Erling Haaland beginnt seinen Dienst bei Manchester City am 1. Juli. Doch der Norweger ist nach seinem feststehenden Wechsel von Borussia Dortmund zu den Skyblues bereits allgegenwärtig auf der Insel.
In den englischen Medien wird Sinn (und Unsinn) von Citys Blockbuster-Deal rauf und runter diskutiert. Jürgen Klopp vom Ligarivalen FC Liverpool muss bei jeder Gelegenheit Stellung beziehen und bezeichnete Haaland zuletzt ehrfürchtig als "Bestie".
Und natürlich schlachtet auch der Boulevard den Transfer aus. Die Zeitung "Sun" veröffentlichte am Donnerstag einen Artikel über Haalands kulinarische Vorlieben. Kebab Pizza und Hühnerfleisch süßsauer sollen regelmäßig auf dem Speiseplan stehen, obwohl der 21-Jährige sehr auf seinen Körper achte.
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Haalands zukünftigen Kollegen dürfte es nicht gestört haben, dass die Aufmerksamkeit für 48 Stunden mal nicht primär ihnen galt. Schließlich geht es für Manchester City darum, die Saison vernünftig zu Ende zu spielen und nach dem dramatischen Champions-League-Aus in Madrid die Premier League zu gewinnen.

Kevin De Bruyne auf einer Stufe mit Agüero, Dzeko und Jesus

Der 5:1-Sieg bei den Wolverhampton Wanderers am Mittwoch war der nächste große Schritt auf dem Weg zur Meisterparty. Ein Spieler stach dabei ganz besonders heraus: Kevin De Bruyne.
Der Belgier erzielte einen Hattrick in 17 Minuten, legte später noch einen Treffer nach und reihte sich damit in eine kleine, illustre Runde ein, die ein Stück Premier-League-Geschichte für Manchester City schrieb. Nach Sergio Agüero, Edin Dzeko und Gabriel Jesus ist De Bruyne der vierte Spieler, der für die Citizens vier Tore in einem Spiel erzielen konnte.
Dabei hätte es allerdings nicht bleiben dürfen. "Ich hätte fünf Mal treffen müssen", sagte De Bruyne im Interview "Sky Sports". Seine ersten vier Torschüsse waren drin, der fünfte landete am linken Pfosten.
Dafür gab es Schelte vom Trainer. "Ich bin sehr enttäuscht, dass er nicht fünf Tore geschossen hat. Dieser Pfosten...", sagte Pep Guardiola bei "Sky Sports" mit einem Augenzwinkern. Auf Nachfrage des Reporters über De Bruynes Wert für Manchester City stellte Guardiola erst mal eine Gegenfrage: "Was soll ich über ihn noch erzählen?"

Guardiola gehen die Superlative aus

Anschließend spielte der Coach die gesamte Klaviatur an Superlativen ab. "Unglaublich, außergewöhnlich und genial" sei De Bruyne, in der Rückrunde der laufenden Saison sogar "mehr als perfekt", urteilte Guardiola.
Seit fast sieben Jahren spielt De Bruyne mittlerweile für Manchester City und hatte stets einen Stammplatz im offensiven Mittelfeld. Mit seiner Schnelligkeit, seiner Wucht im Abschluss und bei tiefen Läufen in den Strafraum sowie seiner Qualität im direkten Kurzpassspiel ist der Belgier der perfekte Spieler für das System Guardiola.
In dieser Saison ist De Bruyne aber noch mal ein Stück besser geworden. "Er war immer so großzügig zu seinen Mitspielern, der immer im Sinn hat, die Vorlage für ein Tor zu geben", sagte Guardiola. "Aber er hat in dieser Saison auch den Sinn, Tore zu schießen. Er hat gegen Chelsea das entscheidende Tor geschossen, hat gegen Madrid und Liverpool getroffen. In großen Spielen wichtige Tore zu erzielten ist am Ende das, was die größten Spieler ausmacht."
Laut Guardiola hat De Bruyne "jetzt das Gefühl, dass es ihm gefällt, wenn seine Mannschaftskameraden kommen und ihn umarmen, nachdem er ein Tor erzielt hat. Er hat jetzt Spaß daran, selbst zu treffen, vorher waren es meistens nur Assists."

De Bruyne erfüllt Guardiolas Forderung

De Bruyne steht in dieser Saison bereits bei 15 Ligatreffern in 28 Einsätzen - zwei mehr als in seiner torreichsten Saison 2019/20, als er 35 Spiele absolvierte. Der 30-Jährige setzt in dieser Spielzeit das um, was Guardiola schon länger einfordert.
"Wir müssen Tore schießen, um zu gewinnen. So viele Tore wie möglich. Kevin macht das jetzt. Wir haben gesprochen. Nicht jetzt, aber im Laufe der Jahre. Man muss in den Strafraum kommen, man muss nahe am Strafraum sein, man muss Tore schießen. Diese Saison war das Jahr, in dem er immer besser geworden ist", so Guardiola.
De Bruyne profitiert davon, dass er mittlerweile fast ausschließlich auf seiner Lieblingsposition zum Einsatz kommt. "Im Zentrum bin ich am stärksten, es ist eine Mischung aus Nummer 8 und Nummer 10. Ich bin stärker, wenn ich von innen nach außen gehe als umgekehrt", sagte De Bruyne. In der Vergangenheit war De Bruyne hier und da Opfer von Guardiolas taktischer Spielerei geworden und hatte auf die Flügel ausweichen müssen.

De Bruyne gibt zu: "Sind nach dem Aus in Madrid immer noch in Schockstarre"

Dass er im Saisonendspurt so aufdreht, hat auch mit seiner mentalen Stärke zu tun. Das Aus in Madrid hängt De Bruyne immer noch nach.
"Das waren einfach fünf verrückte Minuten, die man als Spieler nicht erklären kann. Wir wussten nicht, was da gerade passiert. Das lief plötzlich völlig aus dem Ruder und ich musste das auch noch von der Bank aus mitansehen, ohne eingreifen zu können. Wir sind immer noch ein bisschen in Schockstarre, aber es hilft ja nichts, wir müssen weitermachen. Wir haben unseren Job zu erledigen", sagte er.
Inmitten des Haaland-Booms so abzuliefern, ist ein echtes Statement von De Bruyne. Vom Neuzugang aus Dortmund wird nichts anderes erwartet als Tore, Tore, Tore. Dem steht De Bruyne in nichts nach, nicht erst seit seinem Viererpack gegen Wolverhampton.

De Bruyne "kopiert" Haaland-Jubel

Dass Haaland dennoch sogar am Mittwochabend auf dem Platz allgegenwärtig war, hat auch mit De Bruyne zu tun. Nach seinem dritten Tor machte er die Zen-Jubelgeste, die Haaland einst im Champions-League-Spiel des BVB gegen Paris Saint-Germain zeigte.
Die englischen Zeitungen schrieben gleich von einer "Hommage an Haaland", De Bruyne heiße den Norweger bereits herzlich willkommen. Das könnte De Bruyne so nicht bestätigen.
"Ich habe gehört, dass das nach dem Haaland-Jubel aussah. Dabei habe ich gar nicht gewusst, dass er so jubelt. Ich wollte einfach anzeigen, dass ich drei Tore gemacht habe", sagte er bei "Sky Sports".
Er freue sich aber, bald gemeinsam mit Haaland auf Torejagd zu gehen, versicherte De Bruyne. Dann haben die Skyblues gleich zwei "Bestien" im Kader.
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