Hamburger SV fühlt nach dem verpassten Aufstieg in die Bundesliga totale Leere: "Das ist halt scheiße"

Der Traum von der Bundesliga-Rückkehr ist für den Hamburger SV erneut geplatzt. Der stolze Traditionsklub blickt nach dem verlorenen Relegationsduell gegen Hertha BSC einer fünften Zweitliga-Saison entgegen. Das abermalige Scheitern hinterlässt Spuren bei den Hamburgern, doch Verantwortliche und Spieler glauben, dass sie trotz der Enttäuschung gestärkt aus den Relegationsspielen hervorgehen.

Der HSV verpasste auch im fünften Anlauf den Aufstieg in die Bundesliga

Fotocredit: Imago

Von Oliver Jensen
Alles war vorbereitet, um eine große Aufstiegsparty zu feiern. 55.000 Zuschauer sorgten für Gänsehautstimmung im ausverkauften Volksparkstadion.
HSV-Ikonen wie David Jarolim oder Guy Demel wünschten der Mannschaft per Videobotschaft Glück. Weitere Vereins-Legenden wie Horst Hrubesch oder Manfred Kaltz waren im Stadion, um die erhoffte Rückkehr des Hamburger SV in die Bundesliga mitzuerleben. Doch Hertha BSC wusste das zu verhindern.
"Am Ende waren es zwei Standardtore, die den Unterschied ausgemacht haben“, bedauerte HSV-Mittelfeldspieler Jonas Meffert.
Anga Dedryck Boyata traf in der 4. Spielminute nach einem Eckball per Kopf, Marvin Plattenhardt in der 63. Minute per Freistoß. Nachdem Hamburg das Hinspiel mit 1:0 gewann, zerstörte die 0:2-Niederlage den Traum vom Aufstieg. "Wir hatten ganz andere Pläne. Dass wir es nicht geschafft haben, ist halt scheiße", bedauert Kapitän Sebastian Schonlau.

Stadionsprecher macht HSV-Fans vergeblich heiß

Das Spiel war noch längst nicht beendet, als einige Fans auf der Tribüne bereits Tränen verdrückten. "Die Jungs brauchen euch jetzt, wir holen uns das Tor zusammen“, rief der Stadionsprecher, um das Publikum noch einmal zu motivieren.
Doch die Gänsehaut-Atmosphäre war verflogen. Genauso wie das Selbstvertrauen der Hamburger Spieler, die zuvor mit sechs Siegen in Folge eine beachtliche Erfolgsserie hingelegt hatten.
"Es tut mir leid für die Stadt Hamburg und für die Fans. Die hätten den Aufstieg verdient gehabt“, sagt Meffert. "Das tut heute weh und wird auch morgen noch weh tun."

Walter: "Nicht die bessere, sondern die glücklichere Mannschaft hat gewonnen"

Auch Trainer Tim Walter konnte die Enttäuschung nicht verbergen: "Wir werden wieder aufstehen. Aber momentan ist einfach nur totale Leere."
Nach Abpfiff war er nicht mehr als Trainer gefordert, sondern vielmehr als Tröster. Mit seinen drei Kindern verschwand er in die Kabine. Seine beiden Töchter Maxima und Lara konnten die Tränen nicht mehr zurückhalten und schluchzten bitterlich.
Auch die Spieler benötigten aufmunternde Worte. "Meine Spieler sind auch meine Kinder. Ist ja klar, dass man die auch tröstet", sagt Walter. Auf das Spiel wollte er nicht allzu groß eingehen, stellte allerdings klar: "Kleinigkeiten haben den Unterschied ausgemacht. Nicht die bessere, sondern die glücklichere Mannschaft hat gewonnen." Immer wieder sagte Walter: "Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft."

HSV wird wieder der große Name in der Zweiten Liga sein

Nachdem der HSV in den vergangenen drei Spielzeiten stets auf dem vierten Tabellenplatz gelandet war, war die Saison 2021/2022 die erfolgreichste Zweitliga-Spielzeit der Vereinsgeschichte.
"Wir haben das geschafft, was wir in den letzten drei Jahren nicht geschafft haben", sagt HSV-Vorstand Dr. Thomas Wüstefeld. "Wir sind zumindest in die Relegation gekommen. Natürlich wären wir sehr gerne aufgestiegen. Aber das Glück war einfach nicht auf unserer Seite. Berlin hat Einzelspieler, die den Unterschied ausgemacht haben."
Nun blickt der HSV einer fünften Spielzeit in der 2. Bundesliga entgegen. Der Druck, endlich den Aufstieg schaffen zu müssen, wird den Verein weiter begleiten. Da sich der FC Schalke 04 und der SV Werder Bremen in die Bundesliga verabschiedet haben, mit der SpVgg Greuther Fürth und Arminia Bielefeld allerdings keine Schwergewichte abgestiegen sind, wird der HSV der große Name der Zweiten Liga sein - wieder einmal.

HSV-Vorstand verspricht: "Wir greifen wieder an"

"Niemand muss sich um uns Sorgen machen. Die Mannschaft kommt immer wieder zurück. Dass das auch im nächsten Jahr so sein wird, steht außer Frage", stellte Schonlau klar.
Auch Meffert gibt sich bei aller Enttäuschung optimistisch. "Ich bin sicher, dass die Mannschaft stärker zurückkommen wird", sagte er und setzt vor allem auf den Zusammenhalt mit den Fans: "Die Stimmung war unfassbar - heute, in Berlin, in Rostock oder auch gegen Hannover. Wäre immer so eine Stimmung gewesen, hätten wir wohl ein paar Punkte mehr geholt. Leider war das wegen Corona nicht möglich."
Wüstefeld glaubt, dass die Mannschaft Positives aus der Saison ziehen kann: "Wir waren schon abgeschrieben. Aber die Mannschaft hat sich gefunden und stabilisiert. Sie hat gezeigt, dass sie in sich kompakt steht. Wir sehen die Fans, wir sehen das Umfeld. Wir greifen wieder an. Wir sind ein Team und sehen zu, dass wir mit Volldampf in die nächste Saison gehen."
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Quelle: Perform

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