FC Chelsea: So geht es für Thomas Tuchel und Co. unter den neuen Klubbesitzern weiter

Die Zukunft des FC Chelsea lag aufgrund der Sanktionen gegen Klubbesitzer Roman Abramowitsch wochenlang im Dunkeln, mittlerweile hat ein milliardenschweres US-amerikanisches Konsortium den Verein aus London übernommen. Seitdem hat das große Stühlerücken bei den Blues begonnen. Der Abgang zweier langjähriger Entscheidungsträger hat auch Auswirkungen auf die Arbeit von Trainer Thomas Tuchel.

Chelsea-Trainer Thomas Tuchel

Fotocredit: Getty Images

Plötzlich, mit einem Mal, war der FC Chelsea Ende Februar quasi handlungsunfähig. Keine Transfers, keine Vertragsverlängerungen und keine Ticketverkäufe, selbst der Fanshop musste schließen.
Der Grund: Roman Abramowitsch, seit 2003 Klubbesitzer, war aufgrund seiner Nähe zum Kreml und zum kriegsführenden russischen Präsidenten Wladimir Putin im Zuge des Angriffs auf die Ukraine von der britischen Regierung sanktioniert worden.
Abramowitsch war es fortan untersagt, mit seinem Verein Geld zu verdienen, Chelsea durfte nur aufgrund einer Sondergenehmigung weiter in der Premier League spielen. Die Zukunft des blauen Riesen aus Englands Hauptstadt lag völlig im Dunkeln.
"So lange wir genügend Trikots und einen Bus haben, werden wir kämpfen", übte sich Trainer Thomas Tuchel seinerzeit in Galgenhumor. Seine Mannschaft trotzte den Umständen letztlich und qualifizierte sich für die Champions League.

US-Konsortium schnappt sich den FC Chelsea

Mittlerweile hat sich die Situation bei den Blues entspannt, seit Ende Mai befindet sich der Verein im Besitz eines US-amerikanischen Konsortiums, das von Todd Boehly angeführt wird. Boehly, seines Zeichens Unternehmer mit einem geschätzen Privatvermögen von 4,5 Milliarden Dollar, ist in der Branche kein unbeschriebenes Blatt. Der 48-Jährige hält bereits Anteile an anderen großen Sportvereinen wie den Los Angeles Dodgers (Baseball) oder den Los Angeles Lakers (Basketball).
Insgesamt rund fünf Milliarden Euro überwiesen er und seine Geschäftspartner Mark Walter und Hansjörg Wyss für den FC Chelsea (reiner Kaufpreis rund drei Milliarden Euro, der Restbetrag wird in den Verein investiert).
Das Wichtigste bei der Abwicklung: Abramowitsch durfte finanziell nicht profitieren, das Geld geht zu großen Teilen auf ein Treuhandkonto und soll den Opfern des Ukraine-Krieges zugute kommen.
Der zweimalige Champions-League-Sieger ist also gerettet, doch wie geht es nun weiter? Tatsächlich hat sich auf personeller Ebene bereits einiges getan seit Boehly und seine Kollegen übernommen haben. Anfang der Woche gab beispielsweise Klubchef Bruce Buck seinen Rückzug bekannt. 19 Jahre lang hatte der US-Amerikaner die Geschicke bei den Londonern geleitet, ab Juli wird er nur noch als Berater in Erscheinung treten.

Der Abgang der "Iron Lady"

Weitaus einschneidender dürfte allerdings ein anderer Abgang werden: Marina Granovskaia, die 2003 mit Abramowitsch auf die Insel kam und seit 2013 das Amt der Sportdirektorin innehatte, verlässt Chelsea zur kommenden Saison.
Die gebürtige Russin, die auch die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt, galt als knallharte Verhandlerin und tütete während ihrer Schaffenszeit 62 Transfers für insgesamt 1,38 Milliarden Euro ein (auf der Einnahmenseite standen durch Verkäufe 1,03 Milliarden zu Buche). "Wir danken Marina für die großartige Arbeit und wünschen ihr alles Gute für die Zukunft", wurde Boehly im offiziellen Klub-Statement kurz und knapp zum Granovskaia-Aus zitiert.
picture

Marina Granovskaia (l.) und Thomas Tuchel

Fotocredit: Imago

Der Weggang der 47-Jährigen, die von der englischen Presse den Spitznamen "Iron Lady" erhalten hatte, hat direkte Auswirkungen auf Tuchels Arbeit. Denn: Der ehemalige Mainz- und BVB-Coach erhält nun offenbar deutlich mehr Macht. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge war es Boehlys Anliegen, Tuchel besonders in puncto Transferangelegenheiten ein größeres Mitspracherecht einzuräumen.
Dies dürfte auch bitter nötig sein. Bisher haben die Blues für die kommende Spielzeit noch keinen Spieler verpflichtet, obwohl mit Antonio Rüdiger (Real Madrid) und Andreas Christensen (Ziel unbekannt) zwei langjährige Stammkräfte den Verein verlassen werden. Darüber hinaus steht Romelu Lukaku nach einer mäßigen Saison vor einem Leih-Abschied zu Inter Mailand.
Tuchel ist sich seiner Aufgabe bewusst, bereits vor einigen Wochen prophezeite er: "Ich kann keine Ferien machen. Wir wollen mit Liverpool und ManCity im Rennen bleiben und sie werden alles dafür tun, um ihre Kader zu vergrößern."

Die Konkurrenz rüstet auf

Tatsächlich waren die Skyblues und die Reds, die die Konkurrenz in der abgelaufenen Saison deutlich hinter sich gelassen hatten, bereits auf dem Transfermarkt aktiv. City sorgte mit der Verpflichtung von Dortmund-Star Erling Haaland für Aufsehen, Liverpool schnappte sich für 75 Millionen Euro Darwin Núnez von Benfica Lissabon, zudem kommt mit Fabio Carvalho (sechs Millionen Euro) ein vielversprechendes Talent aus Fulham an die Anfield Road.
Für die Verbesserung seines Kaders stehen Tuchel laut "Times" und "Telegraph" satte 235 Millionen Euro zur Verfügung, als mögliche Neuzugänge werden dieser Tage Matthijs de Ligt von Juventus Turin, Ajax-Youngster Antony sowie Raheem Sterling von ManCity gehandelt.
Mit Blick auf die Lage vor einigen Monaten, als Chelsea die komplette Zahlungsunfähigkeit drohte, sind die Aussichten also mittlerweile deutlich angenehmer. Der blaue Riese hat sich wieder erhoben.
picture

Hinteregger begründet Rücktritt: "Habe mit mir gekämpft"

Quelle: Eurosport

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung