinen Spieler Tanguy Ndombele ließ er in einer Pressekonferenz auflaufen wie einst Giovanni Trapattoni den immer verletzten Thomas Strunz und nach dem enttäuschenden 1:1 im FA Cup bei Zweitligist FC Middlesbrough musste tatsächlich der "zu leichte Ball" als Ausrede herhalten.
Wie in besten Zeiten lenkt Mourinho aktuell vom Geschehen auf dem Rasen ab. Kein Wunder, denn dort läuft es für Tottenham nach vielversprechendem Start unter dem neuen Coach überhaupt nicht.
Katerstimmung bei Tottenham
Wettbewerbsübergreifend konnten die Spurs nur eines der vergangenen fünf Spiele gewinnen. Besonders gegen auf dem Papier schwächere Gegner sah die Mourinho-Elf zuletzt alles andere als gut aus. In der Tabelle liegt man bereits sechs Punkte hinter dem Vierplatzierten FC Chelsea.
Dass Tottenham unter dem zweimaligen Champions-League-Sieger keinen offensiven Hurra-Fußball spielen würde, davon mussten die Verantwortlichen in Nord-London ausgehen.
Dafür wurde der 56-Jährige auch nicht geholt. Das primäre Ziel sind Titel. Zählbare Erfolge, die sein Vorgänger und Fan-Liebling Mauricio Pochettino in seiner über fünfjährigen Amtszeit nicht feiern konnte. Und für Titel war Mourinho - unabhängig davon, ob man seine Spielweise mag oder nicht - in der Vergangenheit eben immer gut.
Ein Mourinho-Effekt, nachdem der Portugiese einen Klub übernommen hatte, war bislang immer erkennbar. Zumindest kurzfristig, für ein oder zwei Jahre.
Doch bei den Spurs scheint der Hype nach drei Siegen zu Beginn schnell wieder verflacht zu sein. Katerstimmung ist früh eingekehrt. Ist Mourinhos "Magie" bereits verflogen?
Tottenham: Defensive bereitet Mourinho Kopfzerbrechen
Fakt ist, dass "The Special One" bislang große Probleme damit hat, die Defensive der Nordlondoner zu stabilisieren. Eine Eigenschaft, die ihn bis dato bei jedem Team auszeichnete.
In den zwölf Spielen unter dem Portugiesen blieb Tottenham nur einmal ohne Gegentor. Spurs-Keeper Paulo Gazzaniga musste ganze 19 Mal hinter sich greifen. Kein Premier-League-Klub kassierte in dieser Zeitspanne wettbewerbsübergreifend mehr Gegentreffer.
"Ich weiß wie man die Defensive stabilisiert. Aber um das wirklich zu schaffen, muss ich dem Team einige Qualitäten nehmen, die wir gerne behalten würden", sagte Mourinho Ende Dezember dem englischen Online-Portal "The Athletic". Bislang trifft davon jedoch nur Zweiteres zu.
Verletzungssorgen bei den Spurs
Zusätzlich plagen die Spurs Verletzungssorgen. Torjäger Harry Kane muss nach einem Riss in der linken Oberschenkelmuskulatur operiert werden und fällt bis April aus. Damit wird der 26-Jährige auch beide Spiele im Champions-League-Achtelfinale gegen RB Leipzig verpassen.
Für England-Experte Tom Bennett von Eurosport in London der größtmögliche Verlust für Mourinhos Team:
Neben Kane wird auch Mittelfeldspieler Moussa Sissoko nach überstandener Knie-OP bis April fehlen. Ein weiteres großes Problem für den Tottenham-Coach.
Schlägt Tottenham auf dem Transfermarkt zu?
"Mourinho muss eine Lösung im Mittelfeld finden. Eric Dier und Victor Wanyama sind nicht mehr auf dem Level wie früher und Christian Eriksen will den Klub verlassen", erklärt Bennett:
Ein Wunsch, den auch Vorgänger Pochettino oft an die Verantwortlichen richtete. Erfüllt bekam er ihn selten. Zumindest nicht im Winter.
Trotz aller Probleme sollte jedoch keiner den Fehler begehen, Tottenham und Mourinho zu unterschätzen. Bennett: "Dank Mourinho spielen sie weiter in der Champions League und im FA Cup, dem ohnehin realistischsten Titel in dieser Saison."
In der Liga empfangen die Spurs am Samstag den ungeschlagenen Spitzenreiter FC Liverpool (ab 18:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de). Einen Gegner, den Mourinho in der Vergangenheit nur zu gerne ärgerte.
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