Kevin De Bruyne als Sinnbild für die Krise von Manchester City - das steckt hinter der Degradierung des Belgiers
VonThomas Gaber
Update 04/12/2024 um 12:14 GMT+1 Uhr
Kein Spieler wird mit den Erfolgen von Manchester City so eng in Verbindung gesetzt wie Kevin De Bruyne. Der Belgier war über viele Jahre Stamm- und Führungsspieler unter Trainer Pep Guardiola. Doch nach einer verletzungsbedingten Zwangspause ist De Bruyne plötzlich nur noch Ergänzungsspieler - und das Verhältnis zu Guardiola offenbar abgekühlt. Der Coach wehrt sich gegen diese Darstellung.
Guardiola und City in der Krise: "Sollen wir die ganze Zeit weinen?"
Quelle: Perform
Neulich in Lissabon lieferte sich Kevin De Bruyne ein Wortgefecht mit Pep Guardiola. Sechs Minuten vor Schluss wurde De Bruyne beim Champions-League-Spiel von Manchester City bei Sporting Lissabon eingewechselt - beim Stand von 1:4 aus City-Sicht.
Es war das Comeback des Belgiers nach mehrwöchiger Zwangspause infolge einer Verletzung des Beinbeugermuskels und es kam einer Demütigung gleich. "Was soll er denn in sechs Minuten bei 1:4 ausrichten? Pep hätte ihn besser nicht mehr gebracht", sagte "Sky"-Experte und Ex-City-Spieler Micah Richards.
Seit seinem Comeback in Lissabon liest sich De Bruynes Minutenbilanz bei City so: 6, 16, 16, 22, 11. Der Mittelfeldspieler ist nur noch Ergänzungsspieler, obwohl er vor etwa 14 Tagen signalisierte, endgültig beschwerde- und schmerzfrei zu sein.
Mit dem am Knie verletzten Rodri fehlt den Skyblues bereits der Kopf der Mannschaft. Vor diesem Hintergrund und angesichts der anhaltenden Misserfolgsserie wirft Guardiolas Umgang mit De Bruyne, über Jahre Führungsspieler und von Guardiola stets in den höchsten Tönen gelobt, Fragen auf.
Gary Lineker: Da ist etwas im Busch
"Warum spielt der wahrscheinlich beste Spieler der Premier League der letzten zehn Jahre immer nur zehn Minuten?", stellte TV-Experte Gary Neville in seinem Podcast in den Raum.
Neville weiter: "Wir wissen, dass er Verletzungen hatte, aber warum ist er nicht dabei? Er ist ein Anführer, er hat Autorität und Selbstvertrauen." Die Conclusio der ManUnited-Legende: "Es muss etwas vorgefallen sein in der Kabine."
Gary Lineker äußerte sich im Podcast "The Rest ist Football" in ähnlicher Form: "De Bruyne spielt immer nur fünf oder zehn Minuten und kommt rein, wenn die Spiele schon verloren sind. Ich bin kein City-Insider, aber es deutet vieles für mich hin, dass da etwas im Busch ist zwischen De Bruyne und Guardiola."
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De Bruyne und Guardiola holten gemeinsam 15 Titel für Manchester City
Fotocredit: Getty Images
Pep Guardiola über De Bruyne: "Er wird ehrlich sein"
Lineker bezieht sich dabei auch auf Aussagen beider hinsichtlich De Bruynes ungeklärter Zukunft bei City. Der Vertrag des Spielers läuft zum Saisonende aus und De Bruyne beteuerte zuletzt, dass es bislang keinerlei Gespräche mit dem Verein über eine Vertragsverlängerung gegeben habe.
"Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie es weitergeht. Ich bin nicht allzu besorgt, es gibt keine Eile. Ich will einfach nur wieder guten Fußball spielen. Wenn es keine Gespräche gibt, wird es mein letztes Jahr hier, aber ich weiß es nicht", so De Bruyne.
Guardiola spielte den Ball wiederum in die Hälfte des Belgiers zurück: "Ich bin mir sicher, dass Kevin ehrlich sein wird. Er wird nach dieser oder der nächsten Saison hier aufhören wollen. Ich glaube nicht, dass er bleiben wird, wenn er das Gefühl hat, dass er nicht mehr der Kevin sein kann, der dem Team so helfen kann, wie er es in den letzten zehn Jahren getan hat."
Guardiolas Äußerung und der aktuelle Status von De Bruyne als Einwechselspieler suggerieren, dass der Spieler verzichtbar geworden ist für den Coach.
Guardiola weist Probleme mit De Bruyne ins Reich der Fabeln
Gegen die Darstellung, er habe ein Problem mit De Bruyne, setzte sich Guardiola indes vehement zur Wehr. "Glauben Sie ernsthaft, dass ich nicht gerne mit Kevin spiele?", fragte er die Reporter auf der Pressekonferenz vor dem Ligaspiel gegen Nottingham Forest (20:30 Uhr im Liveticker) und gab gleich eine sarkastische Antwort.
"Nein, ich will nicht, dass Kevin spielt. Der Typ, der im letzten Drittel das meiste Talent hat. Ich will ihn nicht. Ich habe nach neun gemeinsamen Jahren ein persönliches Problem mit ihm", meinte Guardiola beißend.
Er könne nicht anders handeln, als mit De Bruyne behutsam umzugehen, was dessen Einsatzzeit betrifft. "Er hatte in der Vergangenheit Verletzungen, schwierige und lange Verletzungen. Er ist ein Typ, der für seinen Platz und seine Energie körperlich fit sein muss. Aber er braucht Zeit, um sein Bestes zu geben. Wie letzte Saison, Schritt für Schritt", verdeutlichte der Coach.
Generell startete Guardiola nach der 0:2-Pleite in Liverpool eine Charmeoffensive: "Als ich als Kind in Schwierigkeiten war, haben mich meine Mama und mein Papa nie im Stich gelassen, sondern waren immer da. Und jetzt habe ich das Gefühl, dass ich für die Spieler da sein will."
Ob "Daddy" Pep damit Erfolg hat, wird sich am Mittwochabend gegen Nottingham zeigen, wenn Manchester City versuchen wird, der Negativspirale endlich zu entkommen.
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