Drei Dinge, die auffielen: Löw macht sich das Leben schwer
Der Bann ist gebrochen: Die deutsche Nationalmannschaft hat mit einem 2:1-Sieg gegen die Ukraine den ersten Dreier in der Nations League eingefahren. Der Premierensieg war jedoch ein hartes Stück Arbeit, was auch an der taktischen Ausrichtung von Bundestrainer Joachim Löw lag. So waren es Matthias Ginter und Julian Draxler, die einer fehleranfälligen DFB-Elf Leben einhauchten. Was uns auffiel.
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1. Ginter küsst DFB-Elf nach Harakiri wach
Gerade einmal wenige Sekunden waren im Olympiastadion zu Kiew gespielt, da dürfte Joachim Löw gleich ordentlich der Puls nach oben gegangen sein. Gleich bei der ersten Offensivaktion seiner Mannschaft leistete sich sein Schützling Serge Gnabry einen gravierenden Patzer im Spielaufbau. Dabei hatte der Bundestrainer vor der Partie am dritten Spieltag der Nations League gegen die Ukraine vor etwaigen Fehler explizit gewarnt.
"Im Laufe des letzten Spiels (3:3 im Testspiel gegen die Türkei; Anm. d. Red.) haben wir uns nicht mehr so angeboten und viele Bälle verloren. Da müssen wir die Organisation behalten", hatte Löw am "ARD"-Mikrofon gefordert.
Doch auch beim 2:1-Erfolg gegen die Ukraine war der Fehlerteufel ständiger Begleiter im Aufbauspiel der deutschen Nationalmannschaft. Nach gerade einmal vier Minuten standen bereits drei leichtfertige Ballverluste auf dem Statistikbogen, was dem zuletzt arg angekratzten Selbstvertrauen der Löw-Elf nicht gerade half.
Besonders im Spielaufbau taten sich die Gäste im ersten Durchgang gegen die gut gestaffelte ukrainische Defensive schwer. Immer wieder verschleppten Toni Kroos, Joshua Kimmich und Co. das Tempo und konnte so kaum Zug zum gegnerischen Tor entwickeln.
"Wir wissen, dass wir nicht die Sterne vom Himmel gespielt haben. Wir hatten gerade in der ersten Halbzeit sehr viele einfache Ballverluste", haderte Matthias Ginter nach dem Spiel.
Es überraschte daher kaum, dass ausgerechnet eine Standardsituation für die DFB-Führung herhalten musste: Nach einer sehenswerten Einzelaktion von Antonio Rüdiger im Anschluss an einen Kimmich-Eckball vollstreckte eben jener Ginter aus kurzer Distanz zur Führung (20.). Ein Tor, fast wie ein Weckruf für die deutsche Mannschaft.
Mit der Führung im Rücken gewann die deutsche Nationalmannschaft merklich an Sicherheit und belohnte sich kurz nach der Pause mit dem zweiten Treffer durch Leon Goretzka (49.). So war es letztlich einzig der mangelnden Chancenverwertung und einem individuellen Fehler von Niklas Süle geschuldet, der zum Anschlusstreffer per Foulelfmeter durch Ruslan Malinovskiy führte (77.), dass die Partie in Kiew überhaupt noch einmal spannend wurde.
"Wir haben es heute mal geschafft, das Spiel über die Runden zu bringen, wir hätten es auch schon vorher entscheiden können. Die Ukraine hat die Räume eng gemacht, wir hatten das Spiel die ganze Zeit unter Kontrolle, mussten es aber eigentlich eher beenden", konstatierte Serge Gnabry.
2. Löw macht sich das Leben selbst schwer
Ausgerechnet Ex-DFB-Kapitän Schweinsteiger fand nach dem Zittersieg in Kiew deutliche Worte.
"Ich persönlich denke, dass wir heute nicht immer fünf Verteidiger gebraucht hätten. Ich vermisse manchmal ein wenig die Aktivität der Innenverteidiger mit dem Ball. Manchmal holt sich Toni (Kroos; Anm. d. Red.) oder Joshua (Kimmich; Anm. d. Red.) dadurch sehr tief den Ball und wir haben dann einen Spieler weniger im nächsten Drittel. Ich glaube, dass man da sicher noch ein wenig Spielraum hat, um sich das Leben leichter zu machen", betonte der 36-Jährige in der "ARD" und traf damit den Nagel auf den Kopf.
Tatsächlich startete die deutsche Mannschaft aus einer ungewohnt defensiven Grundordnung gegen einen arg gebeutelten Gegner (14 Spieler fehlten aufgrund von Corona-Infektionen und Verletzungen) und ließ es dabei doch an Risikobereitschaft und vor allem Kreativität vermissen.
Mit Serge Gnabry und Julian Draxler bot Löw gerade einmal zwei reine Offensivspieler auf, die sich im Laufe der Partie immer wieder weit ins Mittelfeld zurückfallen ließen. Die Folge waren lediglich sechs Torschüsse im ersten Durchgang. Auf der anderen Seite des Platzes ließ man dafür allerdings wenig zu (nur drei Torschüsse).
"Insgesamt waren wir defensiv schon sehr stabil und haben den Ukrainern aus dem Spiel heraus kaum eine Torchance zugestanden", lobte Löw die Defensivleistung seines Teams.
Jedoch ging eben jene defensive Grundordnung zulasten der Offensive, die sich über weite Strecken mühte. Erst nach der Pause entwickelte der Weltmeister von 2014 mehr Drang nach vorne.
Letztlich gibt der Erfolg Löw aber zweifelsohne recht, auch wenn die DFB-Elf alles andere als eine Galavorstellung ablieferte. Aufgrund der Kritik der vergangenen Tage war dies aber auch kaum zu erwarten. "Wir sind froh, dass wir gewonnen haben, das war wichtig. Auf unserem weiteren Weg helfen nur Siege", resümierte Ginter.
3. Draxler empfiehlt sich für weitere Aufgaben
Es hätte im Nachhinein wohl niemand von einem Zittersieg gesprochen, hätte Draxler nur wenige Minuten nach der Halbzeit im Anschluss an eine sehenswerte Kombination über die Stationen Ginter und Gnabry mit dem dritten deutschen Treffer für die Vorentscheidung gesorgt - doch der 27-Jährige vergab freistehend vor Keeper Georgi Bushchan.
Jene Szene in der 51. Minute stand fast schon stellvertretend für den Auftritt von Draxler am Samstagabend. Der ehemalige Schalker war einer der Lichtblicke und zweifelsohne ein belebendes Element im deutschen Offensivspiel, jedoch fehlte ihm im entscheidenden Moment wie einigen seiner Kollegen der letzte Punch.
Trotzdem sorgte er mit seinen Dribblings vor dem ukrainischen Tor immer wieder für Gefahr und konnte letztlich nach Gnabry die meisten Torschüsse (drei) und den Bestwert in Sachen Torschussvorlagen (ebenfalls drei) verbuchen. Einzig ein Treffer wie beim 3:3 (1:0) im Test gegen die Türkei wollte ihm nicht gelingen.
"Ich denke, seine Leistung war okay. Ich halte ihn für einen sehr guten Spieler, der mit Sicherheit auch in Paris mit einer sehr guten Mannschaft spielt, wo er sich durchsetzen und weiterentwickeln muss. Ihm tun die Minuten gut. Man sieht, welche Qualitäten er hat. Die Eins-gegen-Eins-Situation - das kann er und ich würde gerne noch mehr sehen davon", nahm "ARD"-Experte Schweinsteiger seinen ehemaligen Nationalmannschaftskollegen in die Pflicht.
Die Möglichkeit, seine unbestrittenen Fähigkeiten unter Beweise zu stellen, sollte Draxler dabei recht zeitnah wieder bekommen.
"Ich werde nicht viel ändern in der Startaufstellung", antwortete Löw auf die Frage, ob es zum Abschluss des Länderspiel Triple-Headers gegen die Schweiz am Dienstag (20:45 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) personelle Veränderungen geben wird - zur Freude von Draxler, der somit aller Voraussicht nach gegen die Eidgenossen erneut die Chance bekommen wird, sich ins Rampenlicht zu spielen.
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Quelle: Perform
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