Zum Frontalangriff auf Katar gab sich Toni Kroos selbst die Vorlage. In seinem Podcast wählte er die Hörerinnenfrage aus, die er in außergewöhnlicher Schärfe und Deutlichkeit sogleich in einem bemerkenswerten Fünf-Minuten-Monolog beantwortete.
Unmenschliche Arbeitsbedingungen, die Verfolgung Homosexueller, die Absurdität der WM-Vergabe: Kroos redete darüber so klar, wie man es von einem Nationalspieler nie zuvor gehört hat.
"Die Gastarbeiter haben da ein pausenloses Arbeiten bei 50 Grad Hitze, sie leiden unter mangelnder Ernährung, fehlendem Trinkwasser, was bei den Temperaturen ein Wahnsinn ist", sagte der Mittelfeld-Star von Real Madrid in "Einfach mal luppen", dem Talk mit seinem Bruder Felix (Eintracht Braunschweig).
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Den jüngst begonnenen Einsatz der Nationalmannschaft für Menschenrechte hebt er damit auf ein neues Niveau.

Kroos spricht Klartext

Kroos nannte die unerträglichen Missstände als erster Spieler beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eindeutig beim Namen. "Die Sicherheit ist überhaupt nicht gewährleistet, es gibt keine medizinische Versorgung. Ich finde die Vergabe an Katar nicht gut.
Das eine sind die Arbeitsbedingungen, das andere, dass Homosexualität dort unter Strafe steht und verfolgt wird", sagte er. Es werde auch "eine gewisse Gewalt an den Arbeitenden" ausgeführt: "Das sind Punkte, die absolut inakzeptabel sind."
Man müsse sich allerdings auch die Frage stellen: "Was bringt ein Boykott? Ändern sich dann die Arbeitsbedingungen entscheidend? Ich denke, nein", sagte Kroos. Er sei der Meinung, dass die WM "große Aufmerksamkeit" auf die bestehenden Probleme lenke, was "vielleicht" Verbesserungen anschieben könne.

Kroos: WM-Boykott wird "viel zu spät diskutiert"

Kroos kündigte an, auch während der höchst umstrittenen Winter-WM im Emirat seine Stimme zu erheben. "Der Fußball kann und muss auf die Probleme extrem aufmerksam machen, immer wieder. Vielleicht auch im Vorfeld oder während so eines Turniers."
Die Bedingungen seien aber "nicht nur wegen der WM" so, wie sie sind, was ein Argument gegen den Boykott sei. Dieser werde ohnehin "viel zu spät diskutiert", die Vergabe sei "zehn Jahre her". Seitdem sind laut Bericht des englischen "Guardian" Tausende Menschen auf WM-relevanten Baustellen gestorben.
"Dass dieses Turnier dahin gegeben worden ist, das halte ich für falsch. Katar ist kein Fußball-Land in dem Sinne, wo es logisch ist, dass es eine WM gibt", so Kroos.

DFB-Spieler bemühen sich um Botschaften

Die deutsche Nationalmannschaft hatte vor dem ersten WM-Qualifikationsspiel gegen Island (3:0) in der vergangenen Woche mit selbst bemalten T-Shirts die Botschaft HUMAN RIGHTS (Menschenrechte) ausgesendet. Kroos war zuvor verletzt abgereist.
Die Aktion wurde gelobt, Kritik allerdings entzündete sich an der anschließenden Verwertung des Pinselei-Making-ofs auf den Social-Media-Kanälen des Verbandes.
Vor dem Spiel in Rumänien (1:0) trugen die Spieler dann ihre Trikots mit den Nummern nach vorne, um auf die Menschenrechtscharta der Vereinen Nationen aufmerksam zu machen. Allenfalls dezent oder andeutungsweise wurde im Zusammenhang mit den Botschaften direkt Katar genannt - Kroos ändert das mit einem Schlag.
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(SID)

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