Von Weltuntergangsstimmung keine Spur.
Der BVB nimmt den Abgang von Erling Braut Haaland gelassen hin. Man werde "zu 100 Prozent" den Nächste finden, ließ Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wissen. So war es schließlich (fast) immer.
2014 ging Robert Lewandowski als Torschützenkönig zu den Bayern, es übernahm Pierre Emerick Aubameyang. Der Gabuner landete in den kommenden drei Jahren jeweils in den Top 3 der Torjägerliste. 2018 zog es den Stürmer zum FC Arsenal, als Tormaschine sprang Paco Alcácer in die Bresche. Vor zwei Jahren dann die Verpflichtung von Haaland, der während seiner ersten 20 Bundesliga-Minuten drei Tore schoss - und nun für 75 Millionen Euro nach Manchester weiterzieht.
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Das sei "der einzige Weg" für die Borussia, unterstrich Watzke. "Wenn ein Spieler richtig gut performt, müssen wir mit den ganz großen Klubs mit Oligarchen und arabischen Staaten im Rücken konkurrieren." Das aber könne man in finanzieller Hinsicht nicht. Also sind Kreativität und die Entwicklung junger Spieler gefragt.

Adeyemi auf den Spuren von Haaland

Womit wir bei Karim Adeyemi sind. Gut eine Stunde, nachdem die Meldung rausging, wonach der BVB und Manchester City eine Einigung bei Haaland erzielt hätten, gab der Verein bekannt, dass Adeyemi von Salzburg nach Dortmund wechselt. Der 20-jährige Stürmer geht damit denselben Weg wie der Norweger vor zwei Jahren.
Einen ersten Baustein haben die Schwarz-Gelben damit bereits in die Lücke gesetzt, die Haaland hinterlässt. Adeyemi ist zwar nicht so robust wie der neue City-Star, bringt aber eine ähnliche Torgefahr mit. In der laufenden Saison der österreichischen Bundesliga steht der deutsche Nationalspieler bei 19 Treffern und vier Assists bei 27 Partien. Die Torjägerliste führt er damit an.
Die "Stärke im Abschluss" werde dem "Offensivspiel genauso gut zu Gesicht stehen wie sein extremes Tempo", strich Sportdirektor Michael Zorc die Klasse des Youngsters heraus. Ein weiterer Pluspunkt: Adeyemi ist im Angriff flexibel einsetzbar, weicht auch auf die Flügel aus und ist mehr ins Spiel eingebunden als Haaland.

Mehr Borussia Dortmund, weniger Borussia Haaland

Beim Norweger kam überdies eine relativ hohe Verletzungsanfälligkeit hinzu. Der Goalgetter verpasste aufgrund von Problemen im Hüftbeuger und der Muskulatur allein in dieser Saison 16 Pflichtspiele. Der gewaltige mediale Wirbel im Vorfeld des City-Transfers nebst verschiedenster Gerüchte um andere interessierte Klubs sorgte für Unruhe rund um den Verein. Das hat sich nun erledigt.
Es steht wieder mehr Borussia Dortmund im Fokus und weniger Borussia Haaland.

Erling Haaland

Fotocredit: Getty Images

Und: Adeyemi dürfte nicht die einzige Verstärkung für den Angriff bleiben. Der gebürtige Münchner verkörpert nicht den klassischen, bulligen Mittelstürmer, mit dem Dortmund gerne spielt. Eine mögliche Option für diese Rolle wäre Sébastien Haller von Ajax Amsterdam.
Gerüchte um ein Interesse der Schwarz-Gelben am 27-Jährigen machen bereits die Runde. Der 1,90-m-Hüne spielt eine grandiose Saison und führt mit 20 Treffern die Torjägerliste in der Eredivise an. Dass Haller Bundesliga kann, stellte er bereits während seiner Zeit von 2017 bis 2019 bei Eintracht Frankfurt unter Beweis.
Ob der Transfer zustande kommt oder nicht: Es ist nicht zu befürchten, dass der BVB um seinen Status als Bayern-Jäger Nummer eins fürchten muss. Dazu hat der Verein schon jetzt viel zu clever in die neue Saison investiert - und das Augenmerk dabei vor allem auf die Defensive gerichtet.

Süle und Schlotterbeck - BVB agiert clever und schnell

Mit Niklas Süle vom FC Bayern und Nico Schlotterbeck vom SC Freiburg kommen zwei Innenverteidiger, die höchsten Ansprüchen genügen. Allerdings bestand auch dringender Handlungsbedarf. "Wenn ich auf die Tabelle schaue und 50 Gegentore sehe, dann ist klar, was die Kernthematik ist", monierte Trainer Marco Rose Anfang Mai.
Die Bayern hatte zu diesem Zeitpunkt 17 Treffer weniger kassiert. Vor diesem Hintergrund darf sich der BVB schon jetzt für die Deals mit Süle, Schlotterbeck und Adeyemi beglückwünschen - zumal Hauptrivale Bayern mit Noussair Mazraoui erst einen Neuzugang für die kommende Saison an Land gezogen hat.

Wechselt zum BVB: Niklas Süle

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Das Trio der BVB-Neuzugänge dürfte überdies keine Probleme haben, sich einzugewöhnen. Adeyemi, der schon als "kleiner Junge fasziniert vom schwarz-gelben Tempofußball" war, ist heiß auf seine neue Mannschaft. "Wir freuen uns, uns wiederzusehen und im gleichen Team zu spielen. Wir verstehen uns richtig gut, wir Drei", erzählte der 20-Jährige nach seiner Unterschrift in Dortmund.
Süle wiederum gab gegenüber der "Bild "an, er habe bei "der ersten Kontaktaufnahme sofort gespürt, dass die Verantwortlichen des Vereins ganz große Lust darauf haben, mit mir zu arbeiten".

Kehl mit Plan: "Konkurrenzkampf anheizen"

Süle ist mit 26 Jahren der Älteste unter den drei Neuen. Damit beschreitet der BVB zielstrebig seinen Weg der Verjüngung. Sportdirektor Sebastian Kehl folgt dabei der Strategie, "neue Energie im Team zu kreieren, ein paar verkrustete Strukturen im Kader aufzubrechen, neuen Konkurrenzkampf anzuheizen". Ein wichtiger und richtiger Ansatz, schließlich haben Feldspieler wie Mats Hummels (33) oder Kapitän Marco Reus (32) längst die 30 passiert. Wenn dies der Fall sei, bekräftigte Watzke, müsse man "gucken, wie lange er noch in der Lage ist, Top-Leistungen zu bringen".
Der BVB ist mit seinen Transferaktivitäten dabei, sich genau für diese Situation zu wappnen - und macht trotz des prominenten Abgangs von Haaland eine sehr gute Figur dabei. Nein, für Weltuntergangsstimmung besteht wirklich kein Grund bei Schwarz-Gelb.
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