Timo Werner kämpft bei Tottenham Hotspur um seine Karriere - Trainer-Verriss setzt die RB-Leihgabe unter Druck

Es kommt selten vor, dass Trainer ihre Spieler metaphorisch unter den Bus werfen, wie man in England sagt ("to throw someone under the bus"). Timo Werner musste die leidige Erfahrung machen, als Tottenham-Coach Ange Postecoglou Leipzig-Leihgabe auf einer Pressekonferenz anzählte und von einer "inakzeptablen Leistung" sprach. Eine Schelte, die nachhallte und verdeutlicht, worum es für Werner geht.

Tottenham-Coach poltert gegen Werner: Leistung "inakzeptabel"

Quelle: Perform

Gäbe es die olympische Disziplin des Zurückruderns, Ange Postecoglou, seines Zeichens Tottenham-Trainer, wäre ein veritabler Kandidat aufs begehrte Edelmetall.
Das, was er wenige Tage zuvor über seinen Spieler Timo Werner gesagt hatte, wollte der Australier plötzlich nicht mehr als Kritik verstanden wissen: "Kritik bedeutet, etwas zu sagen, das nicht wirklich hilfreich ist, sondern nur als Ausrede benutzt wird", erklärte er auf einer Pressekonferenz, als er mit der heftigen Verbalattacke gegen die Leihgabe von RB Leipzig konfrontiert wurde.
Zum Hintergrund: Postecoglou hatte Werner im Anschluss an das 1:1-Unentschieden am vergangenen Donnerstag in der Europa League gegen die Glasgow Rangers öffentlich angezählt, von einer "inakzeptablen Leistung" des Deutschen in der ersten Halbzeit gesprochen.
Werner, der sich satte 16 Ballverluste leistete und keinen seiner fünf Zweikämpfe gewann, hatte laut Postecoglou "nicht annähernd auf dem Level gespielt, wie er es eigentlich sollte", und war dementsprechend in der Kabine geblieben.

Postecoglou bemüht Kriegsrhetorik

Wenn das keine Kritik sein sollte, dann möchte man als Postecoglou-Schützling wohl nicht wissen, wie sich ein echter Tadel aus dem Mund des 59-Jährigen anhört. Werner diente offenbar nur als Blitzableiter, wie der Spurs-Manager mit ein paar Stunden Abstand klarstellte.
"Glauben Sie, dass Menschen, die sich in einem Kampf oder einer Schlacht befinden, herumgehen und fragen: 'Wie geht es ihnen heute? Fühlst du dich bereit dafür?' Du hast keine Wahl, Kumpel, du musst bereit sein", fragte Postecoglou mit reichlich Pathos.
Er führte aus: "Ich verstehe, dass sich alles um Timo dreht, aber Timo ist nicht das, was unsere Saison ausmacht. Es geht darum, wer wir sind, in der Situation, in der wir gerade sind."
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Ange Postecoglou hatte Timo Werner angezählt

Fotocredit: Getty Images

Besagte Situation stellte sich vor dem Duell mit Premier-League-Schlusslicht Southampton am vergangenen Sonntag heikel dar. Nach 15 Ligaspielen rangierten die ambitionierten Nord-Londoner nur auf Platz elf, wettbewerbsübergreifend wurde lediglich eines der letzten acht Spiele gewonnen.

Werner bei Kantersieg außen vor

Das souveräne 5:0 gegen Southampton polierte die Bilanz insgesamt etwas auf, für Werner war die Begegnung allerdings nach der Schelte der nächste - um bei Postecoglous Kriegsrhetorik zu bleiben - Schuss vor den Bug.
Obwohl die Lillywhites bereits zur Halbzeit 5:0 in Front lagen und die völlig harmlosen Saints keinerlei Comeback-Anstalten machten, schmorte der gebürtige Stuttgarter 77 Minuten auf der Bank. Großartig Eigenwerbung vermochte Werner nicht zu betreiben. Lediglich zehn Ballaktionen standen am Ende zu Buche, seinen einzigen Zweikampf verlor er.
Ein sinnbildlicher Auftritt im Tottenham-Trikot, das er bereits seit Januar dieses Jahres trägt. Nachdem ihm in der Rückrunde der vergangenen Saison immerhin noch drei Vorlagen und zwei Tore in 13 Premier-League-Partien gelungen waren, steht Werner in der laufenden Spielzeit bei der gleichen Anzahl (zehnmal davon als Joker) von Ligaeinsätzen noch bei null Treffern.
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Timo Werner

Fotocredit: Getty Images

Sein einziges Pflichtspieltor steuerte er im Carabao Cup beim 2:1-Sieg gegen Manchester City bei. Maue Zahlen, die ein wenig den jüngsten Karriereverlauf widerspiegeln. Seit seinem 53 Millionen Euro schweren Wechsel von RB Leipzig, für das er in 159 Spielen 95 Mal geknipst hatte, zum FC Chelsea 2020 stagniert der einst verheißungsvolle Werdegang.

Englische Presse wettert gegen Werner

Seine Rückkehr zu den Roten Bullen zwei Jahre später brachte nicht den gewünschten Aufschwung, der abermalige Transfer in die englische Hauptstadt, diesmal zu Tottenham, sollte wieder neuen Elan entfachen. Schon zu Beginn seines zweiten Insel-Engagements zerriss die britische Presse den Offensivmann in der Luft.
"Warum hat Tottenham den 53 Millionen Euro teuren Blindgänger Timo Werner verpflichtet", schrieb beispielsweise die "Daily Mail" im Januar. Die Analyse des Blattes: "Der deutsche Stürmer war bei Chelsea unreif und unnahbar, aber Ange Postecoglou glaubt, dass er ihn befreien kann."
Die Boulevardzeitung "The Sun" verwies auf die mangelnde Konstanz, die Werner während seiner Zeit bei den Blues an den Tag gelegt hatte und die "BBC" erinnerte daran, dass Werners Chelsea-Tore häufig wegen Abseitsstellungen nicht gezählt hätten.
Postecoglous Befreiungsversuch scheint zu scheitern, dass Werner über den Sommer hinaus bei den Spurs bleibt (der Verein besitzt eine Kaufoption über zwölf Millionen Euro) erscheint unter den derzeitigen Umständen nahezu ausgeschlossen. Mit 28 Jahren im besten Fußballeralter steht der 57-malige Nationalspieler am Scheideweg.

Werner kämpft um die Karriere

Allerspätestens im Sommer kämpft Werner um seine weitere Karriere. Vertraglich ist er noch bis 2026 an Leipzig gebunden, ob die Zusammenarbeit zwischen den Sachsen und dem Angreifer bis dahin hält, ist aber durchaus fraglich. Ein vorzeitiger Abbruch des Leihgeschäfts, wie nach Postecoglous Rundumschlag spekuliert wurde, steht laut "Sky" nicht zur Debatte.
Auch Werner-Kritiker Postecoglou wurde diesbezüglich deutlich: "Wir brauchen jeden, einschließlich ihn, um zu helfen, weil wir nicht die Tiefe im Kader haben, um Leute draußen zu lassen, wenn sie schlecht spielen."
Sonderlich ermutigend klingt das zwar nicht, vielleicht lösen ebenjene Worte oder Postecoglous Schlachtvergleich aber einen Jetzt-erst-recht-Effekt bei Werner aus. Es wäre durchaus an der Zeit.
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Quelle: Perform


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