Seit Thomas Tuchel den FC Chelsea vor rund einem Jahr übernahm, hing der Himmel im Londoner Südwesten voller Geigen - bislang.
Binnen weniger Monate formte der Schwabe aus einem strauchelnden Riesen, der in den Niederungen der englischen Beletage zu verschwinden drohte, einen europäischen Giganten. Ende Mai gewannen die Blues zum zweiten Mal in der Klubgeschichte die Champions League.
Nach dem Coup in der Königsklasse avancierte Tuchels Mannschaft auch im Rennen um die nationale Meisterschaft zum Mitfavoriten, grüßte bis Anfang Dezember vom tabellarischen Platz an der Sonne. Vier Wochen später hat die scheinbar makellose Chelsea-Welt Risse bekommen.
Ligue 1
Nun ist es offiziell: Monaco gibt Kovac-Entlassung bekannt
01/01/2022 AM 19:59
Tuchel hatte mit einem corona- und verletzungsbedingten personellen Aderlass zu kämpfen, Chelsea gewann im vergangenen Monat lediglich vier von neun Pflichtspielen und musste mit ansehen, wie Kontrahent Manchester City auf elf Punkte davonzog.
Nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Brighton and Hove Albion zuletzt hakte der ehemalige Dortmund-Coach den Titel ab.

Romelu Lukaku wegen Thomas Tuchel bei Chelsea unzufrieden

"Wir haben sieben Coronafälle. Wir haben fünf oder sechs Spieler, die sechs Wochen oder sogar noch länger fehlen", wetterte Tuchel und schob nach: "Wie sollen wir noch im Titelrennen dabei sein?" Neben den sportlichen Komplikationen musste sich der 48-Jährige jüngst mit Unmutsbekundungen seines Stürmerstars Romelu Lukaku auseinandersetzen.
Der Belgier, der im Sommer für 115 Millionen Euro von Inter Mailand an die Themse gewechselt war, hatte in einem Interview mit "Sky Sports" erklärt, dass er mit seiner derzeitigen Situation nicht zufrieden sei. "Tuchel hat sich für ein anderes Spielsystem entschieden. Ich werde weiterhin professionell bleiben, aber ich bin nicht glücklich", sagte Lukaku.

Hammer vor Topspiel: Tuchel streicht Lukaku gegen Liverpool

Tuchel reagierte einigermaßen verdutzt. "Ich erlebe ihn nicht als unglücklich. Ich fühle das genaue Gegenteil. Deshalb bin ich überrascht", so Tuchel. Er ergänzte: "Uns gefällt das natürlich nicht. Es bringt Störgeräusche, die wir nicht brauchen und die nicht hilfreich sind."
Wenige Stunden vor dem Liga-Showdown gegen den FC Liverpool (heute ab 17:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) wurde dann bekannt, dass Tuchel den Goalgetter aus dem Kader für das Duell mit der Klopp-Auswahl streicht.
Dämpfer im Meisterkampf, Corona-Stress, Lukaku-Wirbel - nicht die einzigen Hürden, die Tuchel aktuell bewältigen muss. Auch die ungewisse Zukunft seiner nahezu gesamten Stamm-Abwehr dürfte dem gebürtigen Krumbacher Sorgen bereiten.

Tuchel kritisiert Lukaku-Interview: "Brauchen wir nicht"

Antonio Rüdiger bei europäischen Top-Klubs begehrt

Die Verträge von Antonio Rüdiger, Andreas Christensen, Thiago Silva und César Azpilicueta laufen am Ende der Saison aus, seit dem Neujahrstag darf das Quartett theoretisch mit anderen Vereinen verhandeln. Allen voran Rüdiger, der sich unter Tuchel vom Bankdrücker zu einem der gefragtesten Innenverteidiger Europas gemausert hat, wird seit Monaten mit einem Abgang in Verbindung gebracht.

Antonio Rüdiger (r.) zählt beim FC Chelsea zu den Leistungsträgern. Aber er hat noch keinen Vertrag für die kommende Saison

Fotocredit: Getty Images

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge seien bislang sämtliche Gespräche über eine Vertragsverlängerung ins Leere gelaufen. Angeblich fordert Rüdiger eine Verdopplung seines bisherigen Gehalts, Chelsea soll nicht bereit sein, dem Wunsch nachzukommen. Dem Vernehmen nach beobachtet Real Madrid die Situation des deutschen Nationalspielers genau, die Königlichen gelten als heißester Anwärter auf einen Rüdiger-Transfer.
Sollte der 28-Jährige den Verein verlassen, würde Tuchel seinen Abwehrchef verlieren. Wettbewerbsübergreifend kam Rüdiger in der laufenden Saison 25 Mal zum Einsatz, mit 2280 Minuten stand er von allen Chelsea-Spielern in dieser Spielzeit kumuliert am längsten auf dem Feld.

Christensen und Azpilicueta offenbar im Fokus des FC Barcelona

Rüdiger ist jedoch nur ein Baustein des größten Blues-Prunkstücks. Auch Christensen, Silva und Kapitän Azpilicueta zeichnen sich verantwortlich für die defensive Stabilität, die sich in lediglich 14 Liga-Gegentoren äußert. Christensen kommt auf 19 Einsätze, Silva und Azpilicueta auf jeweils 21.
Ob Tuchel über den Sommer hinaus mit besagten Leistungsträgern planen kann, ist nach wie vor offen. Laut "Sport" soll der FC Barcelona sich realistische Chancen ausrechnen, Christensen ablösefrei nach Katalonien zu losten. Neben dem Dänen wird auch Azpilicueta bei den Blaugrana gehandelt. Wie der "Express" vor wenigen Tagen berichtete, habe der Spanier sich bereits mit den Barça-Verantwortlichen auf einen Wechsel verständigt.

Andreas Christensen könnte im Sommer womöglich zum FC Barcelona wechseln

Fotocredit: Eurosport

Einzig bei Silva, mittlerweile 37 Jahre alt, stehen die Zeichen auf Verlängerung. Transferexperte Fabrizio Romano meldete, dass der Brasilianer sein Arbeitspapier um ein weiteres Jahr ausdehnen wolle.

Holt Chelsea Bayern-Verteidiger Süle?

Was gedenkt Chelsea zu tun, sollte im Sommer die bewährte Abwehrkette auseinanderbrechen? Spekulationen um Neuzugänge gibt es reichlich. Niklas Süle, dessen Vertrag beim FC Bayern im Sommer ebenfalls ausläuft, gilt als Kandidat, auch Presnel Kimpembe von Paris Saint-Germain und Leicesters Wesley Fofana sollen das Interesse des CFC geweckt haben.
Von Planungssicherheit ist Chelsea jedoch weit entfernt. Die Blues spielen mit dem Feuer und eröffnen eine weitere Front, an der Tuchel nun kämpfen muss.
Das könnte Dich auch interessieren: Nächster Corona-Schock für Bayern: Quintett um Neuer positiv getestet

Vor direktem Duell: Klopp und Tuchel sprechen über Titelrennen

Premier League
Schreck vor Kracher gegen Chelsea: Klopp mit Coronavirus infiziert
01/01/2022 AM 14:19
Bundesliga
Lukaku dachte über Bayern-Wechsel nach: "Jeder Spieler träumt davon"
01/01/2022 AM 10:27