Er brauche keine Pause, betonte der frisch entlassene José Mourinho am Montag gegenüber den englischen Journalisten von "Sky.
Direkt vor seinem Londoner Haus hatten sich schnell zahlreiche Fotografen und Medienvertreter eingefunden, um die Ankunft des 58-Jährigen zu begleiten.
Auch wenn Mourinho selbst auf eine Pause vom Fußball verzichten möchte, stellt sich doch die Frage, welcher Top-Verein den exzentrischen Portugiesen überhaupt aufnehmen will.
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Denn: Mourinho hat sich über die Jahre das Image des harten, charakterlich komplizierten Trainers aufgebaut.
Die Erfolge, die der selbsternannte "Special One" zu den Klubs brachte, ließen vermutlich viele Vereinsbosse über diese Problematik und die hohen Gehaltsvorstellungen hinwegsehen. Beeindruckende 21 nationale und vier internationale Titel gewann Mourinho seit 2003.

Kritik an José Mourinho nahm zu

Bei vielen Vereinen legte sich der Coach jedoch früher oder später mit den Topspielern an. Ex-Chelsea-Star Eden Hazard erklärte 2018 in einem Interview: "Die letzte Saison unter Mourinho (2014/15, Anm. d. Red.) war nicht sehr schön, wir haben nicht mehr gewonnen. Wir sind in eine Routine verfallen und haben ohne Freude trainiert."
Weiter meinte der Belgier: "Wenn die Ergebnisse schlecht sind, kritisiert er seine Spieler." Parallelen zu Mourinhos Tottenham-Zeit tun sich auf. Außenverteidiger Danny Rose etwa wurde aus der ersten Mannschaft ausgeschlossen.
Auch Dele Alli muss zu den Mourinho-Opfern gezählt werden und stand im Winter kurz vor einem Wechsel zu PSG. Zudem gab es wohl auch Unstimmigkeiten mit Gareth Bale, Tanguy Ndombélé und Toby Alderweireld.
Laut "Sun" soll nun vor allem die Unzufriedenheit der Profis den Abgang besiegelt haben. Angeblich meldeten sich auch ehemalige Mou-Unterstützer wie Keeper Hugo Lloris und Star-Stürmer Harry Kane beim Vorstandsvorsitzenden Daniel Levy. Die Taktik und Trainingsmethoden des Trainers seien überholt, hieß es. Das Fass zum überlaufen brachte offenbar die öffentliche Kritik Mourinhos am Ausscheiden der Spurs in der Europa League. Auch der ausbleibende Erfolg in der Premier League - Tottenham rangiert auf Rang sieben - schrieb der Trainer seiner Mannschaft zu.
Der Rauswurf könnte indes zum Problem für Mourinho werden. Denn welcher Topverein holt sich einen Trainer ins Team, der dafür bekannt ist, für Unruhe zu sorgen und verbrannte Erde zu hinterlassen?
Gerüchte um die Zukunft des Portugiesen ploppten trotzdem sofort auf. Mourinho gehört angeblich bei Celtic Glasgow zu den Kandidaten, zudem sei eine Anstellung in Portugal im Gespräch.

José Mourinho (l.) und Harry Kane

Fotocredit: Getty Images

Rückkehr zu Real Madrid oder Job bei Juventus?

Aber auch über eine Rückkehr zu Real Madrid, wo mit Präsident Florentino Pérez ein Fan des 58-Jährigen am Hebel sitzt, wurde spekuliert. Angesichts der aktuellen Situation käme eine Entlassung von Zinédine Zidane allerdings überraschend, denn Real ist immer noch im Rennen um Meisterschaft und Champions League. Eine erneute Zusammenarbeit mit Cristiano Ronaldo bei Juventus Turin ist da durchaus wahrscheinlicher. Coach Andrea Pirlo steht seit längerem in der Kritik, schaffte es weder in der Liga noch in der Königsklasse um den Titel zu spielen.
Doch auch Mourinho hatte in den vergangenen Jahren immer weniger Erfolg, dafür gab es mehr Streitigkeiten im jeweiligen Verein. Das hohe Gehalt (angeblich 16,5 Millionen Euro brutto im Jahr) lässt sich da nur schwer rechtfertigen. Seinen letzten wirklich großen Titel holte Mourinho 2017 mit Manchester United in der Europa League. Bei den Red Devils herrschte am Ende ebenfalls eine ziemlich schlechte Stimmung. Vor allem Paul Pogba hatte nach einem anfänglich guten Verhältnis mit dem Portugiesen wenig Positives über den Coach zu sagen.
Im Interview mit "Sky Sports" zog der französische Weltmeister vor kurzem einen wenig schmeichelhaften Vergleich zwischen Mourinho und ManUtd-Trainer Ole Gunnar Solskjaer: "Ole würde nicht gegen die Spieler vorgehen. Vielleicht würde Ole sie nicht aufstellen, aber es ist nicht so, dass er sie auf die Seite stellt, als würden sie nicht mehr existieren. Das ist der Unterschied zwischen Mourinho und Ole."
"The Special One" reagierte kühl: "Es ist mir egal, was er sagt. Es könnte mich überhaupt nicht weniger interessieren."
Ob und wo Mourinho bald weitere Titel seiner Sammlung hinzufügen kann, wird sich also zeigen. Zumindest dürfte mittlerweile jedem Verein klar sein, worauf man sich beim unkontrollierbaren "Special One" einlässt.
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