Nationalmannschaft: Neulinge um Jamie Leweling begeistern gegen die Niederlande - Nagelsmann hat die Qual der Wahl
Update 15/10/2024 um 12:26 GMT+2 Uhr
Die deutsche Nationalmannschaft hat mit einem Prestigesieg gegen die Niederlande (1:0) das Viertelfinale in der Nations League perfekt gemacht. Dabei spielten sich gleich mehrere Neulinge um Jamie Leweling in den Vordergrund. Das junge DFB-Team begeistert auch nach der Heim-EM und gibt Julian Nagelsmann neue Möglichkeiten. Der Bundestrainer hat für die kommende Länderspielreise die Qual der Wahl.
"Außergewöhnliches Debüt": Leweling begeistert Nagelsmann
Quelle: Perform
Im Fußball ist es wie im wahren Leben: Das Pech des einen ist das Glück des anderen. Oder umgekehrt. Da spielt Jamie Leweling wohl das Spiel seines Lebens.
München, Allianz Arena, knapp 70.000 Zuschauer, der Klassiker Deutschland gegen die Niederlande. Der 23-Jährige, erstmals in die Nationalelf berufen, erfährt am Vormittag des Spieltags, dass er am Abend in der Startelf steht. Sein DFB-Debüt garniert er mit einem Treffer, dem goldenen Tor zum völlig verdienten 1:0-Erfolg gegen das Nachbarland.
Doch ins Team gerutscht ist der Mann des Tages vom VfB Stuttgart nur, weil Deniz Undav, am Freitag dank seines Doppelpacks in Bosnien-Herzegowina (2:1) der Mann des Tages, ebenfalls vom VfB Stuttgart, kurzfristig wegen muskulärer Probleme hatte passen müssen. Und überhaupt: Nur, weil die Offensiv-Spieler Jamal Musiala, Kai Havertz (beide Stammspieler) sowie Niclas Füllkrug für die beiden Oktober-Länderspiele verletzt ausfielen, wurde Leweling nachnominiert.
Man habe den Flügelspieler im Trainerteam "schon länger auf dem Zettel" gehabt, verriet Bundestrainer Julian Nagelsmann kurz vor Mitternacht in der Münchner Arena und meinte ehrlich: "Wären alle gesund gewesen, wäre er aber nicht dabei gewesen, so offen kann man das sagen. Es war eine knappe Entscheidung, ihn mitzunehmen."
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Feierte einen gelungenen Einstand: Jamie Leweling
Fotocredit: Getty Images
Stehende Ovationen für Matchwinner Leweling
Und dann kommt dieser Franke, ein gebürtiger Nürnberger, und wird bei seiner DFB-Premiere "der Schlüsselspieler in unserer Offensive", wie Kapitän Joshua Kimmich meinte. Der Neuling habe ein "überragendes Spiel" gemacht, so Kimmich weiter: "Jamie muss man heute rausheben, nicht nur wegen seinem Tor. Das gibt es nicht oft, dass die Allianz Arena bei einem Debüt von einem steht und klatscht."
Es gab Standing Ovations bei Lewelings Auswechslung in der 87. Minute. Liebling Leweling. Ein feiner Techniker, der stets Ruhe sowie Übersicht behielt, ballsicher agierte, clevere Pässe spielte und seinen Torriecher unter Beweis stellte.
"Jamie hat viele kritische Situationen mit Druck im Rücken mit viel Körperlichkeit gelöst, hat uns genau die Energie gegeben, die wir brauchten", freute sich Nagelsmann und berichtete von einem Vieraugengespräch am Sonntag: "Ich habe ihm gestern noch gesagt, dass ich das Energielevel, was er beim VfB zeigt, hier noch etwas vermisst habe. Dann hat er mich heute eines Besseren belehrt. Dass er so gut spielt, habe ich nicht erwartet. Er hat tatsächlich ein außergewöhnlich gutes Debüt gegeben."
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Auffälliges Debüt: Jamie Leweling (l.) gegen Ryan Gravenberch
Fotocredit: SID
Darum entschied sich Leweling gegen Ghana
Auf dem Platz mutig, dominant und selbstsicher, außerhalb eher schüchtern und zurückhaltend. "Ich freue mich, dass ich helfen konnte. Wir als Mannschaft haben ein gutes Spiel gemacht", sagte Leweling im "ZDF" und meinte später in der Mixed Zone: "Klar war ich extrem aufgeregt. Aber am Ende ist’s Fußball, elf gegen elf. Auf dem Platz war die Nervosität weg. Ich war einfach nur glücklich, spielen zu dürfen und zeigen zu können, was ich kann. Dass es dann so läuft, hätte ich mir nicht besser ausmalen können."
Der Nürnberger kam über die Club-Jugend und Greuther Fürth (Bundesliga-Aufstieg 2021) zu Union Berlin (2022-23). Nach einer Leihe zum VfB Stuttgart wurde er diesen Sommer für fünf Millionen Euro fest verpflichtet.
Zuvor hat Leweling bereits in Deutschlands U19, U20 und U21 gespielt - doch mit dem Einsatz im UEFA-Pflichtspielwettbewerb Nations League kann er sich jetzt nicht entscheiden, für die Nationalelf von Ghana aufzulaufen, der Heimat seines Vaters. Warum entschied er sich für die deutsche Nationalmannschaft?
"Ganz einfach", erklärte Leweling, "ich habe zwar Wurzeln dort, aber weil ich hier geboren und aufgewachsen bin. Das macht mich zu einem Deutschen."
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DFB-Neulinge überzeugen
Und zu einem Spieler, der für Nagelsmann nach nur einem einzigen Einsatz unverzichtbar geworden ist. Leweling dürfte seine Einladung für die abschließenden zwei Gruppenspiele im November gegen Bosnien-Herzegowina (16.11.) in Freiburg und drei Tage später in Budapest gegen Ungarn bereits sicher haben. Wie so viele, die bei den beiden Erfolgen im Oktober dabei waren - ob sowieso vorgesehen oder nachnominiert.
Von den beiden Torhütern Alexander Nübel und Oliver Baumann, die sich den Job in Tor teilen durften und bei ihrem jeweiligen Debüt überzeugten, bis hin zu Mittelstürmer Tim Kleindienst, der Füllkrugs Rolle einnahm. Noch so ein Debütant wie Jonathan Burkhardt in Bosnien oder Angelo Stiller im September gegen Ungarn (5:0).
Obwohl er so abgebrüht spielt, ist auch Aleksandar Pavlovic (20), der seine DFB-Premiere Anfang Juni vor EM-Beginn feierte und dann wegen einer Mandelverletzung das Heim-Turnier verpasste, noch kein alter Hase. Es passte gut mit Stiller (23), die beiden harmonierten im zentralen Mittelfeld.
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Nagelsmann lobt DFB-Kader und "Gegenpressing wie Manchester City"
Quelle: Perform
Ein Mittelfeld-Duo wird bald unverzichtbar
Langfristig könnten sich Pavlovic und Stiller als defensive Fachkräfte im Maschinenraum in der Nationalelf etablieren. Nagelsmann bezeichnete sie schon vor dem Spiel als "zwei neue Sechser, die eine sehr gute Perspektive beim DFB haben". Die nächsten Unverzichtbaren. Wenn man so auftritt wie gegen die Niederländer, im Sommer noch EM-Halbfinalist.
"Die erste Halbzeit war die beste, die wir im letzten Jahr gespielt haben. Extrem dominant. Der Gegner hatte keine Lösung, hinten herauszuspielen, wir hatten viele Ballgewinne", freute sich Nagelsmann und lobte: "Alle haben ein gutes Spiel gemacht."
Dabei weiß der 37-Jährige, dass er aufgrund der zahlreichen Ausfälle zu einer Not-Elf gezwungen wurde. Die Spieler machten daraus eine Tugend. "Die Gier, die die Mannschaft verkörpert, ist ein sehr, sehr großer Schritt", sagte Nagelsmann, "ich bin stolz auf meine Mannschaft. Wir haben in der Nations League noch kein Spiel gehabt, bei dem ich das Gefühl hatte: Es ist egal, ob wir gewinnen oder nicht gewinnen."
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Aleksandar Pavlovic (l.) und Angelo Stiller könnten im DFB-Team bald unverzichtbar werden
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Nations-League-Viertelfinale als erster Schritt
Nach dem 2:1 in Bosnien-Herzegowina und dem 1:0-Erfolg im ewigen Prestige-Duell mit dem Nachbarland (Hinspiel in Amsterdam 2:2) hat das DFB-Team erstmals die K.o.-Runde der Nations League, in diesem Fall das Viertelfinale (wird im März ausgetragen) erreicht.
Ein weiterer Schritt, der auf dem Fleißkärtchen von Nagelsmann verbucht wird. Ein Etappenziel auf dem Weg zur Nordamerika-WM, deren Gewinn der Bundestrainer als Ziel formuliert hat.
Es läuft aktuell, weil die, die nachrücken, den etablierten Spieler Dampf machen. Lorbeeren gibts nicht mehr. "Als Trainer testet man immer ein bisschen. Die negative Situation, dass viele verletzt sind, hat positive Auswirkung für neue Spieler", so Nagelsmann.
Und umgekehrt führt der qualitativ breiter aufgestellte Kader zu höherem internen Druck, wie der Bundestrainer erklärte: "Es ist gut, aus der zweiten Reihe neues Personal gefunden zu haben, das den Konkurrenzkampf enorm erhöht. Jetzt weiß jeder, dass er sich nicht ausruhen kann. Das fördert die Leistung."
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Leroy Sané im DFB-Trainingsanzug während der EM 2024
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Was wird aus Leroy Sané?
Alle Neulinge und auch die DFB-Rückkehrer (Serge Gnabry, Robin Gosens und Kevin Schade) überzeugten, weil sie ihre Aufgaben erfüllten und ihre Rollen ausfüllten.
Für einen wie Bayern-Profi Leroy Sané, bei der Heim-EM noch die Nummer zwölf bzw. 13 im Kader, musste sich nach dem Turnier einer Leisten-Operation unterziehen und kämpft sich gerade über Joker-Einsätze peu à peu zurück in die Startelf der Bayern. So er es denn schafft.
Die Perspektive unter Nagelsmann ist für den 28-jährigen Sané schwieriger geworden - auch wegen Liebling Leweling.
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Kurioser Moment: Italien-Torhüter erfährt auf PK von Einsatz
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