WM 2022 - DFB-Defensive für Katar im Check: Komfortable Torhüter-Situation, Nico Schlotterbeck schwankt
Bundestrainer Hansi Flick hat in der vergangenen Woche seinen Kader für die Weltmeisterschaft in Katar bekanntgegeben – und hielt vor allem in der Abwehr die eine oder andere Überraschung bereit. Insgesamt reisen zwölf Defensivmänner mit in die Wüste. Welche Profis warten aktuell mit starker Form auf, wer strauchelte zuletzt und über wem steht dieser Tage ein großes Fragezeichen? Der große Check.
Nico Schlotterbeck, Armel Bella-Kotchap und Thilo Kehrer (v.l.n.r.)
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Das letzte Testspiel ist absolviert, jetzt liegt der komplette Fokus auf der Weltmeisterschaft in Katar. Bundestrainer Hansi Flick hat insgesamt 26 Spieler für das umstrittene Winter-Turnier in der Wüste (20. November bis 18. Dezember) in seinen Kader berufen.
Im Rahmen der Bekanntgabe sorgte der frühere Bayern-Coach in der Abwehr beispielsweise mit der Nicht-Berücksichtiung von Mats Hummels (Borussia Dortmund) oder Robin Gosens (Inter Mailand) sowie den Nominierungen von Armel Bella-Kotchap (Southampton) und Lukas Klostermann (RB Leipzig) für ein paar Überraschungen.
Zunächst bereitet sich der DFB-Tross im nahegelegenen Oman auf das erste WM-Gruppenspiel gegen Japan (23. November, 14 Uhr im Liveticker) vor, ehe es weiter ins Zulal Wellness Ressort nach Katar geht, wo die deutsche Nationalmannschaft ihr Lager für das Turnier aufschlägt.
Wessen Form lässt die deutschen Fans hoffen und wer wusste unlängst nicht zu überzeugen? Der große Check der DFB-Defensive.
TOR
Manuel Neuer (FC Bayern)
Der Kapitän des FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft hatte in der jüngeren Vergangenheit mit Schulterproblemen zu kämpfen, erst vor anderthalb Wochen kehrte der Schlussmann beim deutschen Rekordmeister ins Tor zurück. Nach dem 2:0-Erfolg über Schalke 04 am Samstagabend bekräftigte der Routinier, dass die Schulter keine Probleme mehr mache. Neuer wird – sofern er sich nicht verletzt – während der WM das deutsche Tor hüten.
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Manuel Neuer
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Aktuelle Form: Neuer zählt nach wie vor zu den besten Torhütern der Welt, seine derzeitige Form ist allerdings schwer zu greifen. Drei Bundesligaspiele absolvierte er nach überstandener Verletzung, in zweien (Bremen und Schalke) war er nahezu beschäftigungslos und dementsprechend nicht in der Lage, große Rückschlüsse auf seinen Zustand zu liefern. Im Testspiel gegen den Oman musste er ebenfalls kaum eingreifen.
Marc-André ter Stegen (FC Barcelona)
Ter Stegen wäre bei den meisten anderen WM-Teilnehmern die unumstrittene Nummer eins, im DFB-Team muss er sich jedoch hinter Neuer anstellen. Keine ungewohnte Situation für ihn, zumindest mit Blick auf die Nationalmannschaft. Beim FC Barcelona ist der ehemalige Gladbacher seit Jahren gesetzt.
Aktuelle Form: Vor allem zu Beginn der Saison präsentierte sich ter Stegen in bestechender Form. 637 blieb er zwischenzeitlich ohne Gegentor, ehe seiner Rekordjagd im Clásico von Real Madrid gestoppt wurde. Zuletzt musste der 30-Jährige wieder regelmäßiger hinter sich greifen, was zumeist nicht an ihm lag. Er laboriert an einem Magendarm-Infekt und wird das Trainingslager im Oman auslassen.
Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt)
Wohl dem, der es sich erlauben kann, einen Torhüter wie Trapp als zweiten Ersatzmann mitzunehmen. Für den Eintracht-Keeper war das Jahr 2022 ein herausragendes, der Höhepunkt war sein gehaltener Elfmeter im Finale der Europa League gegen die Glasgow Rangers, der den Grundstein für einen der größten Erfolge der SGE-Historie legte.
Aktuelle Form: Trapp ist auch in dieser Saison Frankfurts sicherer Rückhalt – und einer der Erfolgsgaranten bei den Adlerträgern. Ein Torhüter, der seine internationale Klasse auch zuletzt mehrfach unter Beweis stellte. Flick muss ich auf dieser Position keine Sorgen machen.
ABWEHR
Antonio Rüdiger (Real Madrid)
Rüdiger zog es im Sommer ablösefrei vom FC Chelsea zum Champions-League-Sieger in die spanische Hauptstadt. Dass er bislang aufgrund der starken Konkurrenz, namentlich David Alaba und Eder Militao, nicht immer in der Startelf steht, ist für ihn kein Problem. "Dass man jetzt auf Anhieb Stammspieler wird nach der Saison, die sie letztes Jahr hatten, ist ein bisschen unwahrscheinlich. Da muss man ein bisschen Geduld mitbringen", sagte er bei "DAZN". Dennoch fühlt sich der Ex-Stuttgarter bei Real wohl – und weiß mit guten Leistungen zu überzeugen.
Aktuelle Form: Rüdiger, bei Chelsea Leistungsträger, reiht sich nahtlos ins starke Gefüge der Königlichen ein. Zuletzt laborierte er an einer Hüftzerrung, seine Teilnahme an der WM brachte dies jedoch nicht in Gefahr. Im letzten Test gegen den Oman wurde er noch geschont. Rüdiger gilt als Flicks erste Option auf einen Platz in der Innenverteidigung.
Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund)
Der Shootingstar der Vorsaison kam mit reichlich Vorschusslorbeeren nach Dortmund, Schlotterbeck sollte einen erheblichen Teil dazu beitragen, dass die Defensivschwäche der Schwarz-Gelben minimiert wird. Der ehemalige Freiburger spielte sich unter Trainer Edin Terzic prompt fest.
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Nico Schlotterbeck im Trikot der deutschen Nationalmannschaft
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Aktuelle Form: Schwankend wäre das Adjektiv, das Schlotterbecks Form wohl bestmöglich skizziert. In der laufenden Saison wechselten sich ansprechende Leistungen mit schwächeren Darbietungen ab, dem 22-Jährigen fehlt – anders als im Breisgau – die Konstanz. Im letzten Bundesligaspiel vor der WM-Pause gegen Borussia Mönchengladbach (2:4) erlebte er einen rabenschwarzen Abend. Im Test gegen den Oman spielte er eine Halbzeit - und hielt sich schadlos. Schlotterbeck wird sicherlich in Katar zu Spielzeit kommen.
Niklas Süle (Borussia Dortmund)
Auch Innenverteidiger Süle wurde vom BVB verpflichtet, um Stabilität in der Hintermannschaft zu gewährleisten. Zu Beginn der Saison verletzte sich der Neuzugang aus München direkt und musste zunächst einige Wochen pausieren. Aufgrund personeller Nöte beim BVB spielte der gebürtige Frankfurter kürzlich meistens auf der Rechtsverteidigerposition.
Aktuelle Form: Kurz nach seiner Genesung sah sich Süle mit reichlich Kritik konfrontiert, einige Experten sprachen ihm die nötige Fitness und Schnelligkeit ab. Mittlerweile hat sich der 27-Jährige jedoch gefangen, Süle löste seine Aufgabe als Rechtsverteidiger über weite Strecken gut – und könnte nun auch im DFB-Team die Problemstelle rechts hinten ausfüllen. Wahrscheinlicher ist aber, dass er an der Seite von Rüdiger in der Innenverteidigung aufläuft.
Armel Bella-Kotchap (FC Southampton)
Spielte sich beim VfL Bochum in der vergangenen Saison in den Fokus. Im Sommer erhielt der Premier-League-Klub FC Southampton für zehn Millionen Euro den Zuschlag. Bei den Saints fasste er sofort Fuß, nur eine Schulterverletzung bremste den 20-Jährigen zwischenzeitlich aus. Dass er anstelle von Hummels nominiert wurde, war überraschend, Flick deklarierte die Entscheidung als Signal für die Zukunft.
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Armel Bella-Kotchap
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Aktuelle Form: Bella-Kotchap hat sich schon jetzt in die Herzen der Southampton-Fans gespielt, besticht durch starke Physis. "Er hat eine sehr gute Entwicklung gemacht in Southampton. Danny Röhl (Anm. d. Red: Co-Trainer Flicks) war vor Ort und hat sich ein Spiel von ihm angeschaut. Auch er war von Armel überrascht. Nun nutzen wir die knapp acht Tage, um ihn zu sehen", begründete Flick die Nominierung des Verteidigers. Gegen den Oman spielte er etwas mehr als eine Stunde, zeigte dabei einige Unsicherheiten. Bei der WM mit Außenseiterchancen.
Matthias Ginter (SC Freiburg)
Der Innenverteidiger war zu Beginn der Saison zurück zu seinem Jugendklub SC Freiburg gewechselt. Eine Entscheidung, die etwas überraschend anmutete, immerhin war Ginter auch mit größeren Vereinen in Verbindung gebracht worden. Bisher hat sich sein Schachzug allerdings für alle Parteien ausgezahlt, die Breisgauer rangieren nach 15 Spieltagen auf dem zweiten Tabellenplatz.
Aktuelle Form: Ginter ist der Fels in der Freiburger Brandung und unter Trainer Christian Streich aktuell nicht aus der Mannschaft wegzudenken. Der 28-Jährige kam in allen Bundesligaspielen über die volle Distanz zum Einsatz und bringt seine Zweikampftstärke und seine spielerische Klasse bestmöglich ein. Beim Test im Oman in der Startelf, im ersten WM-Spiel dürfte er trotz seiner guten Form aber zunächst auf der Bank Platz nehmen.
David Raum (RB Leipzig)
Der gebürtige Nürnberger hat in den vergangenen Jahren einen beeindruckenden Aufstieg hingelegt. Vom Ausbilderklub Greuther Fürth ging es nach Hoffenheim, nach nur einem Jahr zog es ihn weiter zum Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig. An Selbstbewusstsein mangelt es Raum indes nicht. Seinen Transfer zu den Roten Bullen beschrieb er als "wichtigsten" Sommertransfer der Bundesliga.
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David Raum
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Aktuelle Form: Wie erwartet spielte sich Raum zumeist in die Startelf, an seine starken Leistungen aus der Vorsaison knüpfte er bei seinem neuen Arbeitgeber aber noch nicht an. Lediglich eine Vorlage steuerte er in der laufenden Spielzeit bei, seine aktuelle Form ist durchaus ausbaufähig. Auch die erste Halbzeit im Oman lief eher mäßig. Da die Linksverteidigerposition als größte Baustelle bei Flick gilt, werden ihm trotzdem gute Chancen auf Einsatz von Beginn an ausgerechnet.
Christian Günter (SC Freiburg)
Günter ist positionstechnisch der einzige echte Raum-Konkurrent. Ähnlich wie Ginter zählt er beim SCF zu den unumstrittenen Leistungsträgern. Mit der Nominierung für die WM sei für ihn "ein Lebenstraum" in Erfüllung gegangen, sagte der Badener und ergänzte, dass sich seine "jahrelang harte Arbeit" ausgezahlt habe.
Aktuelle Form: Dass es für Freiburg derzeit so herausragend läuft, liegt auch an Kapitän Günter. Der Dauerbrenner beackert die linke Seite unermüdlich und löst seine Sache – wie gewohnt – extrem solide. Die Frage, die im Vorfeld der WM bleibt: Bringt Günter auch das Rüstzeug mit, es mit den absoluten Weltklassespielern aufzunehmen? Dies gilt es nun zu beweisen.
Lukas Klostermann (RB Leipzig)
Klostermanns Nominierung kam überraschend, immerhin datiert sein letzter Einsatz vom ersten Spieltag. Im Anschluss zog er sich einen Syndesmosebandriss zu, der ihn zwischen August und Anfang November außer Gefecht setzte. Erst vor einer Woche kehrte er in den Kader zurück, blieb aber in den letzten beiden Spielen 90 Minuten lang auf der Bank.
Aktuelle Form: Klostermann ist aufgrund seines monatelangen Ausfalls das wohl größte Fragezeichen der gesamten Mannschaft. Gegen den Oman nahm ihn Flick (offenbar geplant) nach einer halben Stunde vom Feld.
Thilo Kehrer (West Ham United)
Kehrer kam bei PSG nicht mehr zum Zuge und suchte im Sommer bei West Ham United eine neue Herausforderung. Zwölf Millionen Euro legten die Hammers für den früheren Schalker auf den Tisch. Seit Hansi Flick das Trainer-Zepter beim DFB übernommen hat, kam Kehrer in 13 von möglichen 15 Partien zum Einsatz - zumeist sogar von Beginn an.
Aktuelle Form: Kehrer ist nach seinem Wechsel nach London wieder Stammspieler. In der Premier League hat er sich nach anfänglichen Schwierigkeiten stabilisiert. Nimmt man Flicks bisherige Startelf-Entscheidungen zur Hand, wäre der 26-Jährige die erste Wahl für die defensive rechte Außenbahn (so auch im letzten WM-Test im Oman). Die größte Konkurrenz dürfte Aushilfs-Rechtsverteidiger Süle sein.
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Flick verzichtet auf Hummels - das sind die Gründe
Quelle: Perform
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