Das Finale der vergangenen Saison hätte spannender nicht sein können: Erst am letzten Spieltag entschied sich die englische Meisterschaft zwischen Manchester City und dem FC Liverpool.
Lange sah es tatsächlich so aus, als könnten die Reds die Mannschaft von Pep Guardiola auf den letzten Metern noch abfangen. Doch in der Schlussphase der Begegnung zwischen den Citizens und Aston Villa stellten der eingewechselte Ilkay Gündogan mit einem Doppelpack (76., 81.) und Rodri (78.) alles auf den Kopf – und bescherte seinem Klub den zweiten Premier-League-Titel in Serie.
Am Ende siegte ManCity auch dank des deutschen Nationalspielers 3:2, Liverpool hatte sich indes gegen Wolverhampton keine Blöße gegeben (3:1). Die kuriose Konstellation nach 38 Spieltagen lautete: Manchester City 93 Punkte, Liverpool 92 Punkte.
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Klar, dass der Traditionsklub von der Mersey in der kommenden Spielzeit einen erneuten Angriff auf die Skyblues nehmen möchte. Doch nicht nur das: Auch in der Champions League hat Liverpool noch eine Rechnung offen, musste sich Jürgen Klopps Team doch im Finale dem Rekord-Champion Real Madrid knapp geschlagen geben (0:1).
Für die Mission Meisterschaft und Henkelpott hat Liverpool tief in die Tasche gegriffen und mit Darwin Núñez (75 Millionen Euro) den zweitteuersten Transfer der Vereinsgeschichte nach Virgil van Dijk (85 Millionen Euro) über die Bühne gebracht. Andererseits muss Klopp den Abgang seines langjährigen Star-Angreifers Sadio Mané verkraften.
Der FC Liverpool in der Team-Analyse.

FC Liverpool: Das ist neu

Mit dem Abgang Manés zum FC Bayern bricht bei Liverpool eine neue Ära an. Der Senegalese zählte sechs Jahre lang zu den wichtigsten Stützen im Team. In 269 Pflichtspielen steuerte Mané satte 120 Treffer und 48 Vorlagen bei, er zeichnete mitverantwortlich für die erste Meisterschaft seit 30 Jahren sowie den Champions-League-Sieg 2019.
Neben Mané hat ein weiterer Protagonist der erfolgreichen Saison 2018/19 den Klub verlassen: Divock Origi, seines Zeichens zweifacher Torschütze im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Barcelona (4:0), der auch im Endspiel gegen Tottenham (2:0) traf, heuerte bei der AC Mailand an.
Zudem kehrten auch Neco Williams (Nottingham Forest), Takumi Minamino (AS Monaco), Marko Grujic (FC Porto) und Ben Davies (Glasgow Rangers) Liverpool den Rücken.
Auf der anderen Seite kamen mit Fábio Carvalho (19, FC Fulham) und Calvin Ramsay (18, FC Aberdeen) zwei verheißungsvolle Youngster in die Hafenstadt. Die große mediale Aufmerksamkeit gehörte allerdings Neuzugang Darwin Núñez.

FC Liverpool: Die neue Hoffnung

Ebenjener Núñez kommt mit dem Arbeitsnachweis von 34 Toren in 41 Spielen von Benfica Lissabon an die Anfield Road. Klar, dass er nach Manés Abgang neben Mohamed Salah der neue Hoffnungsträger in der Offensive der Reds ist.
Núñez war den Verantwortlichen 75 Millionen Euro wert, die Ablöse könnte aufgrund etwaiger Bonuszahlungen sogar noch auf rund 100 Millionen Euro anwachsen.
In der Vorbereitung gab der Uruguayer auch gleich mal eine Kostprobe seines Könnens zum Besten: Im Testspiel gegen RB Leipzig (5:0) erzielte Núñez nach seiner Einwechslung binnen einer Halbzeit vier Tore.

Darwin Núñez ist ein weiteres wichtiges Puzzleteil in Liverpools Evolution

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Darüber hinaus hatte der 23-Jährige großen Anteil am Gewinn des englischen Supercups am vergangenen Samstag – beim 3:1 gegen Rivale Manchester City holte Núñez zunächst einen Handelfmeter heraus, ehe er in der Nachspielzeit per Kopf den Deckel auf die Partie machte.
Dass er in der Lage ist, den viel zitierten Unterschied auszumachen, hat Núñez zumindest angedeutet. Es bleibt abzuwarten, wie schwer die Bürde der hohen Ablösesumme und die damit verbundene Erwartungshaltung, auf seinen Schultern lastet.

FC Liverpool: Das Fragezeichen

Mit Mané verlor Liverpool einen seiner großen Leistungsträger, bezüglich weiterer Abgänge scheint sich beim ehemaligen englischen Rekordmeister bis zur Schließung des Transferfensters nichts mehr zu tun. Dementsprechend dürfte das größte Fragezeichen sein, wie Klopp den Abschied des Afrikameisters auffängt.
Neben Núñez verpflichtete der amtierende Vizemeister mit Carvalho einen weiteren Mann für die Offensive. Der Portugiese, um den etliche weitere Schwergewichte in der Vergangenheit gebuhlt hatten, gilt als großes Versprechen für die Zukunft.
Bislang wartet der 19-Jährige nur mit wenig Erfahrung ins Englands Beletage auf, in Fulhams Abstiegssaison 2020/21 kam er auf vier Einsätze im Oberhaus. In der zweiten Liga wusste Carvalho in der abgelaufenen Spielzeit jedoch zu überzeugen: Zehn Treffer standen nach 36 Spielen zu Buche - eine durchaus ansprechende Zahl für einen Mittelfeldspieler, zudem legte er seinen Mitspielern acht Tore auf.
Allerdings: Carvalhos Position (zentrales, offensives Mittelfeld) gibt es im Klopp'schen System quasi nicht. Der ehemalige BVB-Coach setzt normalerweise auf ein Dreier-Mittelfeld aus Spielern wie Fabinho, Thiago, Jordan Henderson oder Naby Keita - allesamt eher Sechser oder Achter.

Verstärkt den FC Liverpool ab der kommenden Saison: Fabio Carvalho

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Ex-Liverpool-Profi Stan Collymore legt Klopp mithilfe von Superstar Salah deshalb eine "Umschulung" des Youngsters nahe: ""Liverpool hat jetzt die große Chance, Fabio Carvalho einen klaren Weg zu zeigen, wie er in drei Jahren Salahs Ersatz werden kann, indem er vom Meister selbst lernt", so Collymore. "Wenn Liverpool darauf besteht, dass er nicht verliehen wird, dann ist es am besten, wenn Salah ihn als Mentor betreut - damit der Meister dem Schüler eines Tages den Vortritt lassen kann."
So oder so: Carvalho könnte sich zu einer spannenden Personalie entwickeln.

FC Liverpool: Hier ist noch Bedarf

Im Sturm und Mittelfeld ist Liverpool exzellent besetzt, auch im Abwehrzentrum wartet der Verein mit ausreichend Qualität auf. Einzig die defensiven Außenbahnen sind nicht doppelt hochkarätig ausgefüllt. Trent Alexander-Arnold (rechts) und Andy Robertson (links) sind absolut unumstritten, dahinter wird es jedoch dünner.
Konstantinos Tsimikas vertritt Dauerbrenner Robertson, wenn der Schotte mal eine Pause benötigt oder an einer Verletzung laboriert. In den vergangenen beiden Jahren kam er immerhin auf 33 Einsätze. Als potenzieller Ersatz für Alexander-Arnold wurde der junge Calvin Ramsay aus Aberdeen geholt. Der 18-Jährige kann bisher auf eine Profi-Saison in Schottland zurückblicken.
"Wenn ich in der Vorsaison meine Leistung bringen kann, gibt es keinen Grund, warum ich nicht in den Kader der ersten Mannschaft kommen sollte", sagte Ramsay nach seiner Verpflichtung. Der Defensivmann bringt zwar reichlich Talent mit, im Falle eines langfristigen Alexander-Arnold-Ausfalls wäre der Yongster aber wohl noch zu unerfahren.

FC Liverpool: Das kommt auf den Trainer zu

Mané weg, Núñez da. Zwar ist der Neuzugang positionstechnisch kein Eins-zu-Eins-Ersatz zum abgewanderten Leistungsträger, dafür eröffnet Núñez Trainer Klopp völlig neue Möglichkeiten.
Der Mittelstürmer sorgt dafür, dass Liverpool im Angriff noch variabler und unausrechenbarer ist als zuvor. Musste Klopp lange ohne "echte Neun" auskommen, kann er mit Núñez nun auf einen Zielspieler im Zentrum zurückgreifen.
In diesem Fall müsste er seine bisherige, ziemlich erfolgreiche Philosophie freilich ändern. Es wird die große Aufgabe von Klopp und dem Trainerteam sein, den kostspieligen Hoffnungsträger bestmöglich ins Spiel einzubinden.
Wenn das gelingt, sind die Reds in dieser Saison noch gefährlicher.
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