Atalanta Bergamo | Sportdirektor Giovanni Sartori: So geht der Klub mit der Corona-Krise um
Vor knapp einer Woche gelang Atalanta Bergamo mit dem Einzug ins Champions-League-Viertelfinale der größte Erfolg der Vereinsgeschichte - doch zum Feiern ist niemandem zumute. Bergamo liegt in der Lombardei und damit in einer der vom Coronavirus am schlimmsten betroffenen Regionen. Wie der Klub damit umgeht, schildert der technische Direktor Giovanni Sartori bei Eurosport.
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"Ich kann nicht sagen, dass es mir schlecht geht, denn ich bin bei guter Gesundheit - aber wir leben in einer sehr komplizierten Situation", schickt Giovanni Sartori im Telefon-Interview mit Eurosport voraus.
Der Technische Direktor befindet sich, wie die gesamte Stadt Bergamo und ganz Italien, in Quarantäne. Das Leben in der 120.000-Einwohner-Stadt steht nahezu still.
Als die Ausgangssperre verhängt wurde, befand sich die Mannschaft von Atalanta bereits in Spanien - und gewann nach dem 4:1-Erfolg im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League auch das Rückspiel beim FC Valencia mit 4:3.
Ein Riesenerfolg, schon in seiner ersten Champions-League-Saison steht der Klub im Viertelfinale. "Atalanta, danke für diese Freude. Die hatten wir gebraucht", twitterte daraufhin Bürgermeister Giorgio Gori, der zuhause in der Heimat die größte Aufgabe seiner Laufbahn meistern muss.
"Wir haben die Situation zunächst unterschätzt"
Ein Schock für Atalanta waren allerdings die Nachrichten, die fünf Tage nach der Partie aus Spanien kamen. Am Sonntag vermeldete der FC Valencia fünf Coronafälle im Verein, inzwischen ist die Zahl weiter gestiegen. "Infolgedessen müssen wir obligatorisch bis zum 24. März in Quarantäne, da wir gegen den spanischen Klub am 10. März angetreten sind", erklärt Sartori. Der Sportdirektor unterstreicht, wie drastisch die Maßnahmen sind:
Es habe gedauert, bis die Bevölkerung die Situation angenommen habe. "Wir haben die Situation zunächst unterschätzt", berichtet Sartori: "Als die Quarantäne-Anordnung durch den Staat (9. März, Anm. d. Red.) bekanntgegeben wurde, kamen wir aus einem Wochenende, an dem alle draußen waren, spazieren gingen, in den Parks waren. Nicht jeder erkannte den Ernst der Lage. Jetzt versteht jeder, was wir durchleben. Es gibt mehr als 2000 Tote im Land, darunter etwa 1200 nur in der Region Lombardei, die das Epizentrum darstellt."
"Nur noch mit Schutzmasken und Handschuhen"
Die Spieler, Trainer, Betreuer und Funktionäre von Atalanta hatten schon in Valencia ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Sartori erinnert sich im Gespräch mit Eurosport:
Die Realität in Bergamo holte die Mannschaft indes schnell ein. "Wir dürfen das Haus nur verlassen, wenn wir Einkäufe erledigen müssen. Das darf man leider nur noch mit Schutzmasken und Handschuhen", erzählte Außenverteidiger Robin Gosen vor ein paar Tagen im "ZDF".
Man habe "Geschichte geschrieben und kommt in eine Geisterstadt". Der deutsch-niederländische Profi muss sich nun zuhause fit halten für eine eventuelle Fortsetzung der Saison.
Eine schwierige Aufgabe, sowohl aus psychischer als auch praktischer Sicht. Die Spieler, erläutert Sartori, hätten nicht alle "die Möglichkeit, auf Laufbändern oder anderen Geräten zu trainieren". Das Trainerteam um Chefcoach Gian Piero Gasperini habe zwar jedem einen Plan für die Quarantäne-Zeit mitgegeben, die Umsetzung sei mitunter aber schwierig. Ein Mindestmaß an Erwartungen hat Atalanta aber dennoch an seine Profis, wie Sartori erklärt:
Das Klubgelände mit all' seinen Einrichtungen ist längst komplett geschlossen, weshalb Sartori nun versucht, seine Geschäfte aus der Quarantäne heraus zu führen.
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"Wir organisieren die Administration von zuhause aus, angefangen beim Präsidenten. Wir rufen uns regelmäßig an, wir nutzen auch täglich Skype und versuchen, mit der Außenwelt in Kontakt zu bleiben", gibt der 62-Jährige Einblick in seinen neuen Arbeitsalltag, in dem er vor allem eines sein muss: flexibel. "Die Dinge können sich hier von Stunde zu Stunde verändern."
Sartori wird auch in den kommenden Wochen alles tun, um Atalanta Bergamo für die Zeit nach der Krise zu rüsten - die Prioritäten aber haben sich verschoben: "Natürlich denken wir an Atalanta, unseren Verein, aber alle unsere Gedanken gehen auch an die Ärzte, das Gesundheitspersonal und die betroffenen Familien. Der Fußball nimmt den zweiten Platz ein."
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