Einmal die Augen gerieben, zweimal, dreimal. Etwas verändert hat das für den englischen Fußball-Fan am Wochenende allerdings nicht, denn die verrückten Ergebnisse, die da hinter den Sonntagsspielen der Premier League standen, entsprachen tatsächlich der Realität.

Sage und schreibe sechs Gegentore musste der einstige Gigant Manchester United im glorreichen Old Trafford beim 1:6 gegen Tottenham Hotspur hinnehmen. Dass keine Zuschauer anwesend waren, kam der Elf von Ole Gunnar Solskjaer an diesem Abend sogar gelegen, der desolate Auftritt der Red Devils wäre sicher mit ohrenbetäubenden Pfiffen quittiert worden.

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"Es ist ein furchtbares Gefühl, der schlimmste Tag, den ich je als Manager und Spieler bei Manchester United hatte", sagte ein geschockter Coach im Anschluss der "BBC".

Historische Klatsche für Liverpool und Klopp

Die Red Devils wären wohl auf jeder Titelseite der englischen Gazetten am Montagmorgen zerrissen worden, hätte der FC Liverpool nicht am späten Sonntagabend noch einen draufgesetzt. 2:7 ließ sich der amtierende Meister und Champions-League-Sieger im Villa Park vom dort ansässigen Aston Villa Football Club auseinandernehmen.

Die höchste Niederlage der Reds in der Liga seit 57 Jahren und die höchste Pleite für Jürgen Klopp als Trainer. Eine beispiellose Klatsche, nach der sich der deutsche Erfolgscoach nur noch in Galgenhumor retten konnte.

"Als wir in Liverpool angefangen haben, haben wir uns gesagt, dass wir Geschichte schreiben wollen. Das hier war Geschichte - aber auf die falsche Art", sagte der 53-Jährige trocken.

Zwei absurde Ergebnisse, die einem ohnehin schon verrückten Premier-League-Start am 4. Spieltag die Krone aufsetzten.

Premier-League-Start: Wie der Wilde Westen

Es war nämlich bei Weitem nicht das erste ungewöhnliche Ergebnis der noch jungen Spielzeit. Vergangene Woche ließ sich Manchester City, Uniteds Stadtrivale und seines Zeichens Vizemeister und Champions-League-Viertelfinalist, 2:5 von Leicester City herspielen. Die Wolverhampton Wanderers unterlagen am gleichen Spieltag mit 0:4 beim Vorjahreszehnten West Ham United.

Der neuformierte und zum Mitfavoriten verschriene FC Chelsea konnte einen 0:3-Rückstand bei Aufsteiger West Bromwich Albion immerhin noch in ein 3:3 umwandeln.

Die höchste englische Spielklasse hat derzeit ein bisschen etwas vom Wilden Westen. Keine Regeln, der Sieger der einen Woche kann in der nächsten schon wieder sein blaues Wunder erleben.

Warum die Premier League aktuell so verrückt spielt, darauf konnte sich auch Klopp, der mit den Reds in der kompletten Spielzeit 2019/20 gerade einmal drei Niederlagen und insgesamt nur 33 Gegentore hinnehmen musste, keinen Reim machen. Nur nebenbei: In dieser Saison sind es bereits nach dem vierten Spieltag elf Gegentreffer.

Roberto Firmino und Mohamed Salah vom FC Liverpool

Fotocredit: Getty Images

Premier League: Keine Vorbereitung - kein Rhythmus?

Und tatsächlich ist die Ursachenforschung alles andere als einfach. Auffällig ist nur, dass sich alle Europokal-Teilnehmer der vergangenen Saison (City, United und die Wolves), die bis in den August noch bei den Final-Turnieren in Lissabon und Nordrhein-Westfalen vertreten waren, besonders schwer tun, eine Art Rhythmus zu finden.

Wer will es ihnen verdenken? Die Saisonvorbereitung war für die Teams von Pep Guardiola und Co. quasi nicht vorhanden.

Zudem hatte das Transferfenster noch bis zum vergangenen Montag geöffnet. Chelsea allein verpflichtete sieben neue potentielle Stammspieler. Für Frank Lampard eine Mammutaufgabe, diese neben dem regulären Spielbetrieb alle drei Tage in die Abläufe und sein System zu integrieren. Nur verständlich, dass der Motor noch stockt.

Auch ManUnited hat am Deadline Day mit Edinson Cavani, Amad Diallo und Alex Telles noch drei dringend benötigte Alternativen verpflichtet. Doch auch diese werden Zeit brauchen, sich an das neue Umfeld und die Premier League zu gewöhnen.

Liverpool: Ausrutscher oder tiefgreifende Probleme?

Und Liverpool? Die sind im Vergleich zu den anderen Top-Teams mit drei Siegen eigentlich gut gestartet, hatten länger Pause als City, United und Co. und haben auch den Kader nur punktuell verändert.

Alles also nicht so schlimm? Die nächsten Wochen werden zeigen, ob das historisch schlechte 2:7 tatsächlich nur ein Ausrutscher war oder ob die Probleme der Reds tiefer liegen.

Auszuschließen ist in dieser - schon jetzt - völlig verrückten Premier-League-Saison auf jeden Fall nichts mehr.

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