FC Chelsea - Wilde Pläne, Tuchel-Aus: Warum Blues-Boss Tedd Boehly für Kopfschütteln sorgt

Todd Boehly übernahm vor wenigen Monaten den FC Chelsea. Nachdem der US-Amerikaner zunächst noch unscheinbar wirkte, liefert er mittlerweile reichlich Diskussionsstoff. Erst der überraschende Rauswurf von Erfolgstrainer Thomas Tuchel, inklusive kurioser Begründung – und nun ein Vorschlag, der nicht nur bei Liverpool-Coach Jürgen Klopp für Kopfschütteln sorgte.

"Exzellent!" Klopp spottet über Vorschlag von Chelsea-Boss

Quelle: Perform

"Paukenschlag", "Beben", "Schock" - die Medien spielten die gesamte Klaviatur der Termini, die im Falle eines überraschenden Trainer-Rauswurfs gerne verwendet werden. Allerdings hatte tatsächlich im Vorfeld der Freistellung von Thomas Tuchel in der vergangenen Woche nichts auf einen derartigen Schritt hingewiesen.
"Thomas wird zu Recht einen Platz in der Chelsea-Historie einnehmen, er hat die Champions League, den europäischen Supercup und die Klub-WM gewonnen", hieß es in einem kurzen Statement des FC Chelsea, ehe der entscheidende Satz folgte: "Die neuen Besitzer nähern sich 100 Tagen im Amt und glauben, dass es nun an der Zeit für einen Wechsel ist."
100 Tage Todd Boehly gegen 100 Tuchel-Pflichtspiele mit den Blues. Dass es nicht zum 101. kommen würde, ließ Fußball-Europa einigermaßen fassungslos zurück. Obwohl Tuchel, der noch im Januar zum FIFA-Welttrainer gekürt worden war, mit seiner Mannschaft mäßig in die neue Saison gestartet war und einen Tag vor seinem Rauswurf 0:1 bei Dinamo Zagreb verloren hatte, waren sich Fans und Experten bezüglich des bitteren Beigeschmacks weitestgehend einig.
Tuchel ließ einige Tage ins Land gehen, ehe er sich via Twitter meldete. "Das ist eines der schwersten Statements, das ich jemals schreiben musste – und etwas, von dem ich hoffe, es für viele Jahre nicht tun zu müssen", leitete er ein. Er sei "am Boden zerstört", dass seine Zeit bei den Blues enden musste, immerhin habe er sich "sowohl beruflich als auch privat zuhause gefühlt."

Fans huldigen Tuchel

Kein Nachtreten, keine subtile Spitze gegen diejenigen, die ihn nach 19 erfolgreichen Monaten vor die Tür gesetzt hatten. Als neuer Coach wurde Graham Potter von Brighton and Hove Albion verpflichtet. Dieser wurde am Mittwochabend, im Rahmen seines Debüts, mit einer Huldigung seines Vorgängers konfrontiert.
Chelseas Fanbewegung "We Are The Shed" hatte im Vorfeld des Duells mit Red Bull Salzburg dazu angeregt, "in der 21. Minute zu applaudieren, um Danke zu sagen." Die Anhänger kamen dem Vorschlag nach, applaudierten und besangen denjenigen, der ihnen den 2021 den zweiten Champions-League-Titel der Vereinsgeschichte beschert hatte.
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Marina Granovskaia (l.) und Thomas Tuchel

Fotocredit: Imago

Potters Start beim neuen Arbeitgeber verlief indes eher ernüchternd. Gegen die Mozartstädter sprang lediglich ein 1:1 heraus. Nach der kurzen Entlassungsbegründung von offizieller Seite, die durchaus lieblos erschien, legte Neu-Boss Boehly am Rande einer Konferenz nach: "Wenn man ein Geschäft übernimmt, muss man sicherstellen, dass man mit den Leuten im Geschäft übereinstimmt", sagte der 48-jährige Milliardär, der neben seinem Engagement bei den Londonern auch Anteile an den Los Angeles Dodgers und den Los Angeles Lakers hält.

Boehly: "Wir hatten keine gemeinsame Vision"

Er schob nach: "Tuchel ist offensichtlich äußerst talentiert und jemand, der mit Chelsea großen Erfolg hatte. Unsere Vision für den Verein war es, einen Trainer zu finden, der wirklich mit uns zusammenarbeiten wollte. Die Realität ist, dass wir uns nicht sicher waren, ob Thomas es genauso sah wie wir. Wir hatten einfach keine gemeinsame Vision für die Zukunft."
Ihm zufolge habe die Niederlage in Zagreb nicht für das Aus gesorgt. "Es war keine Entscheidung, die aufgrund eines einzelnen Sieges oder einer Niederlage getroffen wurde. Es war eine Entscheidung, die wir für die richtige Vision für den Verein hielten", so Boehly abschließend.
Apropos Visionen – davon hat Boehly reichlich in petto, nicht nur für seinen eigenen Klub, sondern für die gesamte englische Beletage. "Ich hoffe, die Premier League guckt sich etwas vom amerikanischen Sport ab", wurde er jüngst vom "Guardian" zitiert. Sein kurioser Vorschlag: "Warum lassen wir nicht die vier tabellarisch schwächsten Mannschaft in einer Art Turnier gegeneinander antreten, warum gibt es kein All-Star-Game?"

Boehly will Nord-gegen-Süd-Duell

In den amerikanischen Top-Ligen NFL, MLB und NBA sind All-Star-Spiele mit den besten Spielern des Landes quasi Tradition. Boehlys Vorschlag für die Insel: "Wir könnten Nord gegen Süd austragen", um mehr Geld (angeblich für die kleineren Klubs) einzunehmen. Boehly weiter: "Jeder mag die Idee von höheren Einnahmen, aber es gibt auch einen echten kulturellen Aspekt. Ich denke, diese Entwicklung wird kommen."
Das so genannte "Mindset" eines US-Geschäftsmannes, dem Franchises geläufiger sind als Traditionsvereine. Auf sonderlich viel Gegenlieb stießen seine Anregungen nicht. Englands Fußball-Legende Gary Lineker antwortete in den sozialen Medien: "Hey Todd, wir haben bereits All-Star-Games, man nennt sie Länderspiele", Ex-Liverpool-Profi Jamie Carragher sagte: "Ich finde es unglaublich arrogant, über eine Liga zu sprechen, die man nicht kennt."
Gary Neville, ehemaliger Verteidiger bei Manchester United bezeichnete die Ideen als "Pferdemist". Spott erntete Boehly darüber hinaus von Jürgen Klopp. "Großartig! Wenn er einen Termin dafür gefunden hat, kann er mich anrufen", sagte er, als er zu ebenjener Thematik befragt wurde. Er ergänzte: "Er vergisst, dass die Spieler in den großen Sportarten in den USA vier Monate Pause haben und froh sind, dass sie in dieser Zeit ein bisschen Sport treiben können. Das ist im Fußball ganz anders."

Klopp: "Will er auch noch die Harlem Globetrotters mitbringen?"

Doch damit nicht genug, Klopp lederte weiter: "Ich bin mir nicht sicher, ob die Leute das sehen wollen. Stellen sie sich das vor – Spieler von Manchester United, Liverpool und Everton in einem Team. Und alle Londoner Jungs zusammen – Arsenal, Tottenham, toll. Hat er das wirklich gesagt? Was soll ich sagen? Will er auch noch die Harlem Globetrotters mitbringen und sie in einer Fußballmannschaft spielen lassen?"
Boehlys Amerikanisierung der Premier League muss offenbar noch warten. Er scheint nicht bloß den FC Chelsea auf links drehen zu wollen, sondern legt sich quasi gleich mit allen Traditionalisten an. Wie weit er damit kommt, bleibt abzuwarten. Bisher sorgte er jedenfalls vornehmlich für Kopfschütteln.
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