Drei Dinge, die bei Deutschland gegen Liechtenstein auffielen: Flick impft DFB-Team mit Bayern-Gen

Die deutsche Nationalmannschaft hat unbeeindruckt auf das Corona-Chaos der vergangenen Tage reagiert. Ex-Bundestrainer Joachim Löw, der im Vorfeld des Spiels gegen Liechtenstein verabschiedet wurde, sah ein 9:0 des DFB-Teams. Dabei wurde die Bayern-Handschrift seines Nachfolgers sichtbar, ein Fußball-Zwerg beeindruckte, die schönste Szene folgte auf die hässlichste. Drei Dinge, die auffielen.

Bundestrainer Hansi Flick (r.) und Ilkay Gündogan

Fotocredit: Getty Images

Die sportlich unbedeutende Partie gegen Liechtenstein sollte eigentlich im Zeichen des Abschieds von Ex-Bundestrainer Joachim Löw stehen, doch im Vorfeld sorgte der positive Coronatest von Niklas Süle für reichlich Wirbel.
Letztlich ließ sich das DFB-Team nicht von dem Corona-Chaos aus der Ruhe bringen, zeigte trotz der bereits eingetüten WM-Qualifikation und ohne etliche Stammspieler eine konzentrierte Leistung. 9:0 hieß es am Ende vor rund 26.000 Zuschauern in Wolfsburg, die bemitleidenswerten Gäste mussten dabei nach einem frühen Platzverweis über 80 Minuten in Unterzahl agieren.
Jens Hofer hatte Leon Goretzka brutal mit offener Sohle am Hals getroffen, zeigte aber im Nachgang Größe, ein anderer Akteur des Fußball-Zwergs beeindruckte aus sportlicher Sicht und Bundestrainer Hansi Flick ist es binnen kurzer Zeit gelungen, seinen Spielern das viel zitierte "Bayern-Gen" einzuimpfen.
Drei Dinge, die bei Deutschland gegen Liechtenstein auffielen:

1. Flick impft DFB-Spieler mit Bayern-Gen

Zugegeben: Liechtenstein und die restlichen Gegner der WM-Qualifikationsgruppe J waren kein wirklicher Gradmesser für das namhafte DFB-Team. Ob die Mannschaft zeitnah wieder auf Augenhöhe mit den großen Fußballnationen agieren kann, werde man "erst nächstes Jahr sehen", sagte Marco Reus berechtigterweise im Anschluss bei "RTL", weil die bisherigen Kontrahenten sich eben "nicht auf dem Niveau" bewegen.
Dennoch ist Flicks Handschrift, die er zu Zeiten als Coach des FC Bayern erkennen ließ, bereits zutage getreten: Niemals aufstecken, stets weiter nach vorne spielen, egal, wie komfortabel die Führung auch erscheinen mag.
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Thomas Müller traf gegen Liechtenstein doppelt

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Thomas Müller, ein mit unzähligen Titeln dekorierter Routinier, riss bei seinem Tor zum 8:0 die Arme gen Wolfsburger Nachthimmel, jubelte, als habe er den entscheidenden Treffer in einer Champions-League-Partie erzielt. Die Gier auf Erfolg, die der Ur-Bayer quasi schon seit seiner Zeit als Jugendspieler beim deutschen Rekordmeister verinnerlicht und in anderthalb Jahren unter Flick perfektioniert hat, stand dabei sinnbildlich.
Dass die deutsche Nationalmannschaft auch gegen heillos überforderte Außenseiter eine derartige Lust auf Tore an den Tag legt, war vor allem am Ende der Löw-Ära nur selten der Fall. Vielmehr schienen die Spieler derlei Partien mehr als lästige Pflichtaufgabe denn als Bühne zu verstehen, rumpelten sich mit bisweilen unansehnlichem Gekicke zu Arbeitssiegen.
Seit Flick das Zepter vom 2014er Weltmeister-Macher übernommen hat, ist eine andere Mentalität eingekehrt, ein neuer, gesunder Konkurrenzkampf entbrannt. Auch diejenigen, die vermeintlich hintendran sind, wollen sich zeigen, spielen mit Leidenschaft um ihr Ticket für das Turnier im kommenden Jahr.
Doppeltorschütze Müller fasste es im Nachgang recht treffend zusammen: "Man muss natürlich relativieren. Wir hatten nicht so schwierige Gegner in der Gruppe. Aber man heute gesehen, dass wir immer das nächste und nächste Tor wollten." Eine Attitüde, die den FCB im vergangenen Jahr zu sechs Titeln führte.

2. Fußball-Zwerg ganz groß: Liechtenstein-Keeper beeindruckt

Ein Mann verhinderte, dass nach 90 Minuten kein zweistelliges Ergebnis auf der Anzeigetafel zu sehen war: Benjamin Büchel, Liechtensteins Torhüter. Der 32-Jährige, der schon im Hinspiel erheblichen Anteil daran hatte, dass der Underdog nur 0:2 verlor, warf sich in jeden Schuss, zeigte teils sehenswerte Paraden.
Derer 14 standen letztlich in den Statistikbüchern, zudem verbuchte er die meisten Ballaktionen aller Liechtensteiner (66), beeindruckende Zahlen – besonders, wenn man bedenkt, dass er dennoch neunmal hinter sich greifen musste.
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Liechtensteins Torhüter Benjamin Büchel überzeugte

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Dass, was es zu halten gab, hielt Büchel, der die meiste Zeit seiner Karriere bei unterklassigen Schweizer Vereinen zwischen den Pfosten stand und mittlerweile beim FC Vaduz in der zweiten Schweizer Liga unter Vertrag steht.
Im Netz gab es für Büchels Auftritt viel Lob, unzählige Twitter-User kürten den Torhüter zum Mann des Spiels und zollten ihm Respekt für seine Leistung.
Auch Bundestrainer Hansi Flick hielt ein Sonderlob bereit. Natürlich hätte der Sieg noch höher ausfallen können, aber Liechtenstein habe eben auch "einen guten Torhüter".

3. Die schönste Szene folgte auf die hässlichste

Das Spiel war noch keine zehn Minuten alt, da hielten die Zuschauer im Stadion bereits den Atem an. Goretzka war zu Boden gegangen, wand sich auf dem Rasen vor Schmerzen und musste mehrere Minuten behandelt werden.
Erst in der Wiederholung war detailliert zu erkennen, dass Liechtensteins Jens Hofer den Mittelfeldmann vom FC Bayern mit einem brutalen Tritt an den Hals niedergestreckt und sich mit seinen Stollen ebenda verewigt hatte.
Der "Übeltäter" selbst war direkt danach kreidebleich, wusste genau, dass er völlig unverhältnismäßig rabiat in den Zweikampf gegangen war und nahm die folgerichtige Rote Karte ohne Beschwerde hin.
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Jens Hofer (l.) hilft nach seiner Roten Karte Leon Goretzka vom Feld

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Stattdessen kümmerte er sich um Goretzka, kniete während der gesamten Zeit, die die DFB-Mediziner für dessen Verarztung benötigten, neben ihm, hielt Goretzkas Hand, bat offensichtlich durchweg um Entschuldigung.
Als klar war, dass Goretzka glücklicherweise nichts Schlimmeres zugestoßen war, ließ Hofer es sich nicht nehmen, seinen angeschlagenen Gegenspieler zu stützen und unter Applaus vom Feld zu geleiten. Aufrichtige Reue des Liechtensteiners. Auch Goretzka reagierte stark, machte noch beim Verlassen des Platzes deutlich, dass er die Entschuldigung des 24-Jährigen annimmt.
Die schönste Szene des Spiels.
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