Tottenham Hotspur taumelt Abstieg entgegen: Fehlentscheidungen führen zum Kollaps - Spurs erleben Albtraum

Seit mittlerweile eineinhalb Jahren steckt Tottenham Hotspur in einem Negativstrudel sondergleichen fest - und taumelt nun dem ersten Abstieg seit 1977 entgegen. Der Nackenschlag am Donnerstagabend gegen Crystal Palace gilt als Symbolbild einer beispiellosen Talfahrt, die Zahlen sind eine Bilanz des absoluten Schreckens. Der Glaube scheint selbst den leiderfahrenen Fans abhandengekommen zu sein.

João Palhinha und Tottenham Hotspur stecken mitten im Abstiegskampf

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"Es mag komisch klingen: Aber nach diesem Spiel glaube ich mehr daran als zuvor. Ich habe etwas gesehen", meinte Trainer Igor Tudor nach der 1:3-Pleite gegen Crystal Palace im Interview mit TNT Sports.
Eine Aussage, welche allemal mit dem einst "schockverliebten" Thomas Tuchel mithalten kann, aufgrund des Zeitpunkts jedoch offenbart: Bei Tottenham Hotspur wird sich zurzeit an jeden noch so dünnen Strohhalm festgeklammert. Die Realität in Nordlondon ist nämlich düster.
Ein mickriger Punkt trennt die Spurs vom ersten Abstiegsplatz, in diesem Kalenderjahr sammelten sie nur vier Punkte in der Premier League. Der letzte Sieg? Am 28. Dezember.
Vor dem Nackenschlag gegen Crystal Palace gab der Datendienstleister Opta dem Abstieg von Tottenham eine Chance von acht Prozent, mittlerweile schoss die Wahrscheinlichkeit auf 14 Prozent in die Höhe. Der erste Abstieg seit 1977 ist längst kein weit entfernter Albtraum mehr. Aus den einst unerschütterlichen "Big Six" drohen nun die "Big Five" zu werden.

Schlecht, schlechter, Tottenham: Glaube sieht anders aus

"Ich habe einiges an guter Energie, etwas Kampfgeist und Leidenschaft gesehen", so Tudor, der sein Amt Mitte Februar vom geschassten Thomas Frank übernommen hatte. "Wir haben noch neun Spiele vor uns."
Neun Spiele, in welchen der kroatische Übungsleiter das Ruder schnellstmöglich herumreißen muss. Das Problem: Das klubinterne Vertrauen in Tudor ist nach seinen drei Pleiten zum Einstieg gegen Arsenal (1:4), Fulham (1:2) sowie Crystal Palace (1:3) längst verpufft. Den Fans geht es mit ihrem Herzensverein nicht anders.
Schon zur Pause verließen am Donnerstagabend hunderte Anhänger das Tottenham Hotspur Stadium. Das Sieben-Minuten-Tief kurz vor der Pause, in welchem Palace einen 0:1-Rückstand in eine 3:1-Führung ummünzte, brach selbst die mittlerweile leiderfahrenen Fans. Glaube sieht anders aus. Bei den Zahlen möchte man es ihnen aber nicht verdenken.
Zum ersten Mal seit 2004 verlor Tottenham fünf Ligaspiele in Folge, in den zurückliegenden neun Partien kassierten sie mindestens zwei Tore. Zudem sammelten sie in dieser Saison zu Hause nur zehn Punkte. In den obersten vier Spielklassen Englands ist nur Sheffield Wednesday noch schlechter.
Der Klub aus South Yorkshire ist jedoch kein Verein, dessen Gesellschaft man suchen sollte: Der Abstieg von Sheffield in die dritte Liga steht nämlich bereits seit Februar fest - so früh wie noch nie in der Geschichte der zweitklassigen EFL Championship.

Tottenham: Vor zehn Jahren noch Fast-Meister

Es ist eine tragische Talfahrt, die Tottenham in den vergangenen zehn Jahren - seit dem historischen Meisterrennen mit dem späteren Champion Leicester City - hingelegt hat.
Wie bei den gefallenen Giganten wie Manchester United oder auch Juventus Turin gibt es auf diesem Zeitstrahl nicht den einen großen Knackpunkt. Vielmehr sind es unzählige kleine Fehlentscheidungen, welche das Kartenhaus in der Summe einstürzen lassen.
Der erste Nährboden für die heutige Tragödie war ausgerechnet die Transferpolitik in den erfolgreichsten Jahren. In der Saison 2018/19 standen die Spurs im Finale der Champions League - doch in diesem Zeitraum ließ der damalige Präsident Daniel Levy keine tiefgreifenden Veränderungen zu. So hätten mit den Verkäufen von Christian Eriksen oder auch einem aufstrebenden Dele Alli eine neue, schlagkräftigere Truppe finanziert werden können.
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Igor Tudor kämpft mit Tottenham gegen den Abstieg an

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Doch Tottenham ließ sich blenden und wehrte sich gegen einen solchen Zyklus. Der Status war Levy jedoch wichtiger, sein Verein sollte kein "selling club" sein.
Auf Erfolgstrainer Mauricio Pochettino folgte mit José Mourinho im Jahre 2019 ein Fehlgriff auf der Trainerbank, die innerhalb weniger Jahren auch von Nuno Espírito Santo, Antonio Conte, Ange Postecoglou und zuletzt Thomas Frank erfolglos besetzt wurde. Jedes Jahr wurde dem Klub mindestens eine neue DNA, eine neue Spielphilosophie eingepflanzt.
Der wohl größte Fehler der jüngeren Vergangenheit: Nach den Abgängen von Harry Kane und Heung-Min Son, den Symbolbildern der schillernden 2010er-Jahre, wurde zu keinem Zeitpunkt um adäquate Nachfolger gekämpft.

Die Spurs und das Paradoxon Champions League

In der vergangenen Saison wurde über das Abstiegsszenario noch gescherzt - und das aus zwei Gründen. Zum einen gewann Tottenham die Europa League und qualifizierte sich so als Tabellen-17. für die Champions League. Zum anderen waren die drei Absteiger in der Premier League so schlecht, dass man die Spurs nie damit in Verbindung gebracht hätte.
Nun steckt der Klub noch viel tiefer in der Misere drin und liefert sich mit Nottingham Forest (17./28 Punkte) und West Ham (18./28) einen erbitterten Abstiegskampf.
Paradox: In der Ligaphase der Champions League reichte es übrigens zu Platz vier, im Achtelfinale am Dienstag wartet Atlético Madrid (ab 21:00 Uhr im Liveticker). Eine unwillkommene Ablenkung.
Zwischen Hin- und Rückspiel steht in der Liga das Auswärtsspiel bei Titelverteidiger FC Liverpool an (15. März, 17:30 Uhr). Mit einer Niederlage könnten sie erstmals in dieser Saison auf einen Abstiegsplatz abrutschen. Eine Woche später folgt schließlich der Keller-Gipfel mit Nottingham.
Es sind Wochen der Wahrheit in Nordlondon, Tottenham wankt gefährlich in Richtung Zweitklassigkeit - und das alles während Erzrivale Arsenal seiner ersten Meisterschaft seit 22 Jahren entgegeneilt.
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Quelle: Perform


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