Drei Dinge, die bei Italien gegen Deutschland auffielen: Bayern-Block schwächelt, Power von der Bank
Publiziert 05/06/2022 um 00:01 GMT+2 Uhr
Deutschland bleibt auch im zehnten Spiel unter Bundestrainer Hansi Flick ungeschlagen. Allerdings reicht es nach dem 1:1 in den Niederlanden auch gegen den zweiten Großen nur zu einem Remis. In Italien fehlte es der DFB-Elf an Lösungen in Ballbesitz und der nötigen Intensität. Außerdem enttäuschte der von Flick bevorzugte Bayern-Block. Dafür machten die eingewechselten Spieler Dampf.
Deutschland spielte gegen Italien 1:1
Fotocredit: Getty Images
Von Andreas Lehner
Die deutsche Nationalmannschaft ist mit einem Unentschieden in die Nations League gestartet. In Bologna kam das Team von Bundestrainer Hansi Flick gegen Italien zu einem 1:1 (0:0).
Die Führung der Italiener durch Lorenzo Pellegrini (70.) glich Joshua Kimmich quasi im Gegenzug (73.) aus. Gegen eine runderneuerte italienische B-Elf enttäuschte die DFB-Elf über weite Strecken.
Am Dienstag steht der zweite Spieltag in München gegen England auf dem Programm.
Drei Dinge, die uns beim 1:1 in Italien auffielen.
1.) Keine Lösungen in Ballbesitz
Es ist eher ungewöhnlich, dass Hansi Flick vor einem Spiel so ehrliche Einblicke in seine Pläne gibt wie an diesem Abend in Bologna. Der Bundestrainer erklärte zu seinen personellen Entscheidungen in der Viererkette, dass er Benjamin Henrichs auf rechts die offensivere Rolle zugedacht hatte. Er solle sich höher positionieren und in der letzten Linie mit einer Dreierkette aufgebaut werden.
Das war dann in der ordentlichen Anfangsviertelstunde auch zu sehen, auch wenn die Italiener die Deutschen erstmal machen ließen. Wobei auch in dieser Phase schon erstaunlich war, dass die drei Verteidiger im Aufbau kaum auffächerten und ihre Positionen fast genauso hielten wie in einer Viererkette.
Außer dieser Asymmetrie, die Serge Gnabry immer wieder den Weg ins Zentrum erlaubte, während Leroy Sane einen klareren Linksaußen gab, war wenig von einem planvollen Aufbauspiel zu sehen.
Dass Flicks Mannschaft vor allem dann funktioniert, wenn sie nach Ballgewinnen schnell nach vorne spielen und frei Räume nutzen kann, wurde auch gegen Italien wieder sichtbar. Aber ebenso klar traten die Schwächen im Ballbesitzspiel zutage.
Als die Italiener mit zunehmender Spieldauer mutiger wurden, die Deutschen höher anliefen und den Spielaufbau attackierten, fehlte es an Struktur und Lösungen. Vor allem die sehr mannorientierte Verteidigung machte der DFB-Elf zu schaffen. Weder im Zentrum noch auf den Außen konnten sich die Deutschen in diesen Eins-gegen-eins-Duellen durchsetzen. Die Folge waren viele einfache Ballverluste.
Hinzu kam, dass der deutschen Nationalmannschaft offensichtlich die Optionen fehlten, um auf dieses italienische Pressing mit veränderter Positionierung, schnellerem Passspiel und Seitenverlagerungen zu reagieren. Gerade Joshua Kimmich und Leon Goretzka konnten sich aus der Manndeckung nur schwer befreien. Damit ging auch die Spielkontrolle der Anfangsphase verloren und Italien diktierte über weite Strecken die Partie.
Kimmich machte die insgesamt durchwachsene Leistung an fehlender Intensität und zu vielen einfachen Fehlern fest. Das sah auch Thomas Müller so: „Unser Anspruch ist, dass wir dominanter, zielstrebiger und mit weniger Fehlern nach vorne zu spielen.“
2.) Schwacher Bayern-Block
Inklusive Niklas Süle (noch bis 30.06. unter Vertrag) packte Flick sieben Spieler des FC Bayern in seine Startelf. Auch in der offensiven Dreierreihe hinter dem schwachen Stürmer Timo Werner vertraute der Bundestrainern nur Münchnern: Serge Gnabry, Thomas Müller, Leroy Sane.
Dazu kam noch das defensive Mittelfeld mit Kimmich und Goretzka. Von Automatismen und blindem Verständnis konnte aber nicht die Rede sein. Die DFB-Elf brachte offensiv wenig Zusammenhängendes zustande. Am auffälligsten war noch Gnabry, der ab und an zwischen den Linien anspielbar war und auch von rechts zumindest ein gefährliches Dribbling ansetzen konnte. Allerdings vergab er die beste deutsche Chance der ersten Halbzeit kläglich.
Müller begann in seinem 113. Länderspiel sehr engagiert, fand aber wie die komplette Mannschaft gegen stärker werdende Italiener keine Antwort.
Und Sané? Knüpfte nahtlos an die schwache Rückrunde beim FC Bayern an. Seine Aktionen blieben offensiv wie defensiv in Ansätzen stecken. War im Angriff an keiner nennenswerten Chance beteiligt und defensiv zu oft mit halbherzigen Bewegungen.
3.) Power von der Bank
"Mit diesem Spiel kann man nicht zufrieden sein", stellte Bundestrainer Flick nach der Partie fest. "Das Positive, das ich aber mitnehmen kann: Die Mannschaft ist zurückgekommen und hat nach dem Ausgleich auch auf das 2:1 gespielt."
Die Reaktion postwendend nach dem Gegentreffer (28 Kontakte vom Anstoß bis zum Tor) hatte auch mit den eingewechselten Spielern zu tun. Jonas Hofmann und Kai Havertz zeigten nicht nur in der Entstehung des Treffers die über weite Strecken vermisste Intensität und Zielstrebigkeit Richtung Tor. Ilkay Gündogan bewies seine Ballsicherheit und half der deutschen Mannschaft, sich zumindest in der Schlussphase wieder aus der Umklammerung der Italiener zu befreien.
Am Ende dürfte Flick zwar mit der Leistung gegen eine runderneuerte italienische B-Elf nicht zufrieden gewesen sein, aber nützlich war das Remis in Bologna auf jeden Fall. Der in dieser Woche ausgerufene Konkurrenzkampf auf allen Positionen mit Blick auf die WM in Katar hat spätestens mit diesem Spiel begonnen.
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