Nations League, Nationalmannschaft: Kimmich, Groß, Pavlovic - die Kandidaten für das Erbe von Toni Kroos im Check

Nach den Rücktritten von langjährigen Führungsspielern steht die deutsche Nationalmannschaft vor einem echten Umbruch. Die buchstäblich zentrale Frage lautet: Wer wird der Nachfolger von Toni Kroos als Taktgeber im Mittelfeld? Eurosport.de analysiert vor dem Auftakt zur Nations League gegen Ungarn (Sa., 20:45 Uhr live im Ticker) im Taktik-Check die Stärken und Schwächen der möglichen Kandidaten.

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Quelle: SID

Organisator, Dirigent und Ruhepol: Toni Kroos wird der deutschen Nationalmannschaft fehlen.
Bundestrainer Julian Nagelsmann erklärte auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Ungarn (Samstag ab 20:45 Uhr live im Ticker), man könne den Weltmeister nicht Eins-zu-Eins ersetzen, jeder Spielertyp sei anders und bringe andere Stärken ein.
Mit Joshua Kimmich, Pascal Groß, Angelo Stiller und Aleksandar Pavlovic gibt es gleich mehrere Kandidaten im DFB-Team, die in die großen Fußstapfen des sechsmaligen Champions-League-Siegers treten wollen.
Eurosport macht den Sechser-Check.
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Toni Kroos (l.) und Pascal Groß

Fotocredit: Getty Images

Joshua Kimmich: Der Flexible

Joshua Kimmich ist kein typischer Sechser. Er verkörpert weder den klaren defensiven Abräumer noch den geduldigen und strategischen Taktgeber. Vielmehr ist er der umtriebige, kreative Typ, der sich mit einschaltet und letzte Pässe spielen will.
In vielen Jahren als Rechtsverteidiger konnte er diese Eigenschaften sehr gut einbringen. In der Triple-Saison 2019/20 war Kimmichs Offensivdrang über den Flügel für kaum einen Gegner zu verteidigen.
Seine kommunikative Art auf dem Platz, seine Orientierung vor der Ballannahme und seine Giftigkeit im defensiven Zweikampf prädestinieren ihn dennoch für eine Rolle im defensiven Mittelfeld - zumal ihm für die Außenverteidigerposition etwas an Tempo fehlt.
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Joshua Kimmich im Zweikampf mit Spaniens Dani Olmo bei der EM 2024

Fotocredit: Getty Images

Bayerns neuer Trainer Vincent Kompany setzte Kimmich zuletzt in einer Hybrid-Rolle ein: Gegen den Ball komplettierte er die Viererkette auf der rechten Seite, in Ballbesitz rückte er ins Zentrum. Dort jedoch nicht als zentraler Fixpunkt, sondern auf der Halbposition.
Nagelsmann sind solche taktischen Manöver grundsätzlich definitiv zuzutrauen. Bisher zeigte sich der Bundestrainer jedoch recht konservativ in seiner Herangehensweise und hat offensichtlich großen Respekt vor dem Aspekt der fehlenden Trainingszeit mit der Mannschaft.
Eurosport-Check: Kimmich bleibt Rechtsverteidiger. Spielt er hinter einem Flügeldribbler wie Leroy Sané, kann er bei Ballbesitz ins Zentrum rücken und dort seine Qualitäten einbringen. Spielt er hinter einem einrückenden Spielmachertypen wie Jamal Musiala, schiebt er hoch, hält die Breite und kann seine gefährlichen Flanken einstreuen.
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Quelle: Perform

Pascal Groß: Der Taktgeber

Will man Toni Kroos möglichst genau ersetzen, kann man eigentlich nur bei Pascal Groß landen. Der Sommerneuzugang des BVB ist im neuen System von Nuri Sahin sofort Dreh- und Angelpunkt im defensiven Mittelfeld.
Groß ist bei Brighton zu einem Topspieler gereift: Orientierung, Ruhe, Entscheidungen und Passqualität sind schlichtweg auf Weltklasseniveau. Er macht nahezu keine Fehler und bestimmt den Rhythmus seines Teams.
Was für den ein oder anderen Zuschauer langweilig wirken mag, hat Hand und Fuß: Groß spielt immer wieder kurze Pässe ohne großen Raumgewinn - nur um dann im richtigen Moment eine oder zwei Ebenen weiter nach vorne zu spielen.
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Pascal Groß im EM-Eröffnungsspiel gegen Schottland

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Gegner locken, Gegner überspielen, Gegner locken, Gegner überspielen … Was bei Brighton unter Trainerfuchs Roberto de Zerbi das Spielprinzip schlechthin war, will auch Sahin beim BVB etablieren.
Dass mit Kroos' Rücktritt nun genau dieser Faktor im Spiel der DFB-Elf wegfällt, dürfte Groß' Ausgangslage nicht verschlechtern.
Eurosport-Check: Groß ist der Beweis dafür, dass auch "ältere" Spieler sich noch weiterentwickeln können. Seine Fähigkeiten und sein gesamtes Spielerprofil ähneln Kroos am ehesten. Er wird eine wichtige Rolle in Nagelsmanns Überlegungen spielen.

Angelo Stiller: Der Weiträumige

5,5 Millionen Euro für einen soliden Mittelfeldspieler aus Hoffenheim? Sicherlich war nicht jeder Stuttgart-Fan auf Anhieb überzeugt vom letztjährigen Sommertransfer. Doch Angelo Stiller wurde einer der Erfolgsfaktoren schlechthin in Stuttgarts traumhafter Saison, die letztlich als Vizemeister endete.
Der Linksfuß, der beim FC Bayern ausgebildet worden ist, besticht durch ein herausragendes Passspiel: Nahezu jeden Punkt auf dem Feld kann Stiller präzise anspielen. Weite Diagonalpässe oder Bälle hinter die Kette des Gegners sieht man bei ihm häufiger als bei seinen Konkurrenten in der Nationalmannschaft.
Bei Stuttgart hat er in der Regel die Aufgabe, zentral vor der Abwehr zu stehen. Ein Abkippen nach außen oder nach hinten sieht man selten, ebenso Freilaufbewegungen nach vorne. Mit seinem Partner auf der Doppelsechs, Atakan Karazor, ist Stiller die Prellwand für die eigenen Innenverteidiger. Immer wieder spielen diese kurze Pässe auf die Doppelsechs, die dann direkt zurückgelegt werden.
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Angelo Stiller (VfB Stuttgart)

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Damit will der VfB die gegnerischen Sechser auf die eigenen Sechser herauslocken - und anschließend Bälle in den großen Raum vor der gegnerischen Kette anspielen, wo vor allem Deniz Undav in gutem Timing entgegenkommt.
Erst in diesen Momenten rückt Stiller nach und ist eine Rückpassoption für den weiteren Angriff. Mit seinen Distanzschüssen verfügt neben seinen Chip- und Diagonalbällen über eine weitere Waffe.
Eurosport-Check: Stiller ist kein typischer Stratege, der das Spiel lenkt. Neben einem positionstreuen Spieler kann er jedoch derjenige sein, der nachrückt und dann seinen fantastischen linken Fuß im letzten Drittel nutzt.

Aleksandar Pavlovic: Der deutsche Busquets?

Shootingstar Pavlovic wäre ohne seine Verletzung mit hoher Wahrscheinlichkeit schon Teil des EM-Kaders im vergangenen Sommer gewesen. Der 20-Jährige hat ein einzigartiges Profil im Pool der deutschen Sechser-Kandidaten.
Ähnlich wie Sergio Busquets lange Jahre beim FC Barcelona ist Pavlovic ein unscheinbar wirkender Ballverteiler. Seine große Stärke liegt darin, dass er keine engen Räume scheut und seine Position immer hält. Wo andere Sechser zur Seite herauskippen oder sich zwischen die Innenverteidiger fallen lassen, um dem Druck zu entgehen, bleibt Pavlovic cool und fordert weiterhin Bälle im Zentrum.
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DFB: Toni-Kroos-Nachfolger gesucht - Aleksander Pavlovic zählt zu den Kandidaten

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Weil er sich so gut (und oft!) orientiert, ständig über beide Schultern blickt und beide Füße bei der Ballan- und mitnahme nutzt, ist er kaum "pressbar" für den Gegner. Mit ihm als Fixpunkt vor der Abwehrkette kann man auch durch enge Räume spielen - quasi über Bande.
Einen Pass vom Innenverteidiger kann er auch unter Gegnerdruck weiterleiten in die freien Räume oder per Direktpass zu den Künstlern in der vorderen Reihe leiten.
Eurosport-Check: Pavlovic kann ein wichtiger Faktor im Spiel der DFB-Elf werden - wenn auch nicht der Taktgeber. Als Fixpunkt vor der Abwehr kann er jedoch für die nötige Ballsicherheit sorgen und einen strategischer agierenden Spieler wie Groß ideal ergänzen. Gut vorstellbar, dass der junge Bayernspieler in Zukunft zentral vor der Abwehr in den engen Räumen agiert und Groß sich in Kroos-Manier nach halblinks absetzt und von dort das Tempo bestimmt.
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Kimmich: Kapitänsamt ist "keine One-Man-Show"

Quelle: Perform


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