Jürgen Klopp auf dem Weg zur Legende des FC Liverpool: Die Gier nach Titeln ist beim Trainer zurück

Jürgen Klopp hat mit dem FC Liverpool durch den Ligapokaltriumph nun fünf Titel in fünf verschiedenen Wettbewerben gewonnen. Schon jetzt zählt der Deutsche mit seinen Erfolgen zu den größten Trainern der Reds-Geschichte. Nach einer schwierigen Saison 2020/21 läuft der LFC mit Klopp nun wieder auf Hochtouren. Noch in dieser Saison könnte sich der 54-Jährige vollends unsterblich machen.

Jürgen Klopp (FC Liverpool) jubelt mit dem englischen Ligapokal

Fotocredit: Getty Images

Am Montag mussten sie wieder ran, die Mitarbeiter des FC Liverpool.
Das Update an "The Champions Wall" stand an, einem Display außen am Stadion, weiße Schriftzeichen auf Backstein. Hier manifestieren sich Liverpools Titel.
19 Meisterschaften, sechs Landesmeistercup- bzw. Champions-League-Titel, sieben FA Cups, drei UEFA-Cups, vier UEFA-Supercups, einen Titel bei der Klub-WM und seit Sonntag nun neun Ligacup-Titel haben die Reds in ihrer Vereinshistorie errungen. Eine stolze Beute.
Für fünf dieser 49 Pokale zeichnet mittlerweile ein gewisser Jürgen Klopp als Trainer verantwortlich - macht knapp mehr als zehn Prozent. Eine stolze Bilanz.

FC Liverpool: Legende Fowler huldigt Klopp

Für ein Denkmal an der Anfield Road, so wie es Bob Paisley und Bill Shankly vergönnt wurde, reicht das zwar noch nicht.
Aber Klopp ist auf dem besten Wege dazu, sich in Liverpool für immer unsterblich zu machen. "Potenziell ist er schon jetzt Liverpools größter Trainer", sagte Vereinslegende Robbie Fowler am Sonntag im Bauch des Wembley-Stadions und war sich dabei der Errungenschaften Paisleys und Shanklys voll bewusst:
"Ich denke, dass er in ein oder zwei Jahren, wenn er noch ein paar Trophäen holt, der beste Liverpool-Trainer sein könnte, den wir je gesehen haben."
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Bill Shankly führte den FC Liverpool 1962 zurück in die erste Liga und gewann 1964, 1966 und 1973 drei Meisterschaften sowie 1973 den UEFA-Pokal und 1965 sowie 1974 zweimal den FA Cup mit den Reds. Heute steht seine Statue vor dem Stadion

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Liverpool-Fans denken gerne an Oktober 2015 zurück

Man müsse nur anschauen, was Klopp seit Herbst 2015 erreicht habe, führte Fowler an: "Er stand dreimal in einem Europacupfinale, hat die Champions League und die Premier League gewonnen. Ich denke, dass er einfach außergewöhnlich ist. Er ist ein Trainer, unter dem ich gerne gespielt hätte, weil er alle Kriterien erfüllt."
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Reds-Legende Fowler huldigt Titelsammler Klopp

Quelle: Perform

In Liverpool erinnert man sich heute sehr gerne an den 8. Oktober 2015 zurück. Den Tag, an dem Klopp sein Werk an der Anfield Road begann. Aus heutiger Sicht: Der Beginn einer neuen Zeitrechnung. "Ich brauche keinen Ronaldo und keinen Messi", hatte Klopp damals gesagt - und Recht behalten.
Als "The Normal One" versprach er keine Titel, zitierte lieber Robbie Williams ("Let Me Entertain You"): "Wir müssen die Fans unterhalten, wie in dem Song. Wir müssen ihr Leben besser machen."
Das hat Klopp ohne Zweifel. Musste Liverpool den Briefkopf zwischen 2006 und 2019 titelbedingt nur ein einziges Mal abändern, fahren die Reds seit 2019 regelmäßig Titel ein.

Jürgen Klopp: Fünf Titel in fünf Wettbewerben mit Liverpool

Das Bemerkenswerte dabei: die fünf Titelgewinne unter dem deutschen Coach waren in fünf verschiedenen Wettbewerben - dem Champions-League-Sieg 2018/19 ließ Liverpool in der Saison 2019/20 Triumphe im UEFA-Supercup, bei der Klub-WM und erstmals seit 1990 wieder in der englischen Meisterschaft folgen.
Nach einer titellosen, schwierigen Saison 2020/21 kam nun der englische Ligapokal - auch als EFL-Cup oder Carabao Cup bekannt - hinzu.
Und das muss diese Saison noch längst nicht alles gewesen sein. In der Champions League liegt das Klopp-Team nach dem 2:0 beim italienischen Meister Inter Mailand klar auf Viertelfinalkurs. Im FA Cup ist Underdog Norwich City am Mittwoch (21:15 Uhr im Livescoring) eine überwindbare Achtelfinal-Hürde.

Liverpool noch bei drei Titeln gut dabei

In der Premier League hat der LFC mit zuletzt fünf Siegen am Stück den Rückstand von zwischenzeitlich acht Punkten auf Manchester City reduziert, man ist jetzt wieder auf Schlagdistanz (60 zu 66 Punkte - bei einem Spiel weniger und einem ausstehenden direkten Duell).
Man sollte Liverpool für alle drei Titel auf der Rechnung haben. Nicht zuletzt, weil Klopp wieder vor Energie sprüht.
Das war vergangene Saison noch anders. Ohne Fans spielen zu müssen, sei gewesen als habe man "mit gestutzten Flügeln fliegen müssen", sagte er am Wochenende in einem Interview mit der "Times".

Klopp durchlebte düsteren Sommer

"In einigen Momenten war es die schlimmste Zeit unseres Lebens - zumindest unseres Fußballerlebens", so Klopp weiter, der zugab, in der Sommerpause für ungefähr zehn Tage genug vom Fußball gehabt zu haben. Er habe sich ausgelaugt gefühlt, am Ende. Für ein paar Tage hätte ihn Fußball "echt nicht weniger interessieren können", gab er zu.
Doch dann kam das Feuer zurück. Am Sonntag machte er dann auch seinen Frieden mit Wembley, in dem er 2013 mit Borussia Dortmund das Champions-League-Finale gegen den FC Bayern (1:2) und 2016 mit Liverpool das Ligapokalfinale gegen Manchester City (1:1, 1:3 i.E.) verloren hatte.
"Aller guten Dinge sind drei", hatte er schon vor dem 11:10 i.E. gegen den FC Chelsea gesagt: "Das war auch schon bei der Champions League so." 2018 hatte Liverpool schließlich noch gegen Real Madrid (1:3) den Kürzeren gezogen.

Die Gier nach mehr ist wieder da

Sage und schreibe neun Cup-Finals hat Liverpool in sechseinhalb Jahren mit Klopp erreicht. Nach drei Finalpleiten in Serie wie erwähnt im Ligacup und in der Europa League gegen den FC Sevilla (1:3) 2016 sowie dem angesprochenen Endspiel gegen Real Madrid 20118, haben die Reds vier der letzten sechs Finalspiele gewonnen - nur der unbedeutende englische Supercup ("Community Shield"), ein Titel, der Klopp noch fehlt, ging zweimal nach Elfmeterschießen an die Gegner ManCity (2019) und Arsenal (2020).
Titel gewinnen sei sicher nicht alles, stellte Klopp zuletzt weise fest. "Ich will aber auch nicht, dass man in 20 Jahren zurückblickt und denkt: Die waren damals echt gut, aber sie hätten mehr Titel gewinnen müssen", fügte der 54-Jährige ehrgeizig an.
Die Gier nach mehr ist also wieder da. Oder wie es Spieler Trent Alexander-Arnold nach dem erfolgreichen Wembley-Abend beschrieb: "1/4. Hungrig auf mehr."
Die Zahlen an der "Champions Wall" könnten also bald schon wieder ausgetauscht werden.
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